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Alarm in den Niederlanden: Ziegengrippe kommt

(c) APA (HELMUT FOHRINGER)
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Das „Q-Fieber“ hat bereits sechs Todesoper gefordert. Nun werden zehntausende Ziegen getötet. Das Virus überträgt sich direkt von Ziege zu Mensch.

den haag. Nicht die Schweinegrippe, sondern die Ziegengrippe lässt viele Niederländer nun um ihre Gesundheit bangen. Es gab bereits sechs Tote infolge des sogenannten „Q-Fiebers“, das die Ziegengrippe bei Menschen auslöst und das von Tieren direkt übertragen werden kann. Gesundheitsminister Ab Klink und Landwirtschaftsministerin Gerda Verburg haben nun angeordnet, zehntausende Ziegen zu töten, die mit dem Grippevirus infiziert sind.

Von der Ziegengrippe-Epidemie betroffen sind besonders die östlichen und südlichen niederländischen Provinzen, in denen die meisten der rund 375.000 Ziegen in Farmen gehalten werden. 2300 Menschen haben sich bereits mit dem Ziegengrippenvirus infiziert.

„Ich hätte lieber die Schweinegrippe als die Ziegengrippe bekommen“, klagt Jacqueline van den Bos. Die 50-Jährige leidet schon acht Monate unter den Folgen der Ziegengrippe. „Ich muss eine Antibiotikakur nach der anderen machen. Das hohe Fieber, das ich zu Beginn der Krankheit hatte, ist zum Glück weg. Aber ich fühle mich immer noch schwach und müde. Wenn ich einen Tag gearbeitet habe, brauche ich zwei, um mich zu erholen.“

Glücklicherweise hat ihr Hausarzt die Symptome der Ziegengrippe richtig erkannt: Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen, hohes Fieber und Mattheit. Jacqueline van den Bos wurde mit den richtigen Medikamenten behandelt, sonst hätte sie das Q-Fieber möglicherweise nicht überlebt. „Mir geht es jetzt schon wesentlich besser als zu Beginn der Krankheit. Aber ich muss weiterhin Antibiotika nehmen.“

Nicht so viel Glück wie Jacqueline van den Bos hatte Anita Vincent. Ihr Hausarzt erkannte die Ziegengrippesymptome bei der 46-jährigen vierfachen Mutter nicht. Sie wurde falsch behandelt.

 

„Nur noch weinen vor Schmerz“

„Ich hatte Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen, war immer todmüde, musste nur noch weinen vor Schmerz.“ Ihr Arzt dachte, sie sei depressiv. Sie erhielt Antidepressiva. Aber die halfen natürlich nicht. Erst als Frau Vincent dann in einem Krankenhaus gründlich untersucht wurde, weil sie auch noch eine Lungenentzündung bekommen hatte, stellten die Ärzte die richtige Diagnose: „Q-Fieber“. Seither wird sie entsprechend mit Medikamenten behandelt.

Anita Vincent hat inzwischen einen „Verein der Ziegengrippengeschädigten“ gegründet. Sie und ihr Verein werfen den verantwortlichen niederländischen Ministern Ab Klink und Gerda Verburg vor, viel zu spät eingegriffen zu haben. „Die infizierten Ziegen hätten doch schon längst getötet werden müssen.“

Das soll nun geschehen. Denn viele der mit den Viren infizierten Ziegen tragen bereits. „Wenn eine infizierte Ziege ein totes Junges wirft, dann hat dieses Millionen von Viren in sich und die Krankheit kann sich rasend schnell ausbreiten“, warnt Roel Coutinho vom Amsterdamer Zentrum für Infektionskrankheiten. Auch er fordert, die kranken Ziegen unverzüglich zu töten.

Von den 350 Ziegenfarmen, die es in den Niederlanden gibt, wurde die Ziegengrippe inzwischen auf 55 Farmen festgestellt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.12.2009)