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Bergsturz: Zwei Grazer unter den Vermissten

Verschüttete Straße in Bondo.
Verschüttete Straße in Bondo.(c) APA/AFP/MIGUEL MEDINA (MIGUEL MEDINA)
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Nach dem gigantischen Bergsturz wird nach acht Menschen gesucht. Es gibt wenig Hoffnung, weil sich neue Gesteinsmassen lösen.

Bondo/Chur. Das nach dem Bergsturz vom Mittwoch im Schweizer Kanton Graubünden vermisste österreichische Paar kommt aus Graz. Das gab die Polizei am Freitag bekannt. Insgesamt wird nach acht Menschen gesucht, neben den Steirern sind es vier Deutsche aus Baden-Württemberg und zwei Schweizer aus Solothurn. Alle waren im Gebiet um den Piz Cengalo (3369 Meter) an der Grenze zu Italien unterwegs, als rund vier Millionen Kubikmeter Gestein zuzüglich Schlamm vom Berg auf das Bondasca-Tal niedergingen und Teile des Dorfes Bondo trafen.

Die Sucharbeiten gestalten sich schwierig – und mussten in der Nacht auf Freitag unterbrochen werden. Der Berg ist außerdem noch nicht zur Ruhe gekommen: Im unteren Talabschnitt  brach gestern um etwa 16.30 Uhr weiteres Material vom Piz Cengalo ab. Das Material wurde wie schon beim ersten Felssturz am Mittwoch bis ans Dorf Bondo geschoben.

Zu dem Bergsturz war es, wie berichtet, am Mittwoch gekommen – und eigentlich war er erwartet worden: Seit 24. Juni hatten sich etwa 30 kleine Felsstürze ereignet. Geologen hatten im Juli einen unmittelbar drohenden Abbruch von zwei bis drei Millionen Kubikmeter vorausgesagt. Im Gebiet waren Tafeln mit Warnungen in vier Sprachen aufgestellt. Gesperrt war es, von einigen Hochalmen abgesehen, nicht. Am Mittwoch waren vier Millionen Kubikmeter in die Tiefe gestürzt. Eine Million Kubikmeter befindet sich noch am Berg, ist aber in Bewegung.

Die Wanderer waren laut Schweizer Medien Mittwoch früh von der Sciora-Hütte in 2118 Meter Seehöhe aufgebrochen. Sie steht nahe des Cengalo, doch von ihm durch das Bondasca-Tal und eine Bergrippe getrennt, sodass sie von den Gesteinsmassen verschont blieb. Zwei Wanderer wollten laut Hüttenwirt Reto Salis zur Hütte Sasc Furä gehen, dazu mussten sie durch die Zone, in der sich später der Bergsturz ereignete. Die anderen wollten ins Tal nach Bondo zurück. Kaum eine Stunde später löste sich eine Bergspitze vom Cengalo.

Bewusst in die Gefahrenzone

Dass alle dabei durch eine Gefahrenzone gehen würden, die auch das Bondasca-Tal zwischen dem Cengalo und Bondo umfasste, sollten sie gewusst haben: „Vor zwei Wochen wurden wir gewarnt, dass so ein Ereignis möglich sei“, sagt Hüttenwirt Salis, „doch schon in den Wochen zuvor hab ich die Wanderer vor der Gefahr gewarnt.“

Trotz der groß angelegten Suchaktion schwanden die Hoffnungen, die Vermissten lebend zu retten. 48 Stunden nach dem Unglück seien die Überlebenschancen nicht mehr sehr hoch, sagte der Sprecher der Kantonspolizei, Roman Rüegg, am Freitag bei einer Pressekonferenz. „Mit jeder Stunde steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die acht vermissten Personen tot sind“, sagte die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard nach einem Besuch in der Unglücksregion. (Ag./Red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.08.2017)