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Künstliche Nase soll Mauern niederreißen

Johannes Bintinger überzeugte das Publikum.
Johannes Bintinger überzeugte das Publikum.Katharina Roßboth
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Mit seiner Idee, den Geruchssinn zu digitalisieren und für die Früherkennung von Krankheiten einzusetzen, sicherte sich Johannes Bintinger von der TU Wien das letzte Ticket für das Finale des Falling-Walls-Wettbewerbs in Berlin.

Einen Augenblick lang wirkte er ratlos. „Ist das wirklich das endgültige Ergebnis?“, fragte Moderator Jürgen Mlynek, ehemaliger Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren und Vorsitzender des Kuratoriums der Falling Walls Foundation. Denn weder er noch das Publikum (rund 200 Leute) im Elisabeth-Herz-Kremenak-Saal im Congress Centrum konnten an Donnerstagabend das Ergebnis der Abstimmung glauben, das sich nach der Lautstärke der Applauses richten sollte.

Obwohl Johannes Bintinger von der TU Wien eindeutig den meisten und lautesten Applaus bekam, reihte ihn das elektronische Messgerät zunächst mit nur einem Punkt Unterschied an die zweite Stelle. Also entschied Mlynek kurzerhand, dass das Resultat aufgehoben und erneut abgestimmt wird – diesmal aber ohne Technik, die bereits vergangenes Jahr bei der gleichen Veranstaltung versagt hatte.

Rückschlüsse durch den Atem

Schließlich wählte das Publikum – wie schon 2016 – per Handzeichen Bintinger mit deutlichem Abstand auf Platz eins und sicherte ihm ein Tickt für das Finale des Falling Walls Lab in Berlin. Er überzeugte die Besucher mit seinem Vortrag „Breaking the Wall of Smell Sensing“. Darin erklärte der angehende Chemiker, wie er mit Graphen (eine Modifikation von Kohlenstoff mit wabenförmiger Struktur) den Geruchssinn digitalisieren und diese Technologie beispielsweise bei der Früherkennung von Krankheiten einsetzen will.

So könne etwa der Atem von Menschen Rückschlüsse auf eine Krebserkrankung und deren Stadium zulassen. Denn mit den aus Graphen bestehenden Sensoren lassen sich neben der Luftfeuchtigkeit auch Ammoniak und Cyclohexanon aufspüren – Bestandteile des menschlichen Atems. In einigen Jahren soll das Produkt zur Marktreife gelangen, bisher gibt es nur Prototypen.

„Ich freue mich, beim großen Falling-Walls-Finale im November in Berlin dabei zu sein“, sagte Bintinger im Anschluss an den (komplett in Englisch gehaltenen) Wettbewerb. „Es war auch für mich eine spannende Erfahrung, die Gewinner aus 100 nationalen Labs live zu erleben.“

Entscheidung in drei Minuten

Zum Hintergrund der Veranstaltung: Bereits am 24. April dieses Jahres fand das zweite österreichweite Falling Walls Lab statt: 14 Nachwuchswissenschaftler aus acht Nationen und zwölf Institutionen traten gegeneinander an. In je drei Minuten präsentierten sie einer achtköpfigen Jury unter dem Vorsitz von Helga Nowotny (an der ETH Zürich emeritierte, international renommierte Wissenschaftlerin und Gründungsmitglied des European Research Council, ERC) ihre innovativen Projekte.

Das Rennen machte die Biotechnologin Agnes Reiner von der Medizinischen Universität Wien und vom Austrian Institute of Technology (AIT) mit ihrer Präsentation zu „Breaking the Wall of Ovarian Cancer Diagnosis“, die sie am Donnerstag ein weiteres Mal hielt. Sie liefert darin neue Möglichkeiten (anhand von Blutproben) zur Früherkennung vom in vielen Fällen tödlichen Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom).

Für das Finale in Berlin am 8. November wurde nun in Alpbach ein zweites Ticket vergeben – der Zweit- und die beiden (ex aequo) Drittplatzierten des Wettbewerbs im April durften erneut gegeneinander antreten. Neben Bintinger waren das Lukas Kinner („Breaking the Wall of Photovoltaics 2.0“, ihn hätte das elektronische Messsystem zum Sieger gekürt) und Benjamin Aigner („Breaking the Wall of Expensive Assistive Technologies“). Mit dem Unterschied, dass diesmal ausschließlich das Publikum den Gewinner ermitteln durfte.

„Denken Sie beim Kaffee an mich“

Der Name der Veranstaltung geht im Übrigen auf den Fall der Berliner Mauer zurück und soll das Niederreißen von Mauern und Hindernissen symbolisieren, damit sich Wissenschaft vernetzen kann.

Neben den Gewinnern des Falling Walls Lab Austria präsentierten am Donnerstag auch die drei Gewinner des Falling Walls Lab Finales 2016 ihre Vorträge. Darunter Nouf Al-Jabri von der König-Abdullah-Universität für Wissenschaft und Technologie im saudiarabischen Thuwal (3. Platz), Maxim P. Nikitin vom Moskauer Institut für Physik und Technologie (2. Platz) und die Erstplatzierte Dang Huyen Chau von der Technischen Universität Dresden. Die vietnamesische Studentin begeisterte mit ihrer Idee, Kaffeesatz als Brennstoff zu verwenden – etwa zum Heizen und Kochen. Schließlich enthält Kaffeeabfall wertvolle Stoffe, die unkompliziert gesammelt und effizient wiederverwertet werden könnten.

Endverbraucher könnten damit sogar Geld verdienen, indem sie ihre Kaffeeabfälle entsprechenden „Coffeeshops“ verkaufen. „Also“, meinte Dang Huyen Chau am Ende ihrer (exakt) dreiminütigen Vorstellung. „Wenn Sie das nächste Mal Kaffee trinken, denken Sie an mich. Und wenn Sie ihn getrunken haben, kommen Sie zu mir und tauschen den Rest gegen Geld ein.“

Am Rande der Veranstaltung wurde schließlich verkündet, dass es das Falling Walls Lab auch im kommenden Jahr geben wird. „Nach dem erfolgreichen Start im vergangenen Jahr planen wir eine erneute Runde für 2018“, sagte Wolfgang Knoll, Managing Director des AIT und Mitveranstalter der Technologiegespräche. „Am 13. April 2018, im Rahmen der Langen Nacht der Forschung, bieten wir Nachwuchswissenschaftlern erneut eine Bühne, um ihre Projekte einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.“