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Verhaltenskodex für das Forum: Gegen Grapschen und Monologe

Gabriel Grill und Pia Plankensteiner, die gemeinsam mit Florentine Muhry Plakate und Flyer konzipiert haben.
Gabriel Grill und Pia Plankensteiner, die gemeinsam mit Florentine Muhry Plakate und Flyer konzipiert haben.(c) Katharina Roßboth
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Rot-grüne Flyer und Plakate rufen zum respektvollen Umgang miteinander auf – und gegen Belästigung und Unterbrechen. Die Urheber: drei ehemalige Stipendiaten der IG Wien.

Sie sind wahrscheinlich dem einen oder der anderen bereits aufgefallen: die rot-grünen Flyer und Plakate, die am Kongress und im Hallenbad herumschwirren und auf denen sich kurze und umso klarere Messages finden. Auf den roten Seiten steht all das, was unerwünscht ist: unangebrachte Berührungen, offensive Kommentare oder wiederholte Unterbrechungen und endlose Monologe.

Auf den grünen Seiten steht das, was man tun soll: ein Nein als Nein akzeptieren, andere Menschen so behandeln, wie sie es gerne möchten – und falls man unsicher ist, was das ist: bitte nachfragen. „Harassment is not tolerated here“, ist in mehreren Sprachen die Kernbotschaft: Belästigung wird hier nicht toleriert.

Urheber sind drei ehemalige Stipendiaten der IG Wien – jener Initiativgruppe, die schon in den Vorjahren am Forum etwa mit Aktionen zum Männer- und Frauenanteil in Alpbach aufgefallen ist und die dieses Jahr das Standing Committee stellt, also ein ergänzendes Rahmenprogramm zum Forum organisiert.

„Wir haben empfunden, dass Diskriminierung und Belästigung Punkte sind, die in Alpbach zu wenig thematisiert werden“, sagt Gabriel Grill (26). „Es herrscht überall ein sexistischer Normalzustand – das ist hier beim Forum Alpbach gar nicht speziell“, sagt Pia Plankensteiner (25). „Diesen Zustand wollten wir aufbrechen.“

Nur scheinbar ganz normal

Ursprünglich sollte speziell sexuelle Belästigung thematisiert werden. „Es ging anfänglich darum, dass es scheinbar ganz normal ist, dass beim Tanzen – auch hier im Hallenbad – Grenzen überschritten werden“, sagt Grill. Aus der eigentlich geplanten „No means No“-Kampagne wurde dann allerdings doch eine breitere. Nicht nur, weil mit „No means No“ allein manche der Freunde, denen sie die Idee skizzierten, nicht viel anfangen konnten, sondern weil das Thema Belästigung eben in Wirklichkeit mehr umfasst als das.

„Es gibt unterschiedliche Räume, in denen unterschiedliche Formen der Belästigung stattfinden“, sagt Plankensteiner. In Seminaren oder Gesprächen sind das neben den endlosen Monologen etwa wiederholtes Unterbrechen, abwertende Kommentare oder schlicht Unaufmerksamkeit, wenn eine Frau vorne steht.

„Es ist wichtig, dass auch Aufmerksamkeit auf diese bestimmte Form männerdominierter Gesprächskultur gelenkt wird“, sagt Florentine Muhry (28), die unter anderem Mitglied der feministischen Burschenschaft Hysteria ist und über die die drei Ex-Stipendiaten zur Quelle für die Texte auf den Flyern und Plakaten kamen.

Sie basieren auf einem Anti-Belästigungs-Kodex des Geek Feminism Wiki im Internet. „Repeated interactions with a person after they have made it clear that further interaction is unwelcome“ ist zum Beispiel auch eines der No-Gos. „Watch out for each other. Maintaining a respectful and safe community is everybody's responsibility“, ist eine Aufforderung. Das ist auch das generelle Ziel der Kampagne: ein respektvolles Klima.

„Man muss die Leute erinnern“

„Wir wollen das Forum nicht angreifen“, sagt Gabriel Grill. Man sei im Gegenteil sehr dankbar für die Unterstützung, die es von Anfang an gab – auch finanziell: Das Forum hat auch die Plakate und die Flyer bezahlt. „Wir wollen auch auf keinen Fall sagen, dass alles schrecklich ist oder den Leuten Angst machen. Es geht einfach darum, dass wir uns ein respektvolles Umfeld wünschen. Und leider muss man die Leute daran noch erinnern.“

Das Europäische Forum Alpbach sei ja etwas, das nach Europa ausstrahle, sagt Grill. Daher sei es umso wichtiger, hier auf den Umgang zu achten, den man miteinander pflegt.

Heute, Samstag, treffen sich am Rande des Forums alle Initiativgruppen und Clubs, um einen Entwurf für einen entsprechenden Verhaltenskodex zu besprechen, den Plankensteiner, Grill und Muhry für das das Standing Committee bereits ausgearbeitet haben. Das Ziel ist, dass diesen Kodex dann alle Initiativgruppen und Clubs anerkennen. Und auch das Europäische Forum Alpbach.