Wer hat Angst vor Alpbach?

EUROPAeISCHES FORUM ALPBACH 2017 - EROeFFNUNG:
EUROPAeISCHES FORUM ALPBACH 2017 - EROeFFNUNG:APA/EXPA/GRODER
  • Drucken

Christian Kern und Sebastian Kurz treffen am Dienstag aufeinander, Ulrike Lunacek reist heute an. Alpbach ist auch abseits des Wahlkampfs ein hochpolitischer Ort. ÖVP-Chefs mussten ihn zuweilen fürchten.

Für die einen ist das Europäische Forum Alpbach das wichtigste wissenschaftliche und gesellschaftliche Symposium des Landes. Für die anderen ist es einer der wichtigsten Termine des Jahres, um berufliche Kontakte zu pflegen. Für viele ist es auch ein hochpolitischer Ort, an dem Allianzen geschmiedet, Parteifreunde aus dem System bugsiert und andere auf den Schild gehoben werden. Und: Dank vieler politisch interessierter Junger, Stipendiaten und Teilnehmer ist Alpbach auch immer ein Personalpool für politische Parteien. Das gilt längst nicht mehr nur für die ÖVP, Matthias Strolz schmiedete schon hier Parteigründungspläne, als er für das Forum werkte.
Forum-Begeisterte finden sich in allen Parteien, von ÖVP über Grüne bis zur Liste Pilz – mit vielleicht einer Ausnahme: Die FPÖ und ihre Spitzenrepräsentanten sieht man selten bis nie in Alpbach. Das war übrigens nicht immer so, einst waren Politiker wie Siegfried Dillersberger auch vor Ort. Und mit dem Beginn der politischen Gespräche wird es auch heuer einen Auflauf geben: Heute kommt sogar die Frau mit dem Himmelfahrtskommando ins Bergdorf. Ulrike Lunacek soll die Grünen retten, die laut Umfragen knapp am Einzugs ins Parlament scheitern könnten. Peter Pilz sei Dank.

Kern kickt, Kurz besucht Empfang

Christian Kern hatte immer ein ambivalentes Verhältnis zum Forum. Als ÖBB-Chef war er Sponsor und Gast, mochte die Gespräche, den Bierernst mancher stundenlanger Sessions hingegen nicht. Er reist am Montag an und wird am Dienstag vor großem Publikum Fußball für einen guten Zweck spielen. Sein Konkurrent kommt am Dienstag, wird an einer Diskussionsrunde teilnehmen und einen Empfang des Bürgermeisters besuchen. Die Alpbach-Bilder der beiden werden durchs Land gehen, so viel steht fest. Sebastian Kurz feiert dieser Tage auch seinen 31er.
Im vergangenen Jahr organisierte er noch als JVP-Chef einen Event – just ein paar Stunden vor dem ORF-Sommergespräch mit dem damaligen Parteichef Reinhold Mitterlehner. Als sich bei dieser Veranstaltung einige Kurz-Jünger vor laufender Kamera (mehr oder weniger) indirekt für einen Obmannwechsel aussprachen, sagte Mitterlehner später entnervt, er stehe „niemandem im Weg“.
Als Mitterlehner im heurigen Mai dann allerdings tatsächlich in gewohnt ironischer Manier Politikern und Journalisten einen schönen Sommer wünschte, fand eines der ersten Krisentreffen – erraten – in Alpbach statt. Dieses Mal war es aber keine geplante Intrige, sondern purer Zufall: Tirols Günther Platter hatte schon lange zuvor zu einer Landeshauptleute-Konferenz geladen. Während die roten Landeschefs bei einer Brettljause im Böglerhof saßen, sicherten die ÖVP-Kollegen der Reihe nach Kurz ihre bedingungslose Unterstützung zu. Manche mehr, manche weniger überzeugend.

Spindeleggers Rücktritt

Ähnliches spielte sich auch 2014 in Alpbach ab, wenn auch in einer anderen Intensität: Michael Spindelegger hatte in Wien seinen Rücktritt angekündigt, während einige seiner Regierungs- und Parteikollegen die Nachricht im Tiroler Bergdorf erfahren mussten. Damals übernahm – nach kurzen Spekulationen, Kurz könne schon diesmal zum Chef aufsteigen – eben Mitterlehner.
Obmanndebatten wird es in diesem Jahr wohl keine geben. Langweilig dürfte es trotzdem nicht werden – es ist schließlich Wahlkampf. Und Alpbach eine Bühne dafür.

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.