Stadtpolitik. Gleich drei Wiener SPÖ-Stadträte beehren heuer Alpbach. Geht es da um die Positionierung für die Post-Häupl-Ära?
Der Empfang „Wien trifft Tirol“ der Wien Holding auf der Bischofer-alm hat in Alpbach schon gute Tradition: Jahr für Jahr trifft dort – stets am Montagabend vor Beginn der Wirtschaftsgespräche – Prominenz aus Politik, Kultur und Wirtschaft aufeinander.
So auch diesen Montag. Gemeinsam mit der für Finanzen zuständigen Stadträtin Renate
Brauner
begrüßte Wien Holding-Chef Peter
Hanke
unter anderem Casinos-Vorstand Dietmar
Hoscher
, T-Mobile-Chef Andreas
Bierwirth
, Verbund-Vorstand Hannes
Sereinig
, Erste-Banker Willibald
Cernko
sowie die Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek, Johanna
Rachinger.
Gesehen wurden auch Lifeball-Organisator Gery
Keszler
, der Geschäftsführer von ProSiebenSat.1 Puls 4, Markus
Breitenecker,
sowie Werber Rudi
Kobza.
Bestens unterhalten haben sich auch Ex-SPÖ-Minister und Präsidentschaftskandidat Rudolf
Streicher
sowie WKO-Vizepräsident Richard
Schenz
.
Sima erstmals in Alpbach
Und – große Überraschung: Auch die Wiener Stadträtin für Umwelt und die Wiener Stadtwerke, Ulli
Sima,
machte im roten Dirndl ihre Aufwartung. „Ich wollte immer schon zum Forum Alpbach kommen“, sagte Sima der „Presse“, „jetzt hab ich es endlich einmal geschafft.“ Eine Premiere also. Und ein sicheres Zeichen dafür, dass heuer in Alpbach doch vieles anders ist.
Denn Alpbach wird im Laufe der Woche von immerhin drei der insgesamt sieben Wiener Stadträte besucht werden: Neben Renate Brauner und Ulli Sima kommt nämlich noch Wohnbau-Stadtrat Michael
Ludwig
nach Tirol
Die rote Wiener Stadtpolitik ist heuer also besonders Alpbach-freudig. Warum? Zufall scheint es jedenfalls nicht zu sein. „Es geht offenbar um eine öffentlichkeitswirksame Positionierung der Stadtpolitiker“, sagt ein Insider. Die kann offenbar gar nicht hoch genug bewertet werden – zumal Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael
Häupl
dieser Tage erstmals offiziell kundgetan hat, dass er im Jänner 2018 zu gehen gedenkt.
Und wo funktioniert so eine Positionierung besser als in einem geografisch überschaubaren Raum, in dem sich toute Autriche tummelt? Richtig: Im ausklingenden Sommer ist Alpbach der dafür am besten geeignete Ort.
Da kann es auch durchaus zu Terminkollisionen kommen. Michael Ludwig ist jedenfalls vom roten Wiener Wirtschaftsklub eingeladen worden, der schon seit Jahren eine Art Parallelveranstaltung zu den Wirtschaftsgesprächen in Alpbach abhält. Und der Wirtschaftsklub hat am Mittwoch auch zu einem Abendessen eingeladen, an dem neben Renate Brauner auch Michael Ludwig teilnehmen wird. Detto die Präsidenten von Gewerkschaftsbund und Arbeiterkammer, Erich
Foglar
und Rudi
Kaske.
Zu den beiden hat Ludwig übrigens einen besonders guten Draht: Im vergangenen Mai beispielsweise hatte Kaske ihn ungewöhnlicherweise zur AK-Vollversammlung eingeladen.
Ulli Sima wiederum ist auf Einladung von Stadtwerke-Vorstand Peter
Weinelt
nach Alpbach gekommen. Auch für sie wird es ein Abendessen geben – pikanterweise ebenfalls am Mittwoch. Gastgeber ist diesfalls Stadtwerke-Chef Martin
Krajcsir.
Terminkollision
Ob diese parallel stattfindenden Abendessen als Lagerbildung der roten Wiener Stadtpolitiker interpretiert werden dürfen? Immerhin hat Ludwig in der Zeitung „Österreich“ kundgetan, dass er als Wiener SPÖ-Chef kandidieren wird. Und: Eine Ämtertrennung (er als SPÖ-Chef, Sima als Bürgermeisterin) lehnt er vehement ab. Doch Eingeweihte winken ab: Die Terminkollision sei Zufall, heißt es.
Mag sein. Dass den Wiener Politikern das „Sehen und Gesehenwerden“ in Alpbach wichtig ist, wird aber natürlich nicht bestritten.
Wie wichtig, veranschaulicht ein Termin am kommenden Mittwoch um 15 Uhr: Da wird Renate Brauner zum Thema „Homo faber digitalis: Der arbeitende Mensch auf dem globalen, digitalen Marktplatz“ vortragen. Der Sponsor dieser Veranstaltung feiert in Alpbach Premiere. Es ist die Stadt Wien.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2017)