Rotes Wien goes Alpbach

Willibald Cernko und Renate Brauner
Willibald Cernko und Renate Brauner (c) Katharina Fröschl-Roßboth
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Stadtpolitik. Gleich drei Wiener SPÖ-Stadträte beehren heuer Alpbach. Geht es da um die Positionierung für die Post-Häupl-Ära?

Der Empfang „Wien trifft Tirol“ der Wien Holding auf der Bischofer-alm hat in Alpbach schon gute Tradition: Jahr für Jahr trifft dort – stets am Montagabend vor Beginn der Wirtschaftsgespräche – Prominenz aus Politik, Kultur und Wirtschaft aufeinander.

So auch diesen Montag. Gemeinsam mit der für Finanzen zuständigen Stadträtin Renate

Brauner

begrüßte Wien Holding-Chef Peter

Hanke

unter anderem Casinos-Vorstand Dietmar

Hoscher

, T-Mobile-Chef Andreas

Bierwirth

, Verbund-Vorstand Hannes

Sereinig

, Erste-Banker Willibald

Cernko

sowie die Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek, Johanna

Rachinger.

Gesehen wurden auch Lifeball-Organisator Gery

Keszler

, der Geschäftsführer von ProSiebenSat.1 Puls 4, Markus

Breitenecker,

sowie Werber Rudi

Kobza.

Bestens unterhalten haben sich auch Ex-SPÖ-Minister und Präsidentschaftskandidat Rudolf

Streicher

sowie WKO-Vizepräsident Richard

Schenz

.

Sima erstmals in Alpbach

Und – große Überraschung: Auch die Wiener Stadträtin für Umwelt und die Wiener Stadtwerke, Ulli

Sima,

machte im roten Dirndl ihre Aufwartung. „Ich wollte immer schon zum Forum Alpbach kommen“, sagte Sima der „Presse“, „jetzt hab ich es endlich einmal geschafft.“ Eine Premiere also. Und ein sicheres Zeichen dafür, dass heuer in Alpbach doch vieles anders ist.

Denn Alpbach wird im Laufe der Woche von immerhin drei der insgesamt sieben Wiener Stadträte besucht werden: Neben Renate Brauner und Ulli Sima kommt nämlich noch Wohnbau-Stadtrat Michael

Ludwig

nach Tirol

Die rote Wiener Stadtpolitik ist heuer also besonders Alpbach-freudig. Warum? Zufall scheint es jedenfalls nicht zu sein. „Es geht offenbar um eine öffentlichkeitswirksame Positionierung der Stadtpolitiker“, sagt ein Insider. Die kann offenbar gar nicht hoch genug bewertet werden – zumal Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael

Häupl

dieser Tage erstmals offiziell kundgetan hat, dass er im Jänner 2018 zu gehen gedenkt.

Und wo funktioniert so eine Positionierung besser als in einem geografisch überschaubaren Raum, in dem sich toute Autriche tummelt? Richtig: Im ausklingenden Sommer ist Alpbach der dafür am besten geeignete Ort.

Da kann es auch durchaus zu Terminkollisionen kommen. Michael Ludwig ist jedenfalls vom roten Wiener Wirtschaftsklub eingeladen worden, der schon seit Jahren eine Art Parallelveranstaltung zu den Wirtschaftsgesprächen in Alpbach abhält. Und der Wirtschaftsklub hat am Mittwoch auch zu einem Abendessen eingeladen, an dem neben Renate Brauner auch Michael Ludwig teilnehmen wird. Detto die Präsidenten von Gewerkschaftsbund und Arbeiterkammer, Erich

Foglar

und Rudi

Kaske.

Zu den beiden hat Ludwig übrigens einen besonders guten Draht: Im vergangenen Mai beispielsweise hatte Kaske ihn ungewöhnlicherweise zur AK-Vollversammlung eingeladen.

Ulli Sima wiederum ist auf Einladung von Stadtwerke-Vorstand Peter

Weinelt

nach Alpbach gekommen. Auch für sie wird es ein Abendessen geben – pikanterweise ebenfalls am Mittwoch. Gastgeber ist diesfalls Stadtwerke-Chef Martin

Krajcsir.

Terminkollision

Ob diese parallel stattfindenden Abendessen als Lagerbildung der roten Wiener Stadtpolitiker interpretiert werden dürfen? Immerhin hat Ludwig in der Zeitung „Österreich“ kundgetan, dass er als Wiener SPÖ-Chef kandidieren wird. Und: Eine Ämtertrennung (er als SPÖ-Chef, Sima als Bürgermeisterin) lehnt er vehement ab. Doch Eingeweihte winken ab: Die Terminkollision sei Zufall, heißt es.

Mag sein. Dass den Wiener Politikern das „Sehen und Gesehenwerden“ in Alpbach wichtig ist, wird aber natürlich nicht bestritten.

Wie wichtig, veranschaulicht ein Termin am kommenden Mittwoch um 15 Uhr: Da wird Renate Brauner zum Thema „Homo faber digitalis: Der arbeitende Mensch auf dem globalen, digitalen Marktplatz“ vortragen. Der Sponsor dieser Veranstaltung feiert in Alpbach Premiere. Es ist die Stadt Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2017)


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