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Anleihenboom: Von brav bis spektakulär

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Rekordemissionen hielten heuer den Wirtschaftsmotor am Laufen und lockten zum Teil sogar mit Staatsgarantien.

In Abwandlung eines gewerkschaftlichen „Schlachtrufes“ könnte man die wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen eineinhalb bis zwei Jahre so zusammenfassen: Alle Räder wären stillgestanden, wäre es nicht gelungen, Rekordvolumina an Anleihen auf dem Markt zu platzieren.

Laut Wiener Börse emittierten private heimische Unternehmen (exklusive Banken) heuer bereits Bonds im Umfang von 4,80 Mrd. Euro, für den Dezember werden allerdings keine Placements mehr erwartet. Institutionelle und private Anleger griffen beherzt zu. Von der unvollständigen Unterbringung eines hierzulande aufgelegten Corporate Bond ist nichts bekannt, im Gegenteil waren zum Teil mehrfache Überzeichnungen zu registrieren. Als Beispiel nennt Gottfried Ransmayr von UniCredit (Austria) Markets & Investment Banking den im Spätsommer aufgelegten Porr-Bond sowie Emissionen von Spar und dem Kärntner Energieversorger Kelag.

 

„Das wäre sonst explodiert“

Ersteren legte man in einer Tranche über 100 Mio. Euro auf – und brach die Zeichnungsphase angesichts offener Kauforders über 440 Mio. Euro schon nach wenigen Stunden ab. Ähnlich das Bild bei anderen attraktiven Offerten. Beim CA-Immo-Bond schloss man die Bücher bei Kaufaufträgen über gut 300 Mio. Euro (gegenüber 150 Mio.) gleich wieder, so Ransmayr, „sonst wäre das explodiert“.

Die Verzinsung solcher Neuemissionen liegt durchwegs deutlich über dem Niveau von Staatsanleihen – und sie notieren bislang praktisch durchgehend bei 100 Prozent oder darüber. In Einzelfällen können sich Investoren sogar über spektakuläre Kursgewinne freuen. So mancher Schuldtitel, der im Frühjahr noch als de facto reinrassiger Junk Bond eingestuft war, schaffte im Jahresverlauf eine Kursvervielfachung. So stieg etwa jener der Immofinanz von 17 auf zuletzt 78,65 Prozent. In derartigen Performances spiegelt sich auch die Markterwartung einer vollständige Tilgung zum Laufzeitende wider, wie Ransmayr bestätigt.

Günter Höllerl, Head of Fixed Income Trading bei der RZB, sieht für Qualitätsbonds wie jene von CA Immo oder Spar kurzfristig nur sehr eingeschränktes Potenzial nach oben, hält sie aber auf Basis der Strategie „buy and hold“ weiterhin für „attraktive Alternativen zu Sparbuch und Staatsanleihen“.

Der allgemeine Aufwärtstrend betrifft mit Abstrichen auch Staatstitel. So verbesserte sich die Quotierung der zehnjährigen US-T-Note seit Anfang Juni um knapp zehn Prozent von 111 auf 120 Punkte. Sie notiert damit auch schon minimal über dem Niveau von Anfang März, dem Höhepunkt der Talfahrt auf dem Aktienmarkt. Ähnliches gilt für den richtungsweisenden Euro-Bund-Future.

Aber auch bei Aktien, Edelmetallen und teilweise Rohöl waren heuer galoppierende Bullenmärkte zu verbuchen. Ebenso konnte sich der Immobiliensektor grundsätzlich stabilisieren. Ermöglicht wurde dies durch milliardenschwere staatliche Geldinjektionen in das Wirtschaftssystem.

 

Zum Teil mit Bundeshaftung

Zumindest die Notenbanken der USA und Großbritanniens erwerben seit geraumer Zeit Schuldtitel des jeweils eigenen Staates. Diese zum Teil mit frisch gedrucktem Geld getätigten Transaktionen tragen dazu bei, die Politik mit der für die Konjunkturmaßnahmen nötigen Liquidität zu versorgen. Darüber hinaus haben die Staaten letztlich „praktisch jeden Kredit auf der Welt garantiert“, wie es US-Ökonom und Buchautor Kenneth Rogoff („This Time Is Different“) unlängst in einem Interview ausdrückte. Zwar nicht in Form von direkten Haftungsübernahmen, aber indirekt, da sie systemrelevante Banken notfalls auffangen.

In Österreich kommen Zeichner von Anleihen staatseigener Betriebe, etwa der Asfinag oder der ÖBB-Infrastruktur AG, traditionell in den Genuss einer umfassenden Bundeshaftung. Nicht der Fall ist das bei börsenotierten Energiekonzernen, obwohl bei diesen ein Mehrheitsanteil des Bundes sogar in der Verfassung verankert ist.

 

Für Klein- und Großanleger

Über garantierte Anleihen haben ÖBB Infrastruktur AG und Asfinag heuer zusammen 3,5 Mrd. Euro „eingesammelt“. Die ÖBB Infrastruktur AG, eine Tochtergesellschaft der ÖBB-Holding, platziert jährlich Anleihen im Umfang von einer bis zwei Mrd. Euro auf dem Markt. Die letzte Runde über 1,25 Mrd. Euro fand vergangenen Juni und Juli statt. Bei einer Laufzeit bis 2019 wird ein Zinssatz von 4,5 Prozent pro Jahr ausbezahlt.

Die Stückelung war mit 1000 Euro relativ kleinanlegerfreundlich, trotzdem wendet man sich auch und gerade an internationale (Groß-)Investoren, wie die aus BNP Paribas, Credit Suisse und RBS bestehende Liste der Joint-Lead-Manager zeigt. Letzteres gilt auch für die Asfinag (Citigroup etc.). Deren Refinanzierung erfolgt allerdings in Stückelungen von 50.000 oder 100.000 Euro und zu einem Zinssatz von zwei bis 43/8Prozent. Neben dem bei großen Euro-Emissionen üblichen Haupthandelsplatz Luxemburg notiert das ÖBB-Papier (unter der WKN A1AJKT) auch an deutschen Börsen sowie in Wien. Angesichts eines Hochs von über 106 Punkten konnten sich Zeichner zuletzt wohlig die Hände reiben, die Umsätze sind gleichwohl eher dünn.

Auch für Anleihen von Banken und Unternehmen können staatliche Garantien übernommen werden (siehe Artikel unten). Vereinzelt bürgen die Länder ebenfalls für Anleihen, etwa das Land Steiermark für die Krankenanstalten Immobilien Ges.m.b.H. (KIG). Im Frühjahr machte auch eine durch das Land Oberösterreich ausgesprochene Haftung für einen Bond von KTM Schlagzeilen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2009)