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Portfolioaufbau: Metalle als Inflationsschutz

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Was empfehlen Private Banker ihrer betuchten Klientel? Zusätzlich zu Festverzinslichem und Aktien auch Alternatives – von Platin bis Microfinance.

Wer fürchtet sich vor der Hyperinflation? Im Moment nicht allzu viele, zumindest nicht für die nächste Zeit.

Dazu gebe es einfach zu wenig Wachstum, meint etwa Friedrich Strasser, Mitglied des Vorstands der Bank Gutmann. Ohne Wirtschaftswachstum keine Inflation, daran können auch die großen Geldmengen, die von den Staaten ins Finanzsystem gepumpt wurden, seiner Ansicht nach nichts ändern. Denn: „Diese Liquidität ist nie im breiten Markt angekommen“, und es gebe Anzeichen, dass sie zum Teil schon wieder zurückgenommen werde. Höhere Preise seien jetzt außerdem kaum durchsetzbar – weil die Konsumenten nicht mitspielen. „Sie kaufen zwar wieder, aber billigere Sachen.“ Die sie auch bekommen, weil China massenhaft Billigprodukte auf den Markt wirft.

Dazu kommt die prekäre Arbeitsmarktsituation. „Diese Rezession war so tief, dass es Jahre dauern wird, bis das frühere Beschäftigungsniveau wieder erreicht ist“, gibt Birgit Fleischmann, Leiterin Investment Consulting Private Banking Österreich der Credit Suisse, zu bedenken. Und so schlimm das auch sei – es bremse den Preisanstieg.

Trotzdem dürfte Inflation in absehbarer Zeit ein Thema werden. Nämlich dann, wenn die Zentralbanken erste Zinsanhebungsschritte setzen. In den USA könne das schon kommendes Jahr der Fall sein, meint Strasser. In der Eurozone erwartet er das erst 2011, empfiehlt aber trotzdem, sich jetzt schon mit dem Thema Inflationsschutz auseinanderzusetzen. Aus seiner Sicht kommen vor allem Rohstoffinvestments dafür infrage, besonders Industrierohstoffe. Denn die werden mehr nachgefragt, wenn das Wachstum anzieht und damit auch die Inflationsgefahr steigt. Immobilien seien ebenfalls geeignet – „aber die haben die meisten ohnehin schon im Portfolio“. Zumindest gilt das für jene Anleger, die sich zur betuchten Private-Banking-Klientel zählen dürfen.

 

„Gold hat Rückschlagspotenzial“

Eher skeptisch ist Strasser hinsichtlich der sogenannten „inflation linked bonds“ (Anleihen mit Inflationsschutz). „Die müsste man kaufen, wenn gerade Deflation ist.“ Jetzt seien sie fast schon zu teuer.

Fleischmann hat ebenfalls Rohstoffinvestments auf ihrer Empfehlungsliste, vor allem Industriemetalle und Öl. „Rohstofffonds sind in diesem Bereich ein gutes Basisinvestment, bei Öl eignen sich auch Aktien.“ Bei Edelmetallen ist sie nicht ganz so zuversichtlich – denn die würden eher als Industriemetalle unter einem Zinsanstieg leiden, der ja doch früher oder später auf uns zukommt. Speziell bei Gold sei Vorsicht geboten: „Das hat Rückschlagspotenzial.“ Wer Edles im Portfolio haben möchte, könnte stattdessen auf Platin setzen. Eventuell sogar als physisches Investment – das lagert dann, für alle Kunden gesammelt, im zentralen Bankdepot.

Und was kann sich jetzt sonst noch lohnen? Etwa Private Equity, denn „Krisenjahre sind ein günstiger Zeitpunkt, um einzusteigen.“ Auch Fonds, die in Versicherungsrisken investieren, hält Fleischmann für eine interessante Beimischung. Der Fonds tritt dabei als Rückversicherer auf. Durch breite Diversifikation halte sich das Risiko in Grenzen, und das Emittentenrisiko falle sogar komplett flach, weil Versicherungsunternehmen, die eine solche Rückversicherung in Anspruch nehmen, eine Einmalprämie zahlen müssen. Sollte das Unternehmen später insolvent werden, betrifft das die Anleger nicht. Auch Währungen könnten zum Teil noch Potenzial haben, allerdings mit hohem Risiko. Dagegen sei Microfinance – also das Investieren in Kleinstkredite, mit deren Hilfe sich Menschen, vor allem in der sogenannten Dritten Welt, eine Existenz aufbauen können – „ein sehr schönes Investment“. Nämlich eines mit geringem Risiko, ansprechender Performance und einer „sozialen Rendite“ als Draufgabe. Fleischmann sieht darin quasi eine Abrundung des Engagements in den Emerging Markets, die nach wie vor als große Hoffnungsgebiete für Investoren gelten.

 

Großes Thema Emerging Markets

All das eignet sich allerdings nur als Beimischung fürs Portfolio. Als Grundbausteine werden wohlhabenden Private-Banking-Kunden dieselben Investments empfohlen wie jedem Normalsterblichen auch: Festverzinsliches und – je nach Risikoneigung – ein mehr oder weniger großer Aktienanteil. Letzteren würden beide Experten, trotz möglicherweise steigender Volatilität, derzeit übergewichten, Ebenfalls einig ist man sich, dass die Emerging Marktes jetzt ein ganz großes Thema sind. Strasser würde neben den Schwellenländern auch den CEE-Raum übergewichten und mehr in den USA als in Europa investieren. Denn jenseits des großen Teichs „ist die Dynamik einfach größer als in der Eurozone“.

Auf der festverzinslichen Seite gehören aus Strassers Sicht Unternehmensanleihen – auch High Yields – ins Portfolio. Damit lassen sich nämlich höhere Kupons lukrieren, als es mit Staatsanleihen möglich ist. Bei Letzteren empfiehlt er, die Laufzeiten langsam in den mittleren Bereich zurückzunehmen. Fleischmann rät bei Anleihen generell zu einem selektiven Vorgehen. Auch hier plädiert sie für Emerging Markets beziehungsweise deren Staatsanleihen. Allerdings mit einem Vorbehalt: „Das ist top risk.“

Mehr Risiko bedeutet es auch, von Unternehmensanleihen eines Betriebes auf dessen Aktien umzusteigen – was aber trotzdem, so die Expertin, jetzt eine Überlegung wert sein könnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2009)