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Anlegerverhalten: Vorsichtige Schritte in Richtung Normalität

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Österreichs Reiche investieren wieder in Wertpapiere, aber Sicherheit ist ihnen wichtiger denn je. Und sie wollen ganz genau wissen, was in jedem Investment steckt.

Die Finanzmarktturbulenzen der vergangenen zwei Jahre haben keinen Stein auf dem anderen gelassen. So manches scheinbar eherne Gesetz geriet ins Wanken – sogar jenes, dass die Reichen immer reicher werden. Laut Booz & Company schrumpfte das Privatvermögen des heimischen Geldadels im Krisenjahr 2008 um 8,5 Prozent von 130 auf 119 Mrd. Euro.

Aber inzwischen hat sich das Blatt gewendet, Normalität scheint einzukehren. Wolfgang Traindl, Leiter Private Banking & Asset Management der Erste Bank, erwartet, dass die Verluste schon 2010 wettgemacht sein werden – und damit schneller als ursprünglich angenommen. Auch mit dem Trend, gewaltige Cashbestände zu halten, sei es vorbei: „Es wird wieder mehr in Wertpapiere investiert.“ Was auch daran liegt, dass viele neu disponieren müssen, weil ihre einjährigen Spareinlagen auslaufen, die sie in der heißen Phase der Finanzkrise als sicheren Hafen für ihr Vermögen gewählt haben. In Ermangelung kurzfristiger Veranlagungsalternativen mit halbwegs attraktiven Erträgen fließt viel von diesem Geld nun doch wieder in die Wertpapiermärkte zurück.

 

„Von Haus aus auf der vorsichtigen Seite“

Dabei spielt auch die Reduktion der Einlagensicherung auf 100.000 Euro ab 2010 eine Rolle. Viele seien auf der Suche nach Alternativen mit vergleichsweise hoher Sicherheit, so Traindl. „Die ganz Konservativen interessieren sich stark für staatsgarantierte Anleihen, auch Garantieprodukte mit Mindestverzinsung werden wieder gekauft.“

Dass gerade die Reichsten der Reichen sehr ungern Geld verlieren, bestätigt auch Günther Schütz, Risk Manager bei der Dr.Höller Vermögensverwaltung. Zu den Kunden dieses Hauses, das sich auf ethisches und nachhaltiges Investment spezialisiert hat, zählen neben sehr wohlhabenden Privatpersonen vor allem institutionelle Investoren, etwa aus dem karitativen oder kirchlichen Bereich, sowie Privatstiftungen. Sie alle seien „von Haus aus auf der vorsichtigen Seite“; bei Stiftungen und anderen Institutionen verstärkt sich das noch, weil die Vorstände Haftungsrisken tragen.

„Unser Aktienexposure war nie sehr hoch“, so Schütz. „Wir kaufen auch generell keine Small Caps und keine High Yields, sondern konzentrieren uns auf sehr solide Unternehmen.“ Umschichtungen habe es trotzdem gegeben: „Die Aktienquote wurde massiv zurückgefahren, aber heuer haben wir uns schon wieder mehr aus dem Fenster gelehnt.“ Vor allem in Corporate Bonds habe man früh investiert.

 

Großes Thema Nachhaltigkeit

Die Mehrzahl der Kunden habe auf die Turbulenzen gelassen reagiert: „Vor allem institutionelle Anleger sehen die Sache professioneller.“ Dass nachhaltig agierende Betriebe im Normalfall eine grundsolide Geschäftsgebarung haben, trug auch zur Beruhigung bei. Laut Schütz ist das Interesse an ethischem Investment „zumindest bei bestimmten Kundenkreisen im Steigen begriffen“, zumal sich die Erkenntnis durchsetze, dass Ethik und Rendite einander nicht ausschließen. Zwar bleiben auch Nachhaltigkeitsindizes von Kursturbulenzen nicht verschont, aber die Volatilität ist bei solchen Titeln im Schnitt meist etwas geringer.

Wie bei ethischem Investment vorgegangen wird, ist allerdings unterschiedlich. „Wir prüfen die einzelnen Titel nach einem mehrstufigen Verfahren“, so Schütz. Die Basis bilden eine Performancekontrolle und eine Auswahl nach Ländern und Sektoren, erst tritt das Ethikkomitee auf den Plan. Unter den Ausschlusskriterien finden sich etwa Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit oder Nukleartechnologie. „Chinesische Titel sind für uns kein Thema, auch US-Government-Bonds und – wegen der Atomkraftnutzung – finnische Staatsanleihen kommen nicht infrage“, so Schütz. In US-Aktien könne dagegen investiert werden.

 

„Komplizierte Klauseln sind out“

All das wird von den Investoren bis ins letzte Detail hinterfragt. Den Hang dazu zeigen jedoch nicht nur jene, die Investment zur Gewissensfrage machen. „Bei Produkten, die nicht ganz klar definiert und transparent sind, sind die Kunden extrem zurückhaltend“, berichtet Traindl. Für so manchen Hedgefonds schafft das Probleme, ebenso für langfri“stige Beteiligungsmodelle ohne klare Regelung, wie und wann der Kunde sein Geld zurückbekommt. Und, so Traindl: „Komplizierte Klauseln sind out, und das ist gut so.“ Vor gewissen Irrationalitäten ist allerdings niemand gefeit – selbst mit dem Wunsch nach Klarem und Bekanntem schießt mancher übers Ziel. Und will dann „zwar über jede noch so kleine Position in einem Investmentfonds Bescheid wissen, steckt aber überproportional viel Geld in die Anleihe eines einzelnen Unternehmens, nur weil er es kennt“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2009)