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Trump kehrt am Wochenende nach Texas zurück

U.S. President Trump
US-Präsident Donald Trump.(c) REUTERS (KEVIN LAMARQUE)
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In Houston gibt Rückgang der Wassermassen Blick auf Schäden frei. Gouverneur Abbott will 125 Milliarden Dollar aus Washington loseisen.

Wien/Houston. Am sechsten Tag nach dem Landfall des Sturmtiefs Harvey kehrte das Leben allmählich zurück nach Houston, der Stadt ohne echtes Zentrum, die sich auf einer riesigen Fläche erstreckt – und die noch immer zu einem Drittel von Wasser bedeckt ist. Als Zeichen der Normalisierung sperrten erste Geschäfte in Downtown Houston auf.
Die Wassermassen haben sich ein wenig zurückgezogen, die Pegel sind gesunken, der Himmel klarte auf und erstmals seit dem sintflutartigen Regen brach die Sonne durch. Eine dampfende Schwüle erfüllte die Luft, wie sie charakteristisch für Houston ist, die dem Sumpfland abgetrotzte Stadt im Süden von Texas, die zur viertgrößten Metropole der USA herangewachsen ist und deren Infrastruktur und vor allem Abwasserkanäle nicht Schritt halten konnten mit der rasanten Entwicklung.

Der Rückgang des Hochwassers gibt den Blick frei für die Schäden, die Wirbelsturm Harvey hinterlassen hat. Auf den Straßen der Vorstädte türmen sich von Schlamm überzogene Möbel und allerlei Unrat, von denen fauliger Gestank aufsteigt. Versunkene Autos kommen zum Vorschein. Helfer und Feuerwehrleute gehen von Haus zu Haus, um die Schäden zu inspizieren – und um eventuell Tote zu bergen. Die Opferzahl von 38 Toten wird höchstwahrscheinlich weiter ansteigen. Mehr als 30.000 Menschen suchten Zuflucht in Notquartieren, viele stehen vor dem Nichts – zumal die wenigsten eine Haushaltsversicherung abgeschlossen haben. Im Großraum von Houston waren immer noch 200.000 Menschen ohne Strom.

Greg Abbott, der republikanische Gouverneur von Texas, beziffert die Schäden nach einer groben Schätzung auf mindestens 125 Milliarden Dollar – eine Summe so hoch wie nach den Verheerungen durch den Hurrikan Katrina anno 2005 in New Orleans und Louisiana. Das betroffene Gebiet sei größer als vor zwölf Jahren, argumentiert Abbott im Kalkül, die größtmögliche Summe aus Bundes- und Katastrophenmitteln für seinen Bundesstaat herauszuschlagen. „Das Schlimmste ist noch nicht vorüber“, sagte der 59-Jährige, nachdem der Tropensturm nach Osten weitergezogen ist, nach Louisiana und Mississippi, und sich abgeschwächt hat. Im Osten von Texas bekamen aber erst noch die Städte Port Arthur, Ort der größten Raffinerie der USA, und Beaumont ihren Teil von Harvey ab.

Gelähmter Gouverneur

Greg Abbott ist – mit Houstons demokratischem afroamerikanischen Bürgermeister Sylvester Turner – dieser Tage als Krisenmanager beinahe rund um die Uhr im Einsatz, um den Betroffenen Mut zuzusprechen, Hilfe zu organisieren, zu koordinieren und sich mit der Regierung in Washington kurzzuschließen. Seine Vorgänger als Gouverneure in Texas haben klingende Namen und machten Karriere: George W. Bush als Präsident, der gescheiterte Präsidentschaftskandidat Rick Perry als Energieminister. Abbott gilt als Kämpfer: 1984 bohrten sich beim Joggen in Houston Splitter einer entwurzelten Eiche in seine Wirbelsäule, seither ist der Jurist querschnittgelähmt. Seine Memoiren tragen den Titel „Gebrochen, aber ungebeugt“.

Am Dienstag unterrichtete Abbott Präsident Trump in Corpus Christi und Austin über den Stand der Dinge. Gestern kam Vizepräsident Mike Pence nach Texas zum Lokalaugenschein, um vor einer Kirche in Rockport Sturmopfer zu treffen, Trost zu spenden und zu beten – und in seinem Schlepptau waren Rick Perry und das halbe Kabinett. Wie Perry bringt auch Pence womöglich größeres Verständnis für Abbott auf, war der Vizepräsident doch bis vor sieben Monaten selbst Gouverneur von Indiana und weiß darum um die spezielle Bewährungsprobe in Katastrophenzeiten. Für Samstag kündigte Pence dann die Wiederkehr Donald Trumps nach Texas an.

Hilfe auch aus Hollywood

Hilfe kommt indessen auch aus Hollywood. Nach Sandra Bullock hat sich Leonardo DiCaprio mit einer Spende von einer Million Dollar eingestellt. Jamie Foxx, gebürtiger Texaner, wird am 12. September eine TV-Spendengala ausrichten. Brad Pitt hatte einst den Wiederaufbau einer Häuserzeile im Ninth Ward in New Orleans finanziert und steht so Pate für ein Hilfsprogramm.

AUF EINEN BLICK

Wirbelsturm Harvey ist aus Texas Richtung Osten abgezogen, über Louisiana nach Missisippi. Zuvor hatte er im Südosten von Texas Regenmengen abgeladen. Houston kehrt indessen nur langsam zur Normalität zurück. Mehr als 30.000 Menschen haben Zuflucht gesucht, 200.000 sind ohne Strom. 24.000 Soldaten der Nationalgarde sind in der Katastrophenregion im Einsatz. Gestern kam Vizepräsident Mike Pence.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2017)