Das Theater in der Josefstadt erinnert zur Saisoneröffnung an Ernst Lothars „Der Engel mit der Posaune“, ein Schlüsselwerk der österreichischen Nachkriegsgeschichte.
Hat Österreich das Dritte Reich teilnahmslos, wie in einer Eremitage, zugebracht? Sieht man sich Literatur und Film der unmittelbaren Nachkriegszeit an, war das offenbar so. Der Nationalsozialismus, diese österreichfremde Heimsuchung, war vorübergezogen wie ein Spuk. Nun galt es, das junge Staatswesen ideologisch zu stützen. Kunst und Kultur waren wichtige Bausteine, um ein neues Staatsbewusstsein zu kreieren. Der erste Film, der nach Kriegsende eine Drehlizenz erhielt, war Geza von Cziffras „Glaube an mich“, eine heitere Komödie. Der Titel: geradezu ein Leitmotiv der Wiederaufbauzeit, man assoziiert Figls Weihnachtsrede von 1945.
Doch woran sollte man inhaltlich anschließen? Die Kontinuität zum autoritären Ständestaat kam der Zweiten Republik nicht gelegen, die Erste Republik mit ihrer Zerrissenheit bot überhaupt keine konsensfähigen Anknüpfungspunkte. Die neue positive Österreich-Identität sollte ja für alle Bevölkerungsgruppen akzeptabel und tragbar sein. So griff man tiefer in den Fundus der glorreichen Vergangenheit des Landes und polierte das frisch auf, was hier gefunden wurde. Es war die Monarchie. Ein Roman und seine Verfilmung, beide mit dem Titel „Der Engel mit der Posaune“ und beide überaus populär im Nachkriegsösterreich, hatten in diesem kulturellen Redesign der neuen Republik eine tragende Rolle.