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Dubai: Vereinigtes Arabisches Roulette

(c) Reuters (Mosab Omar)
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Die Immobilienblase platzt, so viel steht fest. Wie laut der Knalleffekt sein wird, entscheidet sich wohl in den nächsten Tagen. Internationale Beobachter glauben, dass die Nachbaremirate finanziell einspringen.

Kommenden Montag wird es in Dubai spannend: Am 14. Dezember läuft die Frist aus, innerhalb derer der hoch verschuldete Baukonzern Nakheel eine Anleihe im Ausmaß von vier Milliarden Dollar (inklusive Zinsen) an internationale Investoren zurückzahlen sollte. Die Finanzwelt rätselt noch, ob der Baukonzern die Schulden bedienen kann. Nakheel ist ein Tochterunternehmen des Staatsfonds Dubai World. Investoren der Nakheel-Anleihe sind unter anderem Hedgefonds, die bereits auf der Lauer liegen und vor Gericht klagen könnten, sollten die Schulden nicht fristgerecht zurückgezahlt werden. Denn manche der Hedgefonds verfügen über eine Ausfallsversicherung, die einspringen würde, sobald die Zahlungsunfähigkeit des Emittenten offiziell wäre. Ein Szenario, vor dem sich alle fürchten, aber an das gleichzeitig keiner so recht glauben will.

Dubai und Abu Dhabi sind die bekanntesten Namen in dem Verbund der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Auch die Emirate Adschman, Fudschaira, Ra's al-Chaima, Schardscha und Umm al-Qaiwain gehören dazu. Beobachter meinen, dass sie Dubai im Ernstfall unter die Arme greifen würden. „Das systemische Risiko eines Ausfalls wäre zu hoch, sowohl für die Regierung des Emirats Dubai als auch für die gesamten Vereinigten Arabischen Emirate“, erklärt etwa Farah Foustok, CEO von ING Investment Management Middle East. Auf 24 Milliarden Dollar sei der Schuldenberg bereits angewachsen, wie Thomas Bobek, Fondsmanager bei der Sparinvest erklärt. „Bis Mai 2010 müssten sie zurückgezahlt werden.“

 

Nachrichten, die Wellen schlagen

Ende November hat der Staatsfonds Dubai World die Gläubiger um „Stillstand“ (engl.: standstill) gebeten und um einen Zahlungsaufschub bis Ende Mai 2010 – per Presseaussendung. Eine Nachricht, die in der Aktienwelt eine Schockwelle auslöste und die Kunde vom drohenden Bankrott des Scheichs um die Welt gehen ließ. Dabei hatte der Tag vielversprechend begonnen: Fünf Milliarden Dollar waren an Dubai überwiesen worden, von zwei Banken, die im Mehrheitseigentum des Nachbaremirates Abu Dhabi stehen. Doch eine Verlautbarung, die die Restrukturierung von Dubai World und den Zahlungsaufschub betraf, ließ schließlich bei den Investoren keinen Optimismus aufkommen.

„In Summe hat Dubai zwischen 80 und 90 Milliarden Dollar an Schulden angehäuft, das entspricht rund 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“, erklärt Bobek. Die Zahlungsprobleme Dubais sollten sich aber innerhalb der VAE lösen lassen. Vor allem der Staatsfonds Abu Dhabis ist prall gefüllt, an die 600 Milliarden Dollar sollen vorhanden sein. Schließlich verfügt das Emirat darüber, was Dubai nicht mehr hat: über ausreichende Erdölreserven. Wie lange die Verhandlungen innerhalb der VAE dauern, lässt sich allerdings schwer voraussagen.

Ohne Gegenleistungen werden sich auch die verbrüderten Emirate nicht großzügig zeigen. Inzwischen begann Dubai aber bereits Gespräche mit den geldgebenden, internationalen Banken. Die höchsten Außenstände hat die Royal Bank of Scotland (zwei bis drei Milliarden Dollar nennt das „Handelsblatt“), rund 70 regionale und internationale Banken sind Gläubiger des Emirats. Die Chancen, dass Dubai eine Restrukturierung der Finanzverbindlichkeiten gelingt, werden von Beobachtern als realistisch eingestuft. Foustok meint: „Es besteht außerdem internationaler Konsens, auch im Sinne der Weltwirtschaft, wichtige Marktteilnehmer nicht untergehen zu lassen.“

Allerdings werden für Dubai „wahrscheinlich die internationalen Finanzierungskosten in nächster Zukunft steigen“, urteilen die Analysten des Investmenthauses Morgan Stanley. Die Experten kritisieren die mangelnde Klarheit in der Nachricht über den Schuldenaufschub und das schlechte Timing. Die Meldung wurde kurz vor regionalen Feiertagen lanciert (den Eid-al-Adha-Feiertagen), womit eine rasche Klärung der Situation von vornherein ausgeschlossen war.

 

Geplatzte Hoffnungen

„In Dubai ist eine mächtige Immobilienblase geplatzt“, sagt Bobek. Bis zur Hälfte aller Baukräne der Welt seien in Dubai gestanden. Für das riesige Prestigeobjekt, die künstlich aufgeschüttete Insel in Palmenform, musste das Emirat sogar Sand importieren. Die Strategie Dubais für die „Nach-Öl-Zeit“, sich als Finanz-, Handels- und Tourismuszentrum zu positionieren, sei laut Bobek zumindest „vom Konzept her in Ordnung“. Doch es wurde deutlich mehr gebaut, als in Zeiten der Wirtschaftskrise verkaufbar war. Die Überkapazität wieder abzubauen wird Jahre in Anspruch nehmen.

Der Umgang des Emirates Dubai mit den anstehenden Schuldentilgungen wird das Image der ganzen Region beeinflussen. Die Reputation der gesamten Vereinigten Arabischen Emirate steht auf dem Spiel. Ob Dubais Staatsfonds Beteiligungen verkaufen wird, die anderen Emirate Geld zuschießen und eine neue Struktur der Refinanzierung gelingt – wichtig sind klare Informationen und offene Kommunikation. Schließlich ist es die Vertrauensbasis, die in Krisenzeiten zuerst zu bröckeln beginnt. Und sich schwerer wieder aufbauen lässt als eingestürzte Immobilienprojekte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2009)