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Langfristig gedacht: Sichere Schritte statt großer Sprünge

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Dividendenpapiere wurden in den letzten Monaten von Anlegern vernachlässigt. Das könnte sich ändern, sobald sich die Börsen normalisieren. Gerade in Seitwärtsphasen der Märkte locken Dividendenrenditen.

In der jüngsten Kursrallye auf den Weltbörsen zählten Unternehmen, die nachhaltig Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten, nicht zu den Gewinnern. Doch Experten rechnen damit, dass Dividendenpapiere wieder in den Blickpunkt der Anleger rücken. Schließlich ist der jüngste Boom auf den Börsen wieder abgeflaut, die Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung scheinen noch verschwommen. Zudem sind die Dividendenrenditen derzeit äußerst attraktiv.

„Betrachtet man einen Zeitraum zwischen 50 und 100 Jahren, dann zeigt sich, dass zwischen 40 und 50 Prozent der Rendite aus der Dividende kommen. Hoch ist das Renditepotenzial vor allem in Zeiten fallender oder seitwärts gerichteter Märkte“, so Thomas Schüssler, Manager des „DWS Top Dividende“. Der Fonds investiert ausschließlich in Unternehmen mit überdurchschnittlich hohen Dividendenrenditen zwischen drei und sechs Prozent.

 

Solide, aber limitiert im Wachstum

Die Bedeutung der Dividendenpolitik hätte im Zuge der Krise deutlich zugenommen, meint Paul Severin, Aktienstratege der Erste Sparinvest (ESPA): „Sie ist ein klares Signal, wie es um die Finanzstärke eines Unternehmens steht.“ Während die Ausschüttungen der ATX-Unternehmen zuletzt deutlich gesunken sind, sieht die Situation in Deutschland anders aus: Laut der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) werden die 30 größten börsenotierten Unternehmen im nächsten Jahr 20 Milliarden Euro an Dividenden ausbezahlen. Obwohl die Gewinne insgesamt deutlich zurückgegangen sind, ist das nur um zwei Milliarden weniger als im Vorjahr. Ähnliches berichtet auch Schüssler: 90 Prozent der Unternehmen in seinem Fonds hätten den gleichen oder sogar einen höheren Betrag an ihre Aktionäre überwiesen.

Firmen, die eine Dividendenpolitik verfolgen, zeichnen sich durch nachhaltige Erträge und eine solide Cashflow-Entwicklung aus. Die Wachstumsmöglichkeiten gelten allerdings als begrenzt, genauso wie das Kurspotenzial, nach unten wie nach oben. „Doch das kann durch die ausgeschütteten Dividenden locker überkompensiert werden“, so Schüssler.

Die Entwicklung einschlägiger Fonds zeigt, dass auf attraktive Gewinne nicht verzichtet werden muss. „Dividende und Substanz“ der DJE Kapital AG etwa hat, seitdem er Anfang 2003 aufgelegt wurde, eine Performance von 110 Prozent erzielt. Die DWS-Top-Dividende – die im April 2003 an den Start ging – kann ein Performanceplus von 75 Prozent für sich verbuchen.

Kritiker meinen, dass Unternehmen zum Teil zu viel Gewicht auf die Dividendenausschüttungen legen, was zulasten wichtiger Investitionen und Jobs gehen könnte. „Bei gesunden Unternehmen, die langfristig wachsen, ist das sicher nicht der Fall“, meint dazu Eberhard Weinberger, Vorstand der DJE Kapital AG. „Die Dividende muss operativ verdient und nicht durch Einsparungen sichergestellt werden.“ Ein gesundes Verhältnis zwischen Gewinn und Ausschüttungen sei ausschlaggebend. Andererseits dürfe man auch nicht Unsummen in Kapazitäten investierten, die keiner braucht. „Oft ist es besser, antizyklisch zu denken, besonders in so fragilen Zeiten, wie wir sie derzeit erleben“, so Weinberger.

Für Severin stellen Unternehmen, die nachhaltig und langfristig Dividenden ausschütten, auch die besseren Arbeitgeber dar. „Nur wer über lange Zeit die Maxime verfolgt, profitabel zu sein, hat auch Chancen im Wettbewerb“, so der ESPA-Aktienstratege. Ziel eines effizienten Geschäftsmodells müsse es nicht zuletzt sein, die Mitarbeiter im Sinne einer positiven Geschäftsentwicklung langfristig an das Unternehmen zu binden. In der Kursrallye der letzten Monate bekamen die Dividendenpapiere wenig Aufmerksamkeit von den Anlegern. Begehrt waren dagegen Zykliker und dabei vor allem Titel, die im Vorjahr übermäßig abgestraft worden waren.

 

Alternative zu Anleihen?

Das könnte sich laut Experten wieder ändern: „In den Marktbewertungen dieser Unternehmen ist eine Gewinnerholung bereits eingepreist. Das Kursgewinnpotenzial ist daher begrenzt“, so Nicolas Simar, Head of Equity Value Boutique bei ING Investment Management und Manager des ING (L) Euro High Dividende. Das Verlustpotenzial, falls die Gewinnentwicklung enttäuschend verläuft, sei dagegen signifikant. Wenn sich die Börsen normalisieren, werden auch die Dividendenpapiere wieder gefragter, glauben Experten. Dafür sprechen die derzeit attraktiven Dividendenrenditen und das niedrige Zinsniveau. „Diese Phase kann länger dauern, als es die Pessimisten vermuten“, so Weinberger. Angesichts der niedrigen Zinsen glaubt er, dass auch Anleger, die bislang mit Anleihen auf Nummer sicher gingen, mit Dividendenstrategien gewonnen werden könnten. Schließlich hätten solche Investoren geringere Hemmungen, in Aktien zu investieren, wenn es sich um weniger volatile Titel handelt. Noch dazu könne bei solchen Titeln mit einem unmittelbaren Rückfluss gerechnet werden. Auch der Zinseszinseffekt spiele in diesem Zusammenhang eine nicht unbedeutende Rolle.

Ausschließlich die Höhe der Dividendenrendite als Kriterium für eine Anlageentscheidung heranzuziehen, sehen Experten jedoch als Fehler. Denn gerade Unternehmen, die starke Kursverluste verzeichnen, weisen oft hohe Dividendenrenditen auf. Wichtig seien auch Faktoren wie nachhaltiges Wachstum und stabile Cashflow-Entwicklung. Schließlich müsse die Dividende auch in Zukunft verdient werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.12.2009)