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Afghanistan: Luftangriff in Kunduz galt Taliban

German Bundeswehr army soldiers
(c) REUTERS (FABRIZIO BENSCH)
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Ziel des Luftangriffs Anfang September waren offenbar nicht vorrangig die gekaperten Tanklaster, sondern eine Gruppe von Taliban. Das Kanzleramt soll gezielte Tötungen gebilligt haben.

Berlin/Kabul.  Die Affäre um den Luftangriff in Kunduz mit bis zu 142 Toten nimmt eine neue Dimension an. Das deutsche Bundeskanzleramt soll nach einem Bericht der „Leipziger Volkszeitung“ vor dem Luftschlag am 4. September ein schärferes Vorgehen der Bundeswehr gegen die Taliban gebilligt haben. Ein Aspekt der Eskalation sei die Billigung der gezielten Liquidierung der Taliban-Führungsstruktur gewesen. Die Zeitung will aus dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam erfahren haben, dass sich der für den Angriff verantwortliche Oberst Klein „nach diesen Regierungsvorgaben regelrecht ermutigt gefühlt haben“ dürfte, „einmal kräftig durchzugreifen“.

Aus einem an die Öffentlichkeit durchgesickerten Untersuchungsbericht der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) geht hervor, dass Oberst Klein „Menschen und nicht die Fahrzeuge“ angreifen wollte. Ziel des Luftangriffs Anfang September waren nach mehreren deutschen Medienberichten nicht vorrangig die beiden gekaperten Tanklaster, sondern eine Gruppe von Taliban. Laut „Spiegel“ hat Befehlshaber Oberst Georg Klein in einem Bericht seine Entschlossenheit bekundet, Aufständische zu „vernichten“.

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte nach seiner Rückkehr vom Blitzbesuch in Kunduz, es sei nun Sache des parlamentarischen Untersuchungsausschusses, die Dinge aufzuklären. Ursprünglich hatte es geheißen, Ziel der Angriffe seien die beiden gekaperten Tanklaster gewesen.

Damit habe verhindert werden sollen, dass die Fahrzeuge als Waffe gegen die deutschen Soldaten in Afghanistan verwendet werden könnten.
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg stellte nach seiner Rückkehr am Freitagabend fest, dass die Vorkommnisse vor seiner Zeit als Verteidigungsminister passiert seien. Bei seinem Truppenbesuch in Kunduz warb er bei den Soldaten um Verständnis für die parlamentarische Aufklärungsarbeit, warnte aber zugleich vor einer Diskreditierung der Soldaten. Der Ausschuss soll sich am kommenden Mittwoch konstituieren.

Nun hat sich auch die Terrororganisation al-Qaida zu dem von der deutschen Bundeswehr ausgelösten Nato-Luftangriff geäußert. Der Onlinedienst „Welt“-Online berichtet, dass der US-Amerikaner Adam Gadahn alias „Azzam der Amerikaner“ in einer Video-Botschaft den Tod von Zivilisten verurteilt habe. Es seien nicht Jihadisten, die Frauen und Kinder töteten, sondern der indische, pakistanische und amerikanische Geheimdienst in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Sicherheitsfirma Blackwater. So sei auch der Luftschlag in Kunduz das Werk der Geheimdienste gewesen.

Gadahn verglich den Luftangriff mit dem Tod von Zivilisten in der Roten Moschee in Islamabad im Jahr 2007. Damals waren bei der Erstürmung der von militanten Islamisten besetzten Lal Masjid 154 Menschen getötet worden. Die pakistanische Armee hatte einen tagelangen Aufstand von Koranschülern blutig niedergeschlagen.