Pilz hält Schwarz-Rot für "sehr realistisch"

Spitzenkandidat Peter Pilz (M) und weitere Listenkandidaten
Spitzenkandidat Peter Pilz (M) und weitere ListenkandidatenAPA/HERBERT NEUBAUER
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Der Parteigründer schenkt der Ankündigung des Kanzlers, die SPÖ werde als Zweiter in die Opposition wechseln, keinen Glauben. Vielmehr werde Kern beim Verlust von Platz eins Geschichte sein.

Peter Pilz hält eine mögliche schwarz-rote Koalition nach der Nationalratswahl am 15. Oktober für "sehr realistisch". Der Ankündigung von Bundeskanzler und SPÖ-Chef Christian Kern im gestrigen ORF-Sommergespräüch, dass die Sozialdemokratie als Zweiter in Opposition gehen werde, schenkte der Gründer der Liste Pilz am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck keinen Glauben.

Es wisse doch jeder, dass Kern Geschichte sein werde, sollte die SPÖ nicht mehr auf Platz eins landen. Und dass dies passieren werde, hielt der Abgeordnete bereits für fix. Das Rennen um den ersten Platz werde die ÖVP unter Sebastian Kurz, den er für "das größte politische Talent seit Karl-Heinz Grasser" halte, für sich entscheiden. "Und sagen Sie mir einen einzigen Schwarzen oder Roten, der freiwillig den Futtertrog verlässt", begründete Pilz eine mögliche Neuauflage der jetzigen Koalitionsform unter geänderten Vorzeichen. In einem solchen Fall sah der 63-Jährige dann die Zeit von Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil in der SPÖ gekommen.

Zudem sei eine mögliche rot-blaue Mehrheit "nicht wahrscheinlich", meinte Pilz. Diese wäre übrigens "genauso schlimm" wie eine schwarz-blaue Koalition. Schließlich würde die FPÖ bei einer Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten "noch mehr Freiheiten und Einfluss" haben.

Pilz will Regierungsbeteiligung der FPÖ verhindern

Es gelte jedenfalls, eine Regierungsbeteiligung der FPÖ, der "Partei der organisierten Korruption", zu verhindern. Sollte die Chance bestehen, eine "bessere Regierung" ohne Freiheitliche zu bilden, werde sich die Liste Pilz dem nicht verschließen", machte der Listengründer klar. Dann habe man die "Pflicht, sich zu beteiligen".

Das Wahlziel der Liste sei die Zweistelligkeit, betonte Pilz einmal mehr. Sollt man darunter liegen, würde es sich nur um einen "kleinen Erfolg" handeln, legte sich der Ex-Grüne die Latte selbst hoch. In den Umfragen liege man "ausgezeichnet und stabil", die Sehnsucht nach Neuem sei groß. "Es ist schön zu sehen, wie nervös die Freiheitlichen und die Sozis werden", freute sich Pilz über angebliche diesbezügliche Gemütsregungen bei politischen Mitbewerbern.

Inhaltlich forderte Pilz am Dienstag in Tirol unter anderem ein eigenes Tourismusministerium, ein Wissenschafts- und Forschungsministerium sowie ein Integrationsministerium. Bei den Materien handle es sich um essenzielle für die Zukunft des Landes.

Für Tirol stellte Pilz die Wiesinger Gemeinderätin, gelernte Schuhmacherin und Produktentwicklerin Maria Chelucci als Spitzenkandidatin vor. "Wir müssen in Tirol auf jeden Fall zwei Mandate machen", setzte er sich zum Ziel. Chelucci indes will Ehrlichkeit und Transparenz in die Politik bringen sowie gegen "Machtmissbrauch und Korruption" auftreten. Ihr Hauptziel sei es, sich in Wien für die Anliegen der Tiroler Bevölkerung einzusetzen - etwa im Bereich des Tourismus und der Raumordnung.

(APA)

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