Dem Wähler zu drohen zahlt sich oft nicht aus

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-TV Konfrontation SPOE/OEVP-(c) apa (Harald Schneider)
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Der Bundeskanzler will in die Opposition gehen, wenn ihn die Wähler nicht zur Nummer eins machen. Kern ist nicht der Erste, der hofft, einen Urnengang mit einer Ansage über sein persönliches Schicksal noch zu gewinnen. Aber kann diese Taktik erfolgreich sein?

In die Opposition wolle der Mann seine Partei führen, wenn er nicht den gewünschten Platz erreicht? Das erinnere an jemanden, der mutig auf den Fenstersims steige und mit dem Springen drohe. Und das Mitleid der Wähler werde sich gegenüber jemandem, der damit drohe, im Fall einer Wahlniederlage in die Opposition zu wechseln, in Grenzen halten.

Der solcherart Beschriebene ist nicht Christian Kern, sondern Wolfgang Schüssel. Und die kritischen Worte kamen im Jahr 1999 vom damaligen SPÖ-Klubobmann Peter Kostelka, nachdem Schüssel damit gedroht hatte, im Fall von Platz drei bei der Wahl in Opposition zu gehen. Nun, im Jahr 2017 – wie sich die Zeiten doch ändern –, ist es SPÖ-Chef Christian Kern, der mit dem Gang in die Opposition droht, und zwar, wenn er bei der Nationalratswahl nicht Erster wird. Aber zahlt es sich aus, den Ausgang von Urnengängen so klar mit seinem persönlichen Schicksal zu verknüpfen?

Wien, im November 1978. Soeben hat Kanzler Bruno Kreisky die Abstimmung über das AKW Zwentendorf verloren. Was, wie manch Zeitzeuge meint, nicht nur für die Ablehnung der damals im Land noch nicht so wie heute verpönt geltenden Atomkraft gegolten hat. Sondern auch damit zu tun hatte, dass die Strahlkraft des Sonnenkönigs schon nachgelassen hatte und einige darauf hofften, dass Kreisky bei einer Abstimmungsniederlage sein Amt zurücklegen würde. Tatsächlich hatte der Kanzler offengelassen, ob er bei einem Nein zum AKW Zwentendorf als Regierungschef gehen würde.

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