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Weniger Firmenpleiten in Osteuropa

THEMENBILD: KRISE IN UNGARN
Keine Entwarnung gibt es für Ungarn: Dort stieg die Zahl der Pleiten deutlich an.APA/ROBERT JAEGER
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Nur sechs von 1000 CEE-Unternehmen rutschten 2016 in die Insolvenz. Die regionalen Unterschiede sind aber groß, viel mehr Pleiten gab es vor allem in Ungarn.

Die Firmenpleiten in Zentral- und Osteuropa (CEE) gehen zurück. 2016 rutschten um sechs Prozent weniger Firmen in die Insolvenz als im Jahr davor, teilte der Kreditversicherer Coface mit.

2015 hatte der Rückgang 14 Prozent betragen. Diese Entwicklung soll anhalten: Für heuer prognostiziert Coface eine weitere Abnahme von 3,9 Prozent und für 2018 ein Minus von 2,3 Prozent. 

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr nur sechs von tausend
Unternehmen in der Region pleite. Je nach Land und Branche gibt es
freilich massive Unterschiede - in Bulgarien waren im Vorjahr um
35,6 Prozent weniger Unternehmen zahlungsunfähig als 2015; in Ungarn schlitterten dagegen um 56,9 Prozent mehr Betriebe in die
Insolvenz, in Litauen waren es um 35,2 Prozent mehr, in Polen um 2,6 Prozent. Unter dem Strich wiesen acht der 14 in der Coface-Analyse berücksichtigten CEE-Länder für 2016 weniger Insolvenzen aus als im Jahr davor.

Der Baubranche geht es schlecht

Auch die branchenspezifischen Unterschiede sind groß. Generell negativ lief es in der Baubranche: Bei den dortigen Unternehmen herrschen Liquiditätsprobleme, da die Bautätigkeit in den meisten Ländern nachgelassen hat. Umstellungen im EU-Budget und
niedrigere Investitionen hätten sich ausgewirkt, heißt es in der
Studie. Hinzu komme ein von 3,5 Prozent (2015) auf 2,9 Prozent
(2016) abgeschwächtes Wirtschaftswachstum im CEE-Raum. In Estland, Ungarn und Russland etwa entfiel ein Fünftel aller Pleiten auf Baufirmen.

Insgesamt soll die Zahl der Insolvenzen in der Region aber weiter
abnehmen, erwartet der Kreditversicherer. "Die Beschleunigung des
BIP-Wachstums und die Wiederbelebung der Investitionstätigkeiten
sind deutlich positive Anzeichen für Unternehmen", so Grzegorz
Sielewicz, Regional Economist CEE bei Coface. "Ein neuer Schwung an Infrastrukturprojekten, ein stabiler Privatkonsum und die positive
Entwicklung der Auslandsmärkte kurbeln die Wirtschaft an."

Österreich: Weniger Pleiten im ersten Halbjahr

Für Österreich sind die osteuropäischen Länder wichtige
Exportpartner. Die heimische Wirtschaft wuchs 2016 um 1,5
Prozent, trotzdem legten die Unternehmensinsolvenzen laut
Kreditschutzverband von 1870 (KSV1870) um 1,5 Prozent zu; heuer im ersten Halbjahr gingen sie allerdings gegenüber dem
Vergleichszeitraum des Vorjahres um vier Prozent zurück.