Die höchsten Potenziale für Investoren sehen heimische Anlageexperten in den Emerging Markets.
Wien (ker). Die Fondsmanager haben bei ihren Jahresrückblicken gut lachen. Die meisten Fonds legten wegen der steigenden Aktienkurse und attraktiver Unternehmensanleihen stark zu. Viele Anleger kehrten zu ihnen zurück, da sie sich mit den mickrigen Sparzinsen nicht zufriedengeben. Der heimische Fondsmarkt ist um 7,6 Prozent auf 135 Mrd. Euro gewachsen.
2009 war ein erfolgreiches Jahr auf den Kapitalmärkten, da sind sich alle einig. Und auch darüber, dass es im nächsten Jahr mit diesem rasanten Tempo nicht weitergehen wird. Die wirtschaftliche Erholung wird abflachen, glaubt Gerhard Aigner, Geschäftsführer der Raiffeisen Capital Management (RCM). Er führt das unter anderem auf die Lagerbestände zurück. Die Firmen hätten in den vergangenen Monaten vielfach auf Lager produziert, um keine Mitarbeiter kündigen zu müssen. Das werde sich 2010 nicht so fortsetzen, das Wachstum sich daher abschwächen. Bei jenen Anlagebereichen, die 2009 am besten gelaufen sind, müssen die Anleger daher stärker aufpassen:
• Aktien: „Die Kurse werden zu Beginn des Jahres noch steigen, weil die Liquidität in den Märkten noch groß ist und die Zinsen weiter am Boden sind“, prognostiziert UniCredit-Expertin Monika Rosen. Die Kursanstiege würden aber nicht das ganze Jahr anhalten. Man müsse sich rechtzeitig überlegen, wann man aus riskanten Aktien aussteigt oder in defensive Werte umschichtet, so Rosen. Die Experten der RCM sind deutlich auf Schwellenländer (Emerging Markets), verstärkt aus Asien, fokussiert. Aigner sieht in diesen Ländern die meisten Potenziale, da sie besser aufgestellt seien. Die Budgetdefizite und Staatsschulden sind deutlich geringer als bei den Industriestaaten.
• Unternehmensanleihen: Bei Unternehmensanleihen hat es 2009 einen wahren Boom gegeben. Fast alle Großunternehmen haben sich Geld über Anleihen geholt. Für die Anleger war der beste Zeitpunkt zum Anleihenkauf im Jänner. Die Risikoprämien waren sogar für gut bewertete Unternehmen überdurchschnittlich groß.
Die Anleger haben daher für relativ sichere Investitionen eine gute Verzinsung bekommen. Mit derart attraktiven Zinsen es vorbei. „Wir tendieren trotzdem zu Unternehmens- denn zu Staatsanleihen“, sagt Birgit Fleischmann von Credit Suisse Österreich. Aber: „Aufgrund des Zinsrisikos sind Anleihen mit kürzeren und mittleren Laufzeiten zu empfehlen.“
Gute Chancen bieten laut Fleischmann ausgewählte Schwellenländerfirmen mit starkem Staatsbezug, etwa die russische Gazprom.
• Rohstoffe: Mit Rohölinvestments konnten die Anleger 2009 Gewinne von bis zu 40 Prozent einfahren. Für RCM-Geschäftsführer Aigner bieten Rohstoffe aber auch eine langfristige Perspektive. Vor allem, weil Chinas Hunger noch nicht gestillt ist. Chinas Kupferverbrauch wird von 2008 bis 2020 von 28 Prozent auf 43 Prozent des weltweiten Verbrauchs ansteigen. Der Bedarf an Öl von neun auf 20 Prozent.
AUF EINEN BLICK
■Für die Anleger wartet 2010 wieder ein schwierigeres Jahr. Experten erwarten, dass sich die wirtschaftliche Erholung abschwächt und es „Korrekturen“ auf den Aktienmärkten geben wird.
■Die größten Chancen sehen sie in Emerging Markets, also Ländern wie China, Indien, Mexiko oder Russland.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2009)