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Wer ist penetrant, Frau Kampusch?

Natascha Kampusch liest uns wieder die Leviten: Bei einer Pressekonferenz in Hamburg ist sie am Montag zum Watschentanz gegen ihre Heimat angetreten.

In Österreich schlage ihr Missgunst und Aggressivität entgegen; es sei eine „Wiener Mentalität“, andere zu kritisieren und schlechtzumachen; die Medien seien penetrant; und: Ein österreichischer Journalist hätte „gleich etwas Unangenehmes, Intimes gefragt“. Sprach Kampusch und rührte die Werbetrommel für die Dokumentation „Natascha Kampusch – 3.096 Tage Gefangenschaft“, die am 25.1. gezeigt wird (ARD, 21 Uhr).

Bravo! So macht man sich Freunde. In den Medien und in der Bevölkerung. Das wohl berühmteste Entführungsopfer der heimischen Kriminalgeschichte hat aus den bitteren Erfahrungen nichts gelernt. Wenn sie denn tatsächlich in Ruhe gelassen werden will, sollte sie in der Öffentlichkeit schweigen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier jemand bis zur Penetranz vor die Kameras springt, um dann zu raunzen, dass die Nation sich ihren eigenen Reim macht – inklusive derer, die's nicht gut meinen.

Die anderen Kellerkinder – jene des Josef F. aus Amstetten – haben einen anderen Weg gewählt: den in die Anonymität. Das bringt weniger Publicity – aber dafür mehr Frieden.


isabella.wallnoefer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2009)