Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Gewaltiges Beben in Mexiko

(c) die Presse
  • Drucken

Ein Seebeben vor der Küste des südlichen Bundesstaats Chiapas war in ganz Mexiko zu spüren. Dutzende Menschen starben.

Mexico City. Sogar in Mexico City wankten die Häuser. In einzelnen Bezirken des Neun-Millionen-Einwohner-Molochs brach die Stromversorgung zusammen, Fensterscheiben zersplitterten, die Lichter gingen aus. Die Menschen strömten mitten in der Nacht in ihren Pyjamas panisch auf die Straßen, griffen zu ihren Handys, um besorgt Kontakt mit Freunden und Verwandten herzustellen. 700 Kilometer von der mexikanischen Hauptstadt entfernt vor der Küste des Bundesstaats Chiapas hatte die Erde in 19 Kilometern Meerestiefe mit gewaltiger Stärke gebebt: Die Nadeln in den geologischen Instituten der Umgebung schlugen bei 8,1 bis 8,2 auf der Richterskala an. Es war eines der schwersten Erdbeben, die den mittelamerikanischen Staat jemals erfasst haben.

Langsam nur konnten sich die Behörden einen Überblick über Schäden und Opfer verschaffen. Die Zahl der Toten stieg rasch auf 26 an: Allein der Bundessstaat Oaxaca meldete 20 Tote. Keiner wagte zu sagen, wie viele es am Ende sein könnten. Doch zunächst schien es, als sei Mexiko der ganz großen Katastrophe entgangen.

Im Pazifik türmten sich meterhohe Wellen auf. Über die Radio- und Fernsehsender des Landes flirrten Tsunamiwarnungen. In TV-Aufnahmen war zu sehen, wie sich das Meer bis zu 50 Meter weit zurückzog. In Chiapas und auch in Oaxaca ließ die Polizei einzelne Gegenden evakuieren. Menschen flohen. Der Leiter des Zivilschutzes warnte die Bewohner vor Wellen von bis zu 4,20 Meter Höhe. Die Flutwelle schien zunächst auch mittelamerikanische Nachbarstaaten zu bedrohen, vor allem Guatemala. Sogar Ecuador lag im Gefahrenkreis.

Doch bald konnte Präsident Enrique Peña Nieto Entwarnung geben. „Der Tsunami stellt für die Küste von Chiapas kein größeres Risiko dar. Es gibt keinen Anlass zu größerer Sorge“, sagte das Staatsoberhaupt. Doch er bereitet die Bevölkerung auf Nachbeben vor. Bis zu 42 waren schon in den Stunden nach der ersten großen Erderschütterung zu verspüren. Ihre Stärke schwankte zwischen 4,3 und 5,7.

Nieto rief die Bewohner auf, die Schäden in den Häusern sorgfältig zu überprüfen und dabei auch mögliche Lecks der Gasleitungen zu überprüfen. „Wir sind in Alarmbereitschaft“, sagte er. Die Angst vorm nächsten großen Beben ging um. Chiapas traf es am unmittelbarsten. Die ersten Schadensmeldungen kamen aus der pittoresken Touristenstadt San Cristóbal de las Casas. Häuser stürzten ein, zwei Frauen wurden von Trümmern erschlagen. Doch alle fragten sich, wie es wohl in Tonalá aussehen würde. Das Küstenstädtchen mit seinen 35.000 Einwohnern lag dem Epizentrum am nächsten – in einer Entfernung von 137 Kilometern. Doch die Schreckensnachrichten trudelten auch aus anderen Regionen des Landes ein, insbesondere aus Oaxaca, dort fiel in der Stadt Matias Romero ein Hotel in sich zusammen.

Auch der Bundesstaat Tabasco meldete Opfer. Ein Kind sei beim Einsturz einer Mauer gestorben, berichtete der Gouverneur. Und ein Baby war nicht mehr zu retten, weil nach einem Stromausfall in einem Krankenhaus das Beatmungsgerät nicht funktionierte.

 

Und dann kam auch noch Katia

Mexiko hat leidvolle Erfahrungen mit Naturkatastrophen. Die Region liegt auf dem Pazifischen Feuerring. Besonders heftig hatte die Erde am 19. September 1985 gebebt, in einer Stärke von 8,0, also etwas schwächer als diesmal. Mehr als 9000 Menschen starben damals. Das Beben war am Freitag jedoch nicht das einzige Unglück, das Mexiko in seinem Bann hielt. Im Golf von Mexiko näherte sich dem Bundesstaat Veracruz ein gewaltiger Wirbelsturm: Hurrikan Katia. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2017)