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Die Medien sind linker geworden Ist der ORF wirklich "schamlos"?

Auch eine angebliche Qualitätszeitung drückt ihre Sympathie nicht nur durch die Papierfarbe aus

Wo sind die Zeiten, da es noch Medien gab, die einem intelligenten Menschen als Orientierungshilfe dienen konnten? Noch vor kurzer Zeit hatte es sie gegeben. Die Tageszeitungen konnten als Stichwörterverzeichnisse dienen, aber man musste sich selbst den viel zitierten Reim darauf machen. Und die elektronischen Meinungsvermittler waren gleichfalls nur Übermittler und nicht Macher. Der Mensch – Seher und Seherin, Hörer und Hörerin, Leser und Leserin – ist gezwungen worden, sich das zu bilden, was – ja, eben eine eigene, seine eigene Meinung ist. Wir schöpfen sie aus Wissen und sogar aus Seele und Gemüt.

Die Medien, fast alle Medien, haben sich geändert, gewandelt, ihre Aussagen mutiert. Einige so arg, dass einem Freund kein anderer Ausdruck als „schamlos“ einfiel. In der Tat sind heute sogar die Nachrichten aus Radio und Fernsehen nicht mehr das, was sie einmal waren, sondern grün-linke Anschauungen dessen, was mit voller Absicht indoktriniert werden soll. Die Köpfe dazu sitzen in den Sendeleitungen, und sie beziehen ihre Meinung – nein, nicht aus Parteibüros, sondern aus ihrer eigenen Überzeugung. Und die ist eben in den allermeisten Fällen links mit grünen Einsprengseln.


Das heißt also: Der Österreichische Rundfunk fährt auf einer total anderen Spur als die Mehrheit seiner Teilnehmer. Das zeigt sich nicht zuletzt bei der Auswahl der Nachrichtenmoderatoren, die Mühe haben, ihre linke Überzeugung zu verbergen, und vor allem auch bei den Interviewkandidaten. Es sieht so aus, als ob diese vor dem Gespräch, das einem Verhör ähnelt, einen Offenbarungseid abzulegen haben. Auch die Sommergespräche waren in ihrer Existenz gelegentlich politisch einseitig. Tarek Leitner hat den präsumtiven Sieger Sebastian Kurz hart genommen, seinen Freund Christian Kern aber leise umschmeichelt.

Auch die Printmedien haben sich, was die politische Entwicklung betraf, diesbezüglich nichts vorwerfen lassen. Auch sie sind zum Unterschied von der Masse ihrer Leser links – zumindest links sympathisierend. Und natürlich gehört ein ständiges Element von Grün dazu. Dass „Der Standard“ nicht nur in der Papierfarbe rötlich ist, sieht man in jedem Beitrag. Als sich Alexandra Föderl-Schmid nach vieljähriger Tätigkeit als Chefredakteurin verabschiedete, um als Korrespondentin der „Süddeutschen Zeitung“ ausgerechnet nach Tel Aviv zu gehen, zitierte sie ihre Meinung über den Wahlkampf: „Auf dem Wiener Parkett wird zwar der Handkuss gepflegt, es fliegen aber gleichzeitig von hinten die Hackln.“ Ba ba, Kollegin Föderl-Schmid! Ich habe ihr nie die Hand geküsst.

Der Autor war langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der „Presse“.
E-Mails an: thomas.chorherr@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2017)