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Bankensumpf: Sag mir, wo die Jachten sind

(c) EPA
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Banken wissen bei bis zu 50 Prozent ihrer Leasinggüter nicht, ob es diese überhaupt gibt. Die Hypo Alpe Adria vermisst in Kroatien hunderte Jachten, für die sie das Leasing finanziert.

Wien. Nach dem Beinahekonkurs der Hypo Alpe Adria geraten die Geschäfte der Bank am Balkan immer stärker ins Blickfeld. Wie berichtet, hat das Kärntner Finanzinstitut dort bei verschiedenen Tourismusprojekten wackelnde Kredite in Millionenhöhe. Noch wesentlich kritischer sieht die Situation bei mehreren hundert Jachten und Autos aus, für die es zwar Leasingverträge gibt, die jedoch nicht auffindbar sind.

Die Hypo sei aber nicht die einzige Bank mit einem derartigen Problem, sagt Roman Rauch, der österreichische Handelsdelegierte in Zagreb. „Bei den meisten Leasinggesellschaften (oft Töchter ausländischer Banken, Anm.) sind 30 bis 50 Prozent der Leasinggüter bei Vertragsabschluss nie überprüft worden.“ Die Banken seien daher gerade dabei zu kontrollieren, wie viele Jachten und Autos überhaupt existieren.

Hauptgrund für diese Zustände ist laut Rauch das mangelnde Risikobewusstsein der ausländischen Investoren bei gleichzeitiger „Kreativität“ der kroatischen Leasingnehmer. „Ein Banker hat zu mir gesagt: ,Bis zur Lehman-Pleite wussten wir nicht, dass Geld einen Preis hat und wie man Risiko buchstabiert‘.“ In den Boomjahren der jüngeren Vergangenheit war Geld in Kroatien im Überfluss vorhanden. Zudem fehlte – vor allem in den ersten Jahren nach dem Krieg – noch eine etablierte staatliche Kontrolle. Dies führte zu einer allgemeinen „Kasinomentalität“.

 

Kroatien und das „K-Wort“

Klar ist bei vielen Fällen bislang lediglich, dass es eine Menge an Unklarheiten gibt. Oft dürfte das Ganze auch eine Frage für den Staatsanwaltschaft werden. So gilt es als unwahrscheinlich, dass alle gefälschten Leasinggeschäfte ohne Mitwissen von Bankmitarbeitern durchgeführt wurden. „K.u.K – Kroatien und Korruption“, heißt es dazu hinter vorgehaltener Hand.

Das „K-Wort“ soll aber nicht nur bei kleinen Gaunereien, sondern auch bei großen Geschäften im Spiel gewesen sein. So hatte die Hypo auch mehrere Geschäftspartner mit einem dubiosen Hintergrund. Allen voran den Exgeneral Vladimir Zagorec, dem die Kärntner Immobiliengeschäfte von rund 260 Mio. Euro finanziert haben sollen. Zagorec sitzt inzwischen wegen Unterschlagung von Edelsteinen aus einem früheren Waffendeal im Gefängnis. Und auch der im Juli zurückgetretene Ex-Regierungschef Ivo Sanader soll laut Medienberichten für die Vermittlung eines Kredits eine Provision erhalten und der Hypo in Kroatien die Türen geöffnet haben. Von Sanader werden diese Vorwürfe zurückgewiesen.

In Kroatien selbst finden die Vorgänge rund um die Hypo bislang wenig Beachtung. „Bis zum Freitag war es komplett ruhig“, sagt Rauch. Dies dürfte sich in nächster Zeit jedoch ändern. Denn die Aufarbeitung der Vorgänge steht erst am Anfang.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2009)