Ertragreiche Wetten auf wackelnde Euroländer

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Griechenland ist in der Krise. Deren Staatsanleihen sind daher verlockend, wenn auch riskant.

Wien (ker). Griechische Staatsanleihen als Anlagetipp? Angesichts der aktuellen negativen Meldungen um Griechenlands Staatsfinanzen klingt das sehr seltsam. Das Land ist zuletzt stark unter Druck geraten, nachdem es von der Ratingagentur Fitch abgestuft wurde und den Bonitätsstatus „A“ verlor. Die Regierung musste im Oktober vermelden, dass sich das Budgetdefizit auf 13 Prozent verdoppeln werde – und das könnte sogar zu „optimistisch“ sein. Der Internationale Währungsfonds (IWF) glaubt, das Defizit werde noch höher ausfallen.

Bei griechischen Staatsanleihen gibt es indessen einiges zu holen. Eine zehnjährige Griechenland-Anleihe bietet derzeit eine Rendite von 5,7 Prozent. Im Vergleich zu österreichischen Anleihen sind das um knapp 2,2Prozentpunkte mehr. Diese Rendite gilt freilich unter der Voraussetzung, dass Griechenland Zinsen und Tilgung pünktlich überweisen kann.

Schutz in der Eurozone?

„Keine Frage, bei einer griechischen Anleihe gibt es viele Risken“, sagt Erste-Experte Rainer Singer. Nachsatz: „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Sache gut geht, ist aber höher, als dass sie schiefgeht.“ Soll heißen, ein Staatsbankrott eines Eurolandes ist nicht sehr wahrscheinlich. Das verdeutlicht der Aufruf Deutschlands, Griechenland zu helfen. Für risikoreiche Anleger, die darauf spekulieren, dass kein Land innerhalb der Eurozone „fallen gelassen“ wird, ergeben sich demnach weitere interessante Angebote: Für eine zehnjährige irische Staatsanleihe gibt es derzeit eine Rendite von 4,8Prozent, für eine italienische vier Prozent.

Eine Gefahr droht indessen der Währung. Sollten Länder wie Griechenland oder Italien ihre Schulden nicht in den Griff bekommen, könnte das für die Eurozone gefährlich werden. Martin Hüfner, langjähriger Chefvolkswirt bei der deutschen Hypovereinsbank (HVB), befürchtet, dass durch die hohen Defizite der Euro geschwächt werden könnte. Anzeichen dafür gab es bereits auf dem Devisenmarkt. Zum Dollar hat die europäische Einheitswährung seit zwei Wochen um mehr als drei Prozent verloren.

Ratingagentur: „Turbulente Zeiten“

Singer bevorzugt indessen Osteuropa-Anleihen, etwa die zehnjährige Anleihe von Polen, die derzeit mit 6,2 Prozent rentiert. In Polen ist eine höhere Staatsverschuldung als 55Prozent per Verfassung verboten. „Das Land muss also ständig Wege finden, das Budget in Ordnung zu halten.“ Das Währungsrisiko – in Polen zahlt man noch mit Zloty – könne sich, so Singer, positiv auswirken: „Der Zloty hat gegenüber dem Euro Potenzial nach oben.“

So viele Möglichkeiten Staatsanleihen von „schlechteren“ Ländern derzeit bieten, so groß ist auch das Risiko, schreibt beispielsweise die Ratingagentur Moody's. Sie befürchtet für Staatsanleihen „turbulente Zeiten“, weltweit werde das Risiko von Zahlungsausfällen steigen, warnt die Agentur.

AUF EINEN BLICK

Für Staatsanleihen von Euroländern, die derzeit finanziell nicht gut dastehen, gibt es einiges zu holen. Eine griechische Staatsanleihe (zehn Jahre) bietet derzeit eine Rendite von 5,7 Prozent – sofern das Land zahlungsfähig bleibt. Die Anleger hoffen, dass ein Land in der Eurozone von den anderen Mitgliedsländern gestützt wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2009)

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