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Heiner Geißler: „Er war einer unserer Besten“

Heiner Geißler ist im Alter von 87 Jahren gestorben.
Heiner Geißler ist im Alter von 87 Jahren gestorben.(c) REUTERS
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Weggefährte Helmut Kohls als Generalsekretär und Minister, hat den Altkanzler um wenige Monate überlebt. Alle Parteien würdigten den Querkopf.

Berlin. Zum Requiem für Helmut Kohl, seinen politischen Lebensmenschen und späteren Intimfeind, hatte sich Heiner Geißler, gebeugt und gezeichnet von seiner Krankheit, am 1. Juli noch in den Dom zu Speyer geschleppt, um dem Altkanzler die letzte Ehre zu erweisen. Der streitbare Weggefährte, ein Vordenker und Quergeist, war nur ein Monat älter als sein Landsmann aus der Pfalz – und er hat ihn um knapp drei Monate überlebt.

Zwei Wochen vor der Bundestagswahl ist der langjährige CDU-Generalsekretär und Ex-Familienminister im Alter von 87 Jahren gestorben, und der Polit-Betrieb in Berlin hielt in der Endphase des Wahlkampfs kurz inne. Quer durchs politische Spektrum, von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über eine bewegte Kanzlerin Angela Merkel und SPD-Außenminister Sigmar Gabriel bis zu Oskar Lafontaine, würdigten die Parteien die Verdienste Geißlers und seine intellektuelle Brillanz. „Er war einer unserer Besten“, rief ihm Parteifreund Armin Laschet, der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, hinterher.

Der profilierte Sozialpolitiker wollte ursprünglich Jesuit werden, was ihm den Spottnamen „Herz-Jesu-Marxist“ eintrug. Nach vier Jahren trat er aus dem Orden aus: „Ich habe gemerkt, dass ich mindestens ein Gelübde nicht halten kann. Armut war es nicht.“ An Kohls Seite machte er Karriere – in Mainz wie in Bonn. Zwei Mal führte Geißler, ein Bergfex, die Union zu Wahlsiegen, ehe er sich mit dem Kanzler überwarf. Beim Bremer Parteitag 1989, zwei Monate vor dem Mauerfall, zettelte er ein Komplott gegen den autokratischen Partei- und Regierungschef an – und landete, nachdem die Revolte in sich zusammengebrochen war, in der politischen Wüste.

Der scharfzüngige Rhetoriker und Polemiker tat sich sich als Parlamentarier, als Schlichter in Konflikten und als Stammgast in den Polit-Talkshows hervor. Als Querkopf mengte er sich in den Diskurs ein, als Mitglied der Anti-Globalisierungsbewegung Attac ließ er aufhorchen. Heiner Geißlers Stimme wird fehlen. (vier)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2017)