Familie und Beruf. Beim Verein VKKJ wird den Mitarbeitern die Betreuung der Kinder und die Pflege älterer Angehöriger seit vielen Jahren möglich gemacht.
Wien. Arbeit und Familie, so steht es auf der Website des Vereins „Verantwortung und Kompetenz für besondere Kinder und Jugendliche (VKKJ)”, soll keine „Entweder-Oder-Frage“ sein. Die Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben ist dem Verein schon lange ein Anliegen: Bei einem Frauenanteil von 93 Prozent überrascht es wenig, dass Familie, Karenz und Mutterschutz im Verein wichtige Themen sind.
300 Mitarbeiter zählt man beim VKKJ, die in neun Ambulatorien – vier in Wien, fünf in Niederösterreich – behinderte Kinder und Jugendliche betreuen. Weiters gibt es in Wiener Neustadt ein Tagesheim für Erwachsene. Natürlich, sagt Geschäftsführer Andreas Steuer, sei es ein Jonglieren, damit an jedem Standort jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter die Arbeitszeiten so wählen kann, dass diese mit dem Privatleben vereinbar sind. „Das funktioniert aber recht friktionsfrei“, sagt Steuer, „und die Betreuung der Patienten ist trotzdem zu jeder Zeit gewährleistet.“ Da die Mitarbeiter – von Psychologen über Kinderärzte, von Logopäden bis Ergotherapeuten gibt es beim VKKJ eine Vielzahl an Berufsfeldern – in der Regel „sehr lang bei uns arbeiten“, ist es Steuer wichtig, dass die Maßnahmen „nachhaltig verankert sind und nicht nur punktuell passieren“. So ist es üblich, jedes Jahr im Mitarbeitergespräch über die individuellen Bedürfnisse zu sprechen, auch die Führungskräfte werden laufend sensibilisiert. Für Mitarbeiterinnen, die selbst schwanger werden, sagt Steuer, könne es mitunter eine große psychische Belastung sein, mit behinderten Kindern zu arbeiten. Auch auf diese Sorgen werde eingegangen. „Da gibt es regelmäßige Gespräche zwischen der schwangeren Kollegin und der Führungskraft, um auf ihre Bedürfnisse einzugehen.“
Ein standardisiertes Karenzmanagement hilft dabei, dass Frauen in der Karenz mit ihrem Team in Kontakt bleiben und der Wiedereinstieg gut geplant werden kann.
Kostenlose Burn-out-Vorsorge
Um personelle Engpässe aufgrund von Teilzeit-Wünschen oder Karenz zu vermeiden, hat der Verein einen Pool an ehemaligen Mitarbeitern (die etwa schon in der Pension sind), die kurzfristig einspringen können und zurückgeholt werden. Jedes Jahr gibt es Teammeetings an den Standorten, bei denen Themen wie psychische Hygiene auf der Tagesordnung stehen. Weiters werden Gesundheitsseminare, etwa Burn-out-Vorsorge, kostenlos angeboten.
Zudem, so Steuer, „sind wir draufgekommen, dass, je nach Alter der Mitarbeiter, die Pflege von älteren Angehörigen genauso ein Thema ist. Daher haben wir eine Pflegemappe zusammengestellt, in der wir alle Infos zum Thema gebündelt haben.“
Gegründet wurde der Verein VKKJ vor rund 40 Jahren von Eltern, die mit der damaligen Versorgung ihrer behinderten Kinder unzufrieden waren. Aus dieser kleinen Selbsthilfegruppe ist ein großer Verein geworden, der im Jahr rund 7000 Kinder und Jugendliche betreut.