Die AUA hat das "Squeeze-out" der verbliebenen Kleinaktionäre beschlossen. Diese sollen mit 50 Cent pro Aktie zwangsabgefunden werden. Die Aktionäre, die das Abfindungsangebot angenommen hatten, bekamen 4,49 Euro.
Wien (ju). Unter heftigem Protest („Sauerei“) der verbliebenen Altaktionäre hat die AUA am Mittwoch per außerordentlicher Hauptversammlung den letzten Akt ihrer Börsenotierung gesetzt und das „Squeeze-out“ der verbliebenen Kleinaktionäre (samt Börsenrückzug im Jänner) beschlossen. Die Angelegenheit ist aber noch nicht abgeschlossen, denn die Hinausgedrängten klagen. Ihr Vorwurf: Die Zwangsabfindung von 50 Cent je Aktie sei viel zu niedrig. Die Aktionäre, die das Abfindungsangebot der Lufthansa angenommen hatten, haben immerhin 4,49 Euro je Anteilschein bekommen. Selbst der Börsekurs des Unternehmens ist noch viermal so hoch wie die Zwangsabfindung.
„Negativer Firmenwert“
Für Lufthansa-Vorstand und AUA-Aufsichtsrat Michael Niggemann ist das noch ein großzügiges Angebot: Der Firmenwert der kürzlich übernommenen österreichischen Fluggesellschaft betrage weniger als nichts. Gutachter Deloitte habe einen Unternehmenswert von minus 2,43 Euro je Aktie festgestellt.
Das wiederum bringt den wegen seiner pointierten Stellungnahmen als „Hauptversammlungsschreck“ bekannten Investor Rupert Heinrich Staller auf die Palme: Er wolle dem Deloitte-Management ja nichts unterstellen. Aber ausgerechnet vom Wirtschaftsprüfer der Hypo Alpe Adria wolle er „die Bewertung unseres Eigentums“ und die Festsetzung der Abfindung für die Aktionäre nicht durchführen lassen.
Was wiederum AUA-Vorstand Peter Malanik unverständlich findet: „Wir gehen davon aus, dass Deloitte als einer der führenden internationalen Wirtschaftsprüfer durchaus in der Lage ist, in unabhängiger Weise eine korrekte Bewertung durchzuführen.“
Staller sieht das nicht so und fragt Malanik, warum der AUA-Vorstand denn zulasse, „dass die Lufthansa meine Aktien für einen lächerlichen Barabfindungspreis klaut und enteignet. Behandelt man so seine Eigentümer?“
Sauer ist auch Anlegerschützer Wilhelm Rasinger. Er findet das Abfindungsangebot „enttäuschend und ärgerlich“. Immerhin seien die Aktionäre durch „Inkompetenz, Realitätsverweigerung, Verschleierung und Eitelkeiten“ geschädigt. Wobei da „nicht nur der Herr Ötsch“ (Anm.: Ex-AUA-Generaldirektor) aufgefallen sei. Zum Dank dafür, dass sie mit dem Unternehmen „durch dick und dünn“ gegangen seien, würden die Aktionäre jetzt „mit nassen Fetzen aus dem Unternehmen gejagt“.
Dagegen unternehmen können Rasinger und Staller freilich wenig: Die Restaktionäre halten 4,44 Prozent, der Rest gehört schon der Deutschen Lufthansa. Das Abstimmungsergebnis ist so eine klare Sache.
Allerdings, wie gesagt, noch nicht der Endpunkt. Denn die hinausgedrängten Aktionäre wehren sich. Laut Rasinger stehen Anfechtungsklagen und „ein mühsames Überprüfungsverfahren“ im Raum. Das könne lange dauern.
AUF EINEN BLICK
■Die AUA hat das „Squeeze-out“ der verbliebenen Kleinaktionäre beschlossen. Diese sollen mit 50 Cent pro Aktie zwangsabgefunden werden. Die
Aktionäre, die das Abfindungsangebot
der Lufthansa angenommen hatten, bekamen 4,49 Euro. Von Anlegerschützern kommt nun heftige Kritik.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2009)