Olympia: Gegen Sesselkleber und Jasager

(c) APA (Georg Hochmuth)
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Sportgrößen wie Peter Seisenbacher fordern einen Athletenbeirat im ÖOC. Eine diesbezügliche Petition wurde ÖOC-Präsident Karl Stoss anlässlich der "Sportlergala" in Vösendorf vor wenigen Wochen überreicht

WIEN. Am Freitag wird der Vorstand des Österreichischen Olympischen Komitees (ÖOC) neu gewählt, und bei dieser Hauptversammlung wird sich weisen, wie reformwillig die ÖOC-Familie tatsächlich ist. Geht es nach einigen heimischen Olympiasiegern und Sportlegenden, soll die Wahl richtungsweisend werden. Gefordert wird ein Athletenbeirat, wie er im Ausland und im Internationalen Olympischen Komitee üblich ist. Das IOC rief bereits 1981 eine Athletenkommission ins Leben.

Dieses Modell, unterstrich der zweimalige Judo-Olympiasieger Peter Seisenbacher, sollte auch auf Österreich umgelegt werden. Eine diesbezügliche Petition wurde ÖOC-Präsident Karl Stoss anlässlich der „Sportlergala“ in Vösendorf vor wenigen Wochen überreicht – „Die Presse am Sonntag“ berichtete. Mitgetragen wird die Aktion von Emese Hunyady, Hermann Maier, Franz Klammer, Leonhard Stock, Michaela Dorfmeister, Renate Götschl, Toni Innauer, Ernst Vettori, Markus Prock, Ingo Appelt, Roman Hagara oder Thomas Muster. Sie alle haben ein Ziel: „Wir wollen unsere Fachkenntnisse zur Verfügung stellen“, sagt Seisenbacher. „Wir sind vielleicht keine Experten im Funktionärswesen, aber Sportler dürfen im ÖOC nicht zu Exoten werden oder zu Feigenblättern verkommen.“

Dringend notwendige Reform

Österreichs Spitzensportler wollen auf Missstände hinweisen und betreiben dafür Aufklärungsarbeit. „Wir wollen Funktionäre nicht verdrängen oder ersetzen“, meint Seisenbacher, „sondern uns gegenseitig ergänzen.“ Es ginge auch nicht darum, „sich wichtigzumachen“, sondern um eine dringend notwendige Reform. Dass dies kaum ohne Gegenwind gelingen wird, ist allen bewusst. Doch wer „mittelalterliche Strukturen aufbrechen“ will, so Seisenbacher, dürfe vor harten Worten nicht zurückschrecken. „Was die Organisation des österreichischen Sports betrifft, ist in den letzten Jahren nichts weitergegangen.“

Plan ist, zumindest einen Vertreter bei jeder Vorstandssitzung dabeizuhaben. Dieser soll auch ein Mitsprache- bzw. Stimmrecht erhalten. Die Auswahl obliege der Kommission je nach Schwerpunkten, also Winter- oder Sommerspiele. Ein fixer Vertreter, fürchtet Seisenbacher, könnte aufgerieben werden. Eine Kooptierung in den Vorstand wäre die ideale Lösung.

Das ÖOC müsse sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren: Auf die Förderung der Olympiasportler. Seisenbacher: „Wir wollen nicht, dass das ÖOC zu einer parapolitischen Instanz wird, die Sportler zum Faustpfand parteipolitischer Gegengeschäfte macht. Wir wollen nicht, dass das ÖOC eine verschlafene Funktionärsgesellschaft bleibt und von Sesselklebern, Jasagern oder Erfüllungsgehilfen bestimmt wird.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.12.2009)

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