Daviscup: Die Zukunft liegt in Thiems Händen

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Dominic Thiem sicherte gegen Rumänien den Klassenerhalt. Nur wenn der 24-Jährige auch 2018 für Österreich aufschlägt, darf vom Aufstieg in die Weltgruppe geträumt werden.

Österreich ist seiner Favoritenrolle im Duell der Europa-Afrika-Zone I in Wels gegen Rumänien gerecht geworden. Ein Dreisatzsieg von Dominic Thiem gegen Nicolae Frunza (ATP 611) sicherte das 3:1 und den Klassenerhalt, Gerald Melzers Erfolg gegen Bodgan Borza (6:1, 7:5) war sportlich nicht mehr von Bedeutung. Damit nimmt das ÖTV-Team 2018 den nächsten Anlauf zum Aufstieg in die Weltgruppe. Wer im Frühjahr der Gegner sein wird, ist noch nicht bekannt. Der internationale Tennisverband (ITF) wird am heutigen Montag je nach Entwicklung der anderen Länderkämpfe entscheiden, ob die Auslosung für 2018 diese Woche oder erst Ende Oktober stattfindet.

Thiems Mitwirken gegen Rumänien war für Österreichs Daviscup-Equipe ein Segen. Der Weltranglistensiebente erfüllte die Erwartungen, er gab in seinen beiden Einzeln am Freitag und Sonntag keinen Satz ab und steuerte die erwarteten zwei Punkte bei. Dass er am Schlusstag beim 7:6 (2), 7:6, (3), 6:3 gegen den 19-jährigen Frunza durchaus Mühe hatte, erstaunte dann aber doch. „Ich habe ein paar dumme Fehler gemacht, Frunza hat eine sehr gute Partie gespielt. Zum Glück habe ich in den Tiebreaks einen Gang höher schalten können.“

Thiem stand dem ÖTV an diesem Wochenende erstmals seit März 2016 (4:1 in Portugal) wieder zur Verfügung, er hatte Gefallen an seinem Gastspiel gefunden, sagte: „Es ist richtig geil, Teil einer Mannschaft zu sein.“ Mit seinen Teamkollegen mitzufiebern, sei „ein schönes Gefühl.“

Privilegien eines Top-10-Stars

Die Daviscup-Auftritte des 24-Jährigen kann man bislang noch an einer Hand abzählen, jener gegen Rumänien war sein vierter. Seit seinem Debüt 2014 trat Thiem jedes Jahr ein Mal für Rotweißrot an. Es sei auch für ihn selbst nicht zufriedenstellend, „eine Partie zu spielen und dann wieder nicht“, bemerkte der Niederösterreicher.

Um Österreich wieder in die Weltgruppe der 16 besten Nationen zu hieven, wären 2018 drei Siege am Stück vonnöten. Ohne Thiem, diese Prognose darf man stellen, scheint dies unmöglich. „Dominic macht den Unterschied aus“, bekräftigte auch Kapitän Stefan Koubek. Auch deshalb gesteht der ehemalige Weltranglisten-20. seinem Star so manches Privileg zu. Thiem war erst am Mittwoch, also zwei Tage später als etwa Gerald Melzer und Philipp Oswald, zur Mannschaft gestoßen. „Er kann machen, was er will, hat eine Sonderstellung. Selbst wenn er am Donnerstag zum Team stoßen würde, wüsste ich, dass er am Freitag für sein Match bereit wäre.“

Mit Thiem in den eigenen Reihen habe Österreich „die Chance, in der Weltgruppe zu spielen“, versicherte Koubek. Auch Thiem hat grundsätzlich Interesse daran, sein Land im Konzert der Großen zu vertreten. „Wenn wir rauf wollen, wird es natürlich leichter, wenn ich spiele“, sagte Thiem und überraschte ein wenig mit der Aussage, es sich „sicher vorstellen zu können“, 2018 für sämtliche Daviscup-Begegnungen zur Verfügung zu stehen. Das Problem sei nicht der Daviscup selbst. „Für sein Land zu spielen ist super und eines der schönsten Dinge, die es gibt.“

Allerdings, der dichte Turnierkalender bringe Probleme mit sich. „Der ganze Kalender ist einfach so kompakt und dicht gedrängt, dass es immer schwierig sein wird. Ich kann nichts versprechen.“ Was sich Koubek wünscht, ist klar: „Natürlich hoffe ich, dass Dominic uns nächstes Jahr zur Verfügung steht. Aber ich verstehe, dass es aufgrund der Termine nicht immer einfach ist.“

Historischer Abstieg

Dass selbst große Tennisnationen nicht vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit gefeit sind, zeigt das Beispiel Argentinien. Durch das 2:3 beim Play-off-Duell in Kasachstan musste erstmals in der Geschichte des Daviscups der Titelverteidiger den Abstieg aus der Weltgruppe hinnehmen. Den Südamerikanern fehlte unter anderem US-Open-Halbfinalist Juan Martin del Potro, sie spielen 2018 nur in der Amerika-Zone I.

("Die Presse", Printausgabe 18.9.2017)

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