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Bankräuber: Unprofessionell, geldgierig, impulsiv

Symbolbild
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Nur jeder siebente Bankräuber ist ein "Profi", die meisten sind Gelegenheitstäter mit akutem Geldbedarf, ergab eine Studie. Kameras schrecken sie kaum ab, dafür haben sie Angst vor Security-Mitarbeitern.

Bankräuber wollen schnelles Geld, haben aber nur selten Erfahrung mit derartigen Verbrechen. Das ergab eine Studie des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV). Nur 14 Prozent sind demnach "Profis": "Die wenigsten planen einen Überfall, sondern lassen sich von Situation und Gelegenheit verleiten", erklärte Studienautor Christopher Schlembach vom KfV. Das große Geld ist laut Banken und Bundeskriminalamt aber nicht mehr zu machen: Aufrüstungen und Schulungen würden bereits Erfolge zeigen.

Ein Banküberfall benötigt keine intensiven Planungen, geht schnell, man braucht kein Netzwerk und keinen Absatzmarkt: Das sind Motive für diese Straftat, wie Interviews mit 41 verurteilten Tätern in acht österreichischen Justizanstalten ergeben haben. Rund die Hälfte der Befragten gaben an, durch Medien zur Tat inspiriert worden zu sein.

Dabei sind Strafrahmen und Aufklärungsquote relativ hoch: Bei einem Raub lautet der Strafrahmen auf ein bis zehn Jahre, bei schwerem Raub, der zumeist mit einer Waffe begangen wird, fünf bis 15 Jahre und bei Raubmord bis zu lebenslanger Haft, erklärte Herwig Lenz, Leiter der Kriminalprävention und Opferhilfe des Bundeskriminalamts.

Kameras schrecken kaum ab

Profi-Räuber sind laut Studie nur 14 Prozent der Täter, 35 Prozent sind sogenannte "Intermediates", also Milieu-Kriminelle ohne besondere Bankraubspezialisierung, und der Rest Amateure. Alarmpakete verhindern einen Bankraub nicht: Jeder zweite Täter beachtet diese Maßnahme nicht, in einigen Fällen hätte ein Alarmpaket aber zur Ausforschung von Räubern geführt, so Schlembach. Dafür würden zwei Drittel der Befragten von privaten Securitydiensten vor der Filiale abgeschreckt.

Überwachungskameras fanden 94 Prozent der Befragten "nicht abschreckend": Viele würden darauf mit Maskierung reagieren und manche Befragte hätten gehöhnt, dass die Bildqualität schlecht sei, so der Studienautor. Die Möglichkeiten hätten sich mit der Digitaltechnik erweitert, eine Maskierung allein sei nicht alles: "Wir haben andere Parameter", betonte Lenz. Auch Prämien helfen bei der Ergreifung des Täters.

Banken wappnen sich gegen Überfälle

Banken rüsten sich mittlerweile mit Schulungen und baulichen Maßnahmen gegen Räuber: So hat die Bank Austria u. a. digitalisierte Videoanlagen installiert und einen privaten Wachdienst eingesetzt, berichtete der dafür zuständige Herbert Hangel. Heinz Friedl, Sicherheitsbeauftragter der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien, erklärte, man habe z. B. automatische Kassentresore statt Geldladen und schleusenähnliche, elektrische Schiebetüren eingerichtet. Bei der Erste Bank hat man laut Generaldirektorin Elisabeth Bleyleben-Koren u. a. die Kassenbereiche umgebaut und die Selbstbedienungsgeräte diskreter gemacht.

Die Einrichtungen haben auch ihre Geldbestände in den Kassen reduziert: Das große Geld sei also nicht mehr zu machen, betonten die Bankvertreter. Die bei der Studie befragten Räuber haben übrigens durchschnittlich 37.000 Euro erbeutet. "Die gesetzten Maßnahmen ziehen langsam", zeigte sich Lenz erfreut. 2007 gab es österreichweit 136 Raube auf Banken und Postämtern, im Vorjahr 131 und heuer waren es bis Ende November 94. Das Bundeskriminalamt schult Mitarbeiter von Geldinstituten, Geschäften und Postämtern.

Die 2007 durchgeführte Studie teilt sich in Leitfaden-gestützte Interviews der Täter und eine Raumanalyse von 165 Banken, von denen die Hälfte bereits einmal Tatort eines Überfalls war.

(APA)