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Medientage

„Fake News sind eine Geißel“

Andrew Morse spricht am Donnerstag um 9.30 Uhr bei den Medientagen in Wien über „Digital Media's Next Frontier“.
Andrew Morse spricht am Donnerstag um 9.30 Uhr bei den Medientagen in Wien über „Digital Media's Next Frontier“.Donald Bowers
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Keynote-Speaker Andrew Morse verantwortet das Digitalgeschäft von CNN. Ein Gespräch über Donald Trump, journalistische Verantwortung und News-Häppchen.

Dass sich der mächtige Mann im Weißen Haus die Nachrichten lieber selber schreibt, ist durch seine Twitter-Ergüsse bekannt. Ob er den Nachrichtenseder CNN tatsächlich am liebsten verprügeln würde, wie ein im Juli von einem Unbekannten ins Internet gestelltes (und von Trump geteiltes) Satire-Video suggeriert, ist nicht überliefert. Bei CNN jedenfalls will man sich nicht einschüchtern lassen. „Der Job eines Journalisten ist es, jede Geschichte unvoreingenommen zu recherchieren und dann die Fakten zu präsentieren. Wir ziehen die Mächtigen für ihre Handlungen zur Rechenschaft und bringen Lügen ans Licht. Diese Aufgabe hat sich mit Präsident Donald Trump nicht verändert. Wir machen unseren Job – wie immer“, sagt Andrew Morse, Vizepräsident von CNN in den USA und Generaldirektor von CNN Digital Worldwide.

Im Herzen immer noch Reporter

Unerschrockenheit hat er schon früher beweisen müssen. 15 Jahre lang arbeitete Morse für den US-Sender ABC und hat – noch als Journalist – unter anderem von den Erdbeben in Haiti und Japan, vom Tsunami 2004 und aus den Kriegsgebieten in Afghanistan und im Irak berichtet. Das hat ihn geprägt, erzählt er der „Presse“: „In meinem Herzen werde ich immer dieser Reporter da draußen bleiben. Die Aufgabe von Journalismus ist es ja, Zeuge der Geschichte zu sein – und den Menschen davon zu erzählen. Ich nehme diesen Auftrag sehr ernst und es war mir eine Ehre, von diesen historischen Ereignissen zu berichten.“

Er habe bei diesen schwierigen Einsätzen Fähigkeiten entwickelt, die man auch als Manager ganz gut brauchen kann: „Ich habe gelernt, meinen Instinkten zu vertrauen, schwierige Entscheidungen zu treffen und immer die Interessen des Teams im Auge zu behalten.“ Heute steht Morse nicht mehr selbst an der Front, hat als Digital-Chef von CNN aber dafür zu sorgen, dass die Informationen so schnell wie möglich bei den Konsumenten ankommen. „Wir konzentrieren uns inzwischen viel mehr auf das mobile Geschäft und weniger auf die Website für den Computer“, sagt Morse, der bei den Medientagen in Wien eine Keynote über die digitale Medien-Zukunft hält. „Es gibt eine Menge aufregender Möglichkeiten. Wir investieren in künstliche Intelligenz und Audio-Kurznachrichten für Amazon und Google. Wir arbeiten mit Aufnahmen von Kamera-Drohnen und mit Virtual Reality.“ CNN-Inhalte seien mittlerweile auf mehr als 35 Plattformen zu empfangen. 2014 gründete CNN seine Digital-Studios, die News-Happen für soziale Medien produzieren. 2015 kam „Great Big Story“ – ein Portal mit zwei, drei Minuten langen Kurz-Reportagen und Kurz-Dokus, die sich in sozialen Medien gut teilen lassen. „Das Digitalgeschäft ist sehr profitabel“, sagt Morse. Derzeit komme das Geld vor allem aus Werbeschaltungen, man sei aber auf der Suche nach anderen Erlösquellen und teste neue Angebote für den Endverbraucher.

„Die Geschichten der Welt erzählen“

Die Welt wächst durch die neuen Kommunikationstechnologien zusammen: „Die Zuseher können bei CNN-Korrespondent Will Ripley in Nordkorea sein, dann bei seinem Kollegen Chris Cuomo, der über die Auswirkungen von Hurrikane Irma aus Florida berichtet – und das innerhalb von einer Sekunde. Unser Job ist es, die Geschichten der Welt zu erzählen, und das Publikum kann dadurch viel von den Erfahrungen der Menschen in jeder Ecke des Globus lernen.“

Die Kehrseite sind Halb- oder Unwahrheiten, die sich heute leichter verbreiten lassen und zu einem Geschäftszweig geworden sind. „Fake News sind Lügen. Eine Geißel unserer Gesellschaft. Und eine sehr gefährliche Entwicklung. CNN hat einen umfassenden Bericht über das Geschäft mit Fake News veröffentlicht: Es gibt Bemühungen, Falschinformationen über soziale Plattformen zu verbreiten, nur um damit Geld zu verdienen. Das sollte jeden von uns beunruhigen.“ Ein Medienunternehmen wie CNN hingegen müsse „unparteiisch“ berichten, bekräftigt Morse: „Journalisten sollten sich nicht für die eine oder andere Lebensweise oder politische Position einsetzen oder für ein Land Partei ergreifen. Wir müssen Fakten sammeln, die Wahrheit aufdecken und die Mächtigen in die Pflicht nehmen.“

MEDIENTAGE 2017

Am 20. und 21 September finden die Medientage Wien im Erste Campus (Quartier Belvedere) statt. Themen sind u. a. Demokratie und Medien, Digitalisierung, Bewegtbild auf allen Kanälen, Fake News und ein Radiogipfel. Neben dem zuständigen Minister Thomas Drozda sprechen u.a. RTL-Chefin Anke Schäferkordt, Andrew Morse (CNN), Carsten Schmidt (Sky) und Jan Philipp Albrecht (EU-Parlament).


[NUYEC]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2017)