Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Bankräuber: Was sie lieben, was sie hassen

(c) BilderBox (Erwin Wodicka)
  • Drucken

Laut Untersuchung agiert nur jeder Siebente halbwegs professionell. Die meisten Täter wirken amateurhaft, sie haben den Überfall nicht oder nur mangelhaft geplant. Abschreckend wirkt allerdings uniformiertes Wachpersonal an den Eingängen.

WIEN (stög.). Worauf achten Bankräuber, wenn sie ein Geldinstitut überfallen? Diese und andere Fragen über ihre Vorgangsweise stellte Christopher Schlembach, Soziologe im Kuratorium für Verkehrssicherheit, insgesamt 41 verurteilten Tätern. Für seine umfangreiche Studie analysierte er zudem 165 Banken in ganz Österreich auf ihre Maßnahmen in puncto Sicherheit.

Demnach fürchten sich 94 Prozent aller befragten Bankräuber nicht vor den installierten Überwachungskameras. Als Gründe dafür führten sie an, es mangle sowieso an der Bildqualität, außerdem sei ihnen bekannt, dass in vielen Filialen die Positionierung der Kameras schlecht ist. Das Vorhandensein von Alarmpaketen stört auch nicht alle Bankräuber: Jeder zweite Täter beachtet diese Maßnahme nicht. Positiv auf die Täter wirkt sich auch aus, wenn die Geldausgabestelle nahe am Eingang positioniert ist. Denn, so einer der befragten Räuber, „je kürzer der Weg vom Eingang bis zur Kasse, desto besser“. Die Befragung ergab auch, dass es sich beim Großteil der Bankräuber um Personen handelt, die bei ihrer Tat nicht besonders professionell vorgegangen sind. Laut Schlembachs Untersuchung agiert nur jeder Siebente halbwegs professionell. Die meisten Täter wirken amateurhaft, sie haben den Überfall nicht oder nur mangelhaft geplant. Abschreckend wirkt allerdings uniformiertes Wachpersonal an den Eingängen. Das erklärten zwei Drittel der Befragten, vornehmlich „Amateurtäter“. Die 41 bei der Studie befragten Bankräuber erbeuteten durchschnittlich 37.000 Euro.

Was leiten Großbanken aus dieser Befragung ab? Elisabeth Bleyleben-Koren, als Generaldirektorin der Erste-Bank Auftraggeberin der Studie, erklärte am Donnerstag, ihre Bank habe heuer das Sicherheitsbudget um eine Million Euro aufgestockt. Zudem sei besonders viel Geld in den Ausbau der Überwachungkameras investiert worden. Digitalkameras sowie die Überwachung der Zone vor dem Eingang der Bank seien mittlerweile Standard.

 

Weniger Überfälle 2009

Herbert Hangel von der Bank Austria meinte, man arbeite daran, das Bargeld in den Filialen weiter zu reduzieren. Heinz Friedl, Sicherheitsbeauftragter der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien erklärte, „schleusenähnliche Schiebetüren“ würden ebenfalls präventiv wirken.

Herwig Lenz, Experte für Prävention im Bundeskriminalamt, nannte am Donnerstag Zahlen: Demnach wurden 2007 in Österreich 136 Banken und Postämter überfallen, 76 davon in Wien – ein Negativrekord. Bis Anfang Dezember dieses Jahres wurden hingegen in ganz Österreich 94 Geldinstitute überfallen, in Wien 42. „Die Maßnahmen beginnen zu greifen“, meinte Lenz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2009)