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Mehr als 220 Tote nach starkem Erdbeben in Mexiko

Sucharbeiten bei einem eingestürzten Gebäude in Mexiko-Stadt.
Helfer in Mexiko bitten um Stille, um die Verschütteten hören zu können.(c) Imago
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Ein Erdbeben der Stärke 7,1 hat die Millionenmetropole Mexiko-Stadt erschüttert. Gebäude stürzten ein, mit Händen und Schaufeln suchten Helfer unter den Trümmern nach Überlebenden. Beim Einsturz einer Schule starben 21 Kinder.

Gebäude stürzen ein, Menschen werden unter Trümmern verschüttet, die Millionenmetropole Mexiko-Stadt ist paralysiert: Bei einem heftigen Erdbeben der Stärke 7,1 sind in Mexiko mindestens 220 Menschen ums Leben gekommen. Allein in der Hauptstadt Mexiko-Stadt seien mindestens 117 Menschen ums Leben gekommen, hieß es.

Besonders tragisch ist das Schicksal von mindestens 21 Kindern und vier Erwachsenen, die beim Einsturz einer Schule erschlagen wurden. In den Trümmerbergen der Schule "Enrique Rebsamen" haben Helfer in der Nacht auf Mittwoch (Ortszeit) nach Dutzenden verschütteten Kindern und einigen Lehrern gesucht. "Wir schätzen, dass noch zwischen 30 und 40 Menschen in den Trümmern gefangen sind. Wir hören aber Stimmen, einige sind noch am Leben", sagte Marine-Sprecher Jose Luis Vergara dem Fernsehsender "Televisa".

Der Unglücksort im Süden der mexikanischen Hauptstadt wurde in der Nacht auch von Präsident Enrique Pena Nieto besucht, der die Solidarität der Menschen hervorhob. An den Rettungsarbeiten nahmen neben Angehörigen der Feuerwehr, des Zivilschutzes, des Heeres und der Marine auch unzählige freiwillige Helfer teil. Mit Schaufeln, oft aber auch nur mit den Händen, räumten die Rettungskräfte den Schutt weg, um nach Überlebenden zu suchen.

Das Gebäude beherbergte Kindergarten, Volksschule und Gymnasium. Weitere 209 Schulen in Mexiko-Stadt wurden geschlossen, 15 davon hatten laut Behörden schwere Schäden. 

Die Zahl der Toten dürfte noch weiter steigen. Da gerade in der Hauptstadt viele Gebäude eingestürzt sind, wurde mit weiteren Opfern gerechnet. Nach Angaben des Seismologischen Instituts lag das Zentrum bei Axochiapan, rund 130 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Mexiko-Stadt, die eine der größten Metropolen der Welt ist.

In der Ortschaft Atzala im Bundesstaat Puebla starben acht Menschen während einer Taufe. Vom Kirchendach wurde laut dem Portal "La silla rota" auch das wenige Monate alte Mädchen erschlagen, das getauft werden sollte. Auch ihre Mutter und die Taufpaten mit ihren Kindern starben.

Erinnerungen an die Katastrophe vor 1985

Ausgerechnet am Jahrestag des verheerenden Erdbebens von 1985 hatte erneut die Erde in Mexiko-Stadt gebebt. Vor 32 Jahren waren rund 10.000 Menschen ums Leben gekommen. Rund zwei Stunden vor dem heftigen Erdstoß am Dienstag hatten viele Behörden, Unternehmen und Schulen sich noch an der alljährigen Erdbebenübung beteiligt.

Allein in Mexiko-Stadt stürzten 38 Gebäude ein. Betroffen war vor allem das Zentrum mit den touristischen Vierteln. Viele der beschädigten oder eingestürzten Gebäude wurden vor dem Erdbeben 1985 gebaut und entsprachen nicht den später eingeführten strengeren Baunormen. Der Flughafen wurde geschlossen und auf Schäden untersucht. Beschädigte Krankenhäuser wurden evakuiert. Nach Angaben des Elektrizitätsunternehmens CFE waren mindestens 3,8 Millionen Menschen ohne Strom.

Trump: "Gott schütze die Menschen in Mexiko-Stadt"

Mexikos Staatschef Enrique Pena Nieto berief seinen nationalen Krisenrat ein und machte sich im Helikopter ein Bild von den Schäden. "Ich habe angeordnet, dass Scheinwerfer aufgestellt werden, damit wir der ganzen Nacht der Bevölkerung helfen und eventuell noch Menschen aus den Trümmern bergen können", sagte der Präsident.

Papst Franziskus sprach den Opfern der Erdbebenkatastrophe sein Mitgefühl aus. "In diesem Moment des Schmerzes will ich dem ganzen mexikanischen Volk meine Nähe ausdrücken", sagte das Katholiken-Oberhaupt am Mittwoch bei der Generalaudienz in Rom.

US-Präsident Donald Trump schrieb auf Twitter: "Gott schütze die Menschen in Mexiko-Stadt." Man stehe an ihrer Seite. Die EU-Kommission hat angesichts des verheerenden Erdbebens ebenfalls ihr Mitgefühl zum Ausdruck gebracht. "In diesen so schwierigen Umständen fühle ich mich allen Mexikanern sehr verbunden", schrieb Behördenchef Jean-Claude Juncker in einem am Mittwoch in Brüssel veröffentlichten Brief an Präsident Nieto.

Beben der Stärke 8,2 Anfang September

Erst am 7. September waren bei einem Beben der Stärke 8,2 rund 100 Menschen umgekommen, dabei lag das Zentrum aber im Pazifik und war in Mexiko-Stadt längst nicht so stark zu spüren. Danach gab es weit über tausend Nachbeben.

Mexiko befindet sich in einer der weltweit aktivsten Erdbebenzonen. Der Großteil der Landmasse liegt auf der sich westwärts bewegenden nordamerikanischen Erdplatte. Unter diese schiebt sich die langsam nach Nordosten wandernde Cocosplatte. Der Boden des Pazifischen Ozeans taucht so unter die mexikanische Landmasse ab. Das führt immer wieder zu Erschütterungen an der Südküste Mexikos.

(APA/Reuters/dpa)