Korea-Krise: Kim droht USA mit Wasserstoffbombe

Bizarrer Auftritt in Pjöngjang. Bewohner der nordkoreanischen Hauptstadt verfolgen die Fernsehrede von Diktator Kim Jong-un
Bizarrer Auftritt in Pjöngjang. Bewohner der nordkoreanischen Hauptstadt verfolgen die Fernsehrede von Diktator Kim Jong-un(c) APA/AFP/ED JONES

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un stößt wüste Beleidigungen in Richtung des US-Präsidenten aus: Donald Trump sei ein „seniler Greis“, der „mit Feuer gebändigt“ werde.

Tokio. Der verbale Schlagabtausch zwischen Washington und Pjöngjang wird immer hitziger und würdeloser. Nach der Drohung von Präsident Donald Trump vor der UN-Vollversammlung, er werde Nordkorea „total vernichten“, schlug Nordkoreas Diktator Kim Jong-un am Freitag zurück. Über seine Propagandaagentur KCNA höhnte der nordkoreanische Führer: „Ich werde den geisteskranken, senilen Greis sicher und endgültig mit Feuer bändigen.“ Trumps Rede wurde von Nordkorea als „die grimmigste Kriegserklärung der Geschichte“ bezeichnet, die der Chef des Weißen Hauses „teuer bezahlen“ müsse.

Nordkorea droht einmal mehr mit einer „harten Gegenmaßnahme auf höchstem Niveau“. Was damit gemeint sein könnte, präzisierte Außenminister Ri Yong-ho. Südkoreas Nachrichtenagentur Yonhap zitiert Pjöngjangs Chefdiplomaten mit der Aussage, Kim Jong-un ziehe den Test einer Wasserstoffbombe über dem Pazifik in Betracht.

 

Inakzeptable Provokation

Anfang September hatte Pjöngjang bereits den angeblich erfolgreichen unterirdischen Test einer Wasserstoffbombe bekannt gegeben. Zahlreiche Experten bezweifeln jedoch, dass Nordkorea diese komplizierte Technologie tatsächlich so beherrscht, dass ein solcher Versuch auch unter freiem Himmel erfolgreich wäre. Die Welt müsste es aber als inakzeptable Provokation empfinden, mit der Kim Jong-un die nächste rote Linie überschreitet.

Ein derartiger Test würde zugleich auch zeigen, dass Nordkorea nicht einzuschüchtern und von seinem atomaren Bewaffnungsprozess abzubringen ist – weder durch Drohungen noch durch einen Deal.

US-Präsident Trump versucht bisher relativ wirkungslos, die Sanktionsschlinge um seinen Konterpart Kim Jong-un zu legen. Einseitig zogen die USA in dieser Woche die Daumenschrauben gegen Nordkorea an. Die neuen Strafmaßnahmen zielen darauf ab, Pjöngjang wirtschaftlich weiter zu isolieren. „Jede Bank der Welt steht vor einer klaren Entscheidung“, sagte Trump: „Geschäfte mit den USA oder Geschäfte mit Nordkorea.“ Im Klartext: Wer künftig Business mit Pjöngjang betreibt, kann in Amerika nicht mehr straffrei agieren. Die EU-Staaten zogen sofort nach und verständigte sich untereinander auf ein vollständiges Verbot von Investitionen und Ölexporten sowie auf Vermögenssperren und Einreisestopps.

Um die verschärften Sanktionen aber real durchzusetzen, müsste sich die politische Führung in Peking erheblich in Richtung USA und Europa bewegen. Bisher haben die Chinesen einschneidende Maßnahmen gegen Nordkorea stets mit dem Gegenargument der humanitären Auswirkungen verhindert. Nun behauptet Trump, der chinesische Präsident Xi Jinping stünde an seiner Seite und habe die Zentralbank inzwischen beauftragt, alle Banken des Landes aufzufordern, Geschäfte mit Nordkorea unverzüglich einzustellen. Eine Bestätigung aus Peking gibt es dafür aber bisher nicht.

 

Pjöngjang legte Ölreserven an

Bisher ist noch nicht einmal klar, wie China die Sanktionen umsetzen will, die es erst vergangene Woche als ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrats selbst mitbeschlossen hatte. Der kritische Punkt wäre ein vollständiges Ölembargo, was Peking bisher mit Rücksicht auf Nordkoreas Zivilbevölkerung ablehnt. Nordkorea bezieht nach US-Angaben jährlich rund 8,5 Millionen Barrel Öl aus dem Ausland, vor allem aus China und Russland. Das ist die wichtigste Lebensader Pjöngjangs.

Die bisherigen Sanktionen sehen vor, dass ab 1. Oktober bis zum Ende des Jahres nur noch 500.000 Barrel an Nordkorea ausgeliefert werden dürfen. Ab 1. Jänner sind die gesamten Ölimporte auf jährlich zwei Millionen Barrel limitiert. Allerdings hat Pjöngjang bereits riesige Ölreserven angelegt, die selbst bei einem kompletten Stopp für mindestens ein Jahr ausreichen würden.

Es ist zudem ein offenes Geheimnis, dass es Pjöngjang immer wieder gelungen ist Schleichwege zu finden, um mit Hilfe internationaler Geschäftemacher die Sanktionen zu umgehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.09.2017)