Die Ratingagentur Fitch warnt, dass Chinas Banken Kredite auslagern und so den Kreditmarkt anheizen.
wien (ag./red.). Chinas Banken drohen große Kreditrisken, warnt die Ratingagentur Fitch. Die Kreditinstitute transportierten Darlehen über komplizierte Instrumente aus ihren Bilanzen, um so Eigenkapitalvorschriften zu umgehen. Nur dadurch könnten sie weitere Darlehen vergeben, schreibt die Agentur in ihrem aktuellen Report.
Demnach verkaufen Chinas Banken einerseits Darlehen an andere Finanzfirmen, andererseits bündeln sie Kredite und verscherbeln sie als Anlageprodukte an Investoren. Diese Transaktionen würden nicht veröffentlicht, darum könne man das Volumen dieser Geschäfte nicht abschätzen, sagen die Analysten von Fitch.
„Wie die Subprime-Krise“
Wenn Banken Kredite aus ihren Bilanzen verschieben können, erhöhe das die Gefahr, dass zunehmend auch faule Kredite vergeben werden. Das könne zu ähnlichen Zuständen führen, die in den USA die Subprime-Krise ausgelöst haben, heißt es in dem Fitch-Bericht. US-Kreditinstitute haben nämlich nach der Jahrtausendwende Wege gesucht, die Eigenkapitalvorschriften zu umgehen und somit immer mehr Kredite – hauptsächlich Hypothekarkredite – vergeben zu dürfen. Auch an Kunden mit schwacher Kreditwürdigkeit. Dabei haben sie sogenannte Mortgage-Backed-Securities (MBOs) konstruiert. Bei diesen Geschäften wurden Hypothekenkredite gebündelt und als Anleihen an andere Banken, Fonds und Versicherungen verkauft.
Die beteiligten Akteure haben auf eine „Win-Win“-Situation gehofft: Die großen Kreditinstitute konnten Darlehen auslagern und mussten sie daher nicht mit zusätzlichem Eigenkapital besichern. Den Abnehmern dieser Papiere winkten hohe Renditen.
Die Sache kam dann anders. Die Immobilienpreise in den USA brachen zusammen, viele Hausbesitzer konnten ihre Kredite nicht mehr bedienen. Darunter litten große Investmentbanken, denn die MBOs in ihren Büchern waren mehr oder weniger wertlos geworden. Das ist einer der Gründe, warum Lehman Brothers unterging. Dessen Zusammenbruch hat das Vertrauen in die Finanzmärkte geschädigt und die weltweite Krise ausgelöst. Andere große Geldhäuser wie Merrill Lynch oder der Versicherer AIG entgingen dem Abgrund gerade noch, mussten aber astronomische Verluste vermelden.
Chinas Kreditflut
In den vergangenen Monaten haben immer wieder Experten vor einem Kreditproblem Chinas gewarnt. Die kommunistische Regierung hatte Chinas Banken Ende 2008 angewiesen, die Kreditvergabe zu lockern, um die Wirtschaft anzutreiben. Allein im ersten Halbjahr 2009 vergaben die Banken Kredite im Wert von umgerechnet mehr als 600 Mrd. Euro.
Dieses rasante Tempo bei der Kreditvergabe könnte Chinas Finanzmarkt laut Fitch gefährlich werden. Das Tempo der Kreditvergabe wurde im zweiten Halbjahr bereits zurückgefahren, weil sich staatliche Regulatoren besorgt zeigten, dass viele faule Kredite vergeben würden. Trotzdem haben die Geldhäuser von Jänner bis November Darlehen in der Rekordhöhe von mehr als 900 Mrd. Euro zur Verfügung gestellt.
China kämpft nicht das erste Mal mit einem überhitzten Kreditmarkt. Dieses Problem gab es bereits Ende der 90er-Jahre. Damals richtete die Regierung einen staatlichen „Mistkübel“ ein. In diesem lagerten die Institute schlechte Darlehen in Milliardenhöhe aus. Mehr als ein Drittel dieser Kredite wurden Schätzungen zufolge nicht zurückgezahlt.
Die Ratingagentur Fitch warnt bereits, sie könne das Rating von Chinas Banken im nächsten Jahr herabstufen. Den Banken drohen in diesem Fall höhere Refinanzierungskosten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.12.2009)