Übernahme: Favorit Lufthansa schnappt sich Air Berlin

Lufthansa-Boss Carsten Spohr hat mit dem Airline-Konzern noch einiges vor. Jetzt wird einmal Konkurrent Air Berlin integriert.
Lufthansa-Boss Carsten Spohr hat mit dem Airline-Konzern noch einiges vor. Jetzt wird einmal Konkurrent Air Berlin integriert.(c) Bloomberg (Martin Leissl)

Neben der AUA-Mutter kommt nur Easyjet zum Zug. Sie hätten die besten Angebote gelegt. Das bedeutet auch, dass 80 Prozent der 8000 Arbeitsplätze erhalten bleiben könnten.

Berlin/Wien. Am Schluss war es wie auf einem Basar: Ununterbrochen tauchten neue Interessenten auf und überboten sich zum Teil mit Konzepten, die wenig realistisch waren. Gute Ratschläge wechselten mit Schuldzuweisungen, wer denn warum nicht zum Zug kommen dürfe. Alle 15 Bewerber – darunter Exeigentümer, Exmanager und Exindustrielle – rannten gegen den mächtigen Favoriten Lufthansa an, dem sie in seltener Einigkeit ein abgekartetes Spiel vorwarfen.

Nein, wir sind nicht in Italien, und es geht auch nicht um die Alitalia, die nach der erneuten Pleite wieder zum Verkauf steht. Das Szenario spielte sich in den vergangenen Wochen in Deutschland ab. Seit die Air Berlin am 15. August Insolvenz anmeldete, was nach neun Verlustjahren kaum jemand in der Branche überraschte, herrschte ein Hauen und Stechen, das den Südländern alle Ehre gemacht hätte.

Am Schluss blieb die Lufthansa, die sich schon seit dem Frühjahr auf die Übernahme vorbereitet hatte, der Sieger. Daneben wird nur mit der Billigairline Easyjet verhandelt, hieß es am Montag nach der Air-Berlin-Aufsichtsratssitzung. Sie will bis zu 30 Flugzeuge. Bis 12. Oktober soll alles fix sein.

Parallel prüft nun die EU-Wettbewerbsbehörde. Sachwalter Lucas Flöther hofft, dass der Prozess bis Jahresende abgeschlossen ist. Vorwürfe von Mitbietern über einen Einfluss der Politik auf das Verfahren bezeichnete Flöther als „völlig abwegig“. Jene Bieter bekämen den Zuschlag, die „das beste Angebot zugunsten der Gläubiger vorlegen“.

 

Niki-Betriebsrat sieht Chancen

Die Lufthansa hat für bis zu 78 der 144 Flugzeuge von Air Berlin geboten und für die Österreich-Tochter Niki. Inkludiert sind jene 38 Maschinen, die die Lufthansa schon im Jänner übernommen hat (fünf hat die AUA erhalten). Der Kaufpreis, der am Montag nicht genannt wurde, soll 200 Mio. Euro betragen. Eine Überbrückungshilfe von 100 Mio. Euro soll den Flugbetrieb bis zum Abschluss des Verkaufs aufrechterhalten. Ein stabiler Flugbetrieb sei in den nächsten Wochen Grundvoraussetzung für den Erfolg, warnte Generalbevollmächtigter Frank Kebekus.

Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits wertet die Entscheidung positiv: „Die Lufthansa ist stark und bietet Chancen“, sagte er zur „Presse“. Er könne damit leben, wenn die Marke Niki verschwände und Niki in die Lufthansa-Billigtochter Eurowings integriert würde. „Wichtig ist, dass die meisten der 1000 Jobs erhalten bleiben und fast alle 21 Flieger nach Wien zurückkommen.“ Derzeit sind nur fünf Maschinen in Wien stationiert.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann, der im Februar von der Lufthansa zur maroden Airline wechselte und als „Statthalter“ galt, betonte, man werde nicht alle 8000 Arbeitsplätze erhalten können. 80 Prozent der Belegschaft hätten aber gute Chancen. Eurowings hat noch am Montag 1000 Stellen ausgeschrieben. Für aktive Crews der Air Berlin gelte wegen ihrer Erfahrung und des hohen Sicherheitsstandards im Flugbetrieb ein verkürztes Auswahlverfahren, hieß es.

Mit dem Verkaufserlös von geschätzt bis zu 350 Mio. Euro ist die Chance hoch, den Staatskredit von über 150 Mio. Euro zurückzuzahlen. Ohne dieses Geld hätte man den Flugbetrieb kurz vor dem Insolvenzantrag einstellen müssen, sagte Winkelmann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.09.2017)