Nordkorea: Otto Warmbiers Eltern schildern Details seiner Folter

Der 22-Jährige verstarb nach seiner Auslieferung in die USA.APA/AFP/KCNA/KCNA VIA KNS

Ihr Sohn sei "systematisch gefoltert" worden, sagen die Eltern des nach seiner Haft in Nordkorea verstorbenen US-Studenten. Erstmals sprechen sie über seinen Zustand.

Die genauen Umstände des Todes von Otto Warmbier werden wohl nie ans Tageslicht kommen. Doch die Version Nordkoreas, dass der US-Student während seiner 17-monatigen Haft in einem nordkoreanischen Arbeitslager an einer Lebensmittelvergiftung starb, ist kaum haltbar: Erstmals nach dem Tod des 22-Jährigen meldeten sich am Dienstag seine Eltern Fred und Cindy Warmbier öffentlich zu Wort.

Sein Sohn sei "systematisch gefoltert" worden, sagte der Vater in einem Interview mit dem US-Sender Fox News. Sein Mund habe ausgesehen, als habe ihm jemand mit einer Zange die Zähne aus dem Unterkiefer gezogen. Nordkorea stelle sich als Opfer dar, doch in Wahrheit seien sie Terroristen: "Sie haben Otto gekidnappt. Sie haben ihn gefoltert. Sie haben ihn willentlich verletzt."

Als sie ihn am Flughafen in Cincinnati in Empfang nahmen, haben sie Otto blind und taub im Wachkoma vorgefunden, erzählten die Eltern. Er habe geheult, "unmenschliche Laute" von sich gegeben, "ausdruckslos" in den Raum gestarrt und "wild gezuckt". Seine Arme und Beine seien deformiert gewesen.

Ottos Mutter und Schwester hätten seinen Anblick nicht ertragen: Sie hätten das Flugzeug sofort wieder verlassen, als sie ihn das erste Mal nach seiner Auslieferung sahen, schilderte Fred Warmbier. "Wir waren nicht vorbereitet", sagte Cindy Warmbier im Interview. "Keine Mutter, kein Elternteil sollte so etwas durchmachen."

Trump droht mit Militärintervention

Otto Warmbier war im März 2016 in Nordkorea zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden, weil er in einem Hotel ein Propagandaposter gestohlen hatte. Kurz nach seiner Inhaftierung fiel er ins Koma, aus dem er nicht mehr erwachte. Das Regime ließ den Studenten im Juni aus "humanitären Gründen" frei. Kurz nach seiner Ankunft in den USA starb der 22-Jährige. Seine Eltern verweigerten eine Obduktion des jungen Mannes.

Pjöngjang hatte die Foltervorwürfe stets zurückgewiesen. Er sei an der Lebensmittelvergiftung Botulismus erkrankt und nach Einnahme einer Schlaftablette nicht mehr aufgewacht, lautet die offizielle Version des Regimes. Mediziner in den USA konnten diese Erklärung nicht bestätigen. Sie machten einen Sauerstoffverlust im Gehirn für den Zustand des Studenten verantwortlich.

Einmal mehr drohte US-Präsident Donald Trump Nordkorea am Dienstag mit einem Militäreinsatz. Die USA seien auf eine militärische Intervention vorbereitet. Diese sei jedoch nicht die erste Wahl, um den Streit über das nordkoreanischen Atom- und Raketenprogramm zu lösen, sagte Trump. Bislang haben die USA nach den Worten von Generalstabschef Joseph Dunford keine Veränderung der militärischen Lage festgestellt, die auf eine erhöhte Bedrohung durch Nordkorea hindeuten könnte. Ein südkoreanischer Parlamentsabgeordneter hatte erklärt, der Norden habe seine Verteidigungspositionen an der Ostküste verstärkt.

"Verheerend für Nordkorea"

Sollten die USA die militärische Option ziehen, werde es "verheerend für Nordkorea" sein, sagte Trump. "Wenn wir sie ziehen müssen, werden wir es tun." Die Kriegsrhetorik von Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat sich in den vergangenen Tagen immer weiter hochgeschaukelt. Zuletzt drohte Nordkoreas Außenminister Ri Yong Ho mit einem Abschuss amerikanischer Langstreckenbomber, da die USA dem kommunistischen Land den Krieg erklärt hätten.

In US-Regierungskreisen hieß es, auf Satellitenbildern sei zu erkennen, dass eine kleine Zahl von nordkoreanischen Militärflugzeugen an die Ostküste gebracht worden sei. Dies ändere jedoch nichts an der Einschätzung der militärischen Lage.