Bawag: Aus dem Dunkel der Krise ans Licht der Börse

Die Bawag kann sich wieder sehen lassen, nicht nur an ihrem Hauptsitz (der Postsparkasse Otto Wagners). Aber reicht das für einen Börsenerfolg?
Die Bawag kann sich wieder sehen lassen, nicht nur an ihrem Hauptsitz (der Postsparkasse Otto Wagners). Aber reicht das für einen Börsenerfolg?(c) REUTERS (Heinz-Peter Bader)
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Es ist offiziell: Die ehemalige Gewerkschaftsbank geht noch heuer in Wien an die Börse. Die US-Investoren trennen sich damit von einem Teil ihrer Anteile. Sie übergeben ein radikal saniertes Geldhaus – mit unklarer Wachstumsperspektive.

Wien. Hochstimmung ist am ausgetrockneten Börseplatz Wien ein selten gewordenes Gefühl. Endlich gibt es nun wieder Anlass für Jubel – oder zumindest für Erleichterung: Die Bawag geht hier und nicht in Frankfurt oder anderswo an die Börse. Am Mittwoch gab die frühere Gewerkschaftsbank erste Details des Listings bekannt, das noch in diesem Herbst erfolgen soll: Es gibt keine Kapitalaufstockung, die bestehenden Eigentümer – die US-Finanzinvestoren Cerberus und Golden Tree – verkaufen einen Teil ihrer Anteile. Wie berichtet, dürften sie sich von 20 bis 30 Prozent trennen. Da die Ex-Krisenbank auf rund fünf Mrd. Euro bewertet werden soll, ergibt sich ein Platzierungsvolumen von bis zu 1,5 Mrd. Euro.

Für einen Privat Equity-Fonds hat sich Cerberus, der das schwer angeschlagene Institut vor zehn Jahren um 3,3 Mrd. Euro zu 90 Prozent übernahm, ungewöhnlich lange mit dem (Teil-)Exit Zeit gelassen. Nach der Hereinnahme von Golden Tree im Jahr 2012 hält der Fonds heute noch 54 Prozent. Es lässt sich zwar nicht so leicht sagen, wie viel Profit sich mit dem Börsengang einstreifen lässt, weil die Fonds im Lauf der Zeit das Kapital erhöht und Gewinne entnommen haben. Aber das Abenteuer in der Ferne hat sich für die Investoren bisher auf jeden Fall gelohnt.

Das viertgrößte heimische Geldhaus ist nämlich kaum noch wiederzuerkennen: Die Kosten sind dank unüblich strenger Disziplin fest im Griff, die Erträge stimmen auch im margenarmen Privatkundengeschäft, und dank einer Kernkapitalquote von 15,5 Prozent hat die Bawag ein solideres Fundament als die meisten anderen Banken in Europa. Aber mit der radikalen Sanierung ist die Erfolgsstory vorerst fertig erzählt, weshalb die Zeit für einen schrittweisen Abschied mehr als reif erscheint.

Eine Milliarde für Zukäufe

Durch das konservative Geschäftsmodell fehlt es an Fantasie für die Zukunft. Aus Osteuropa, das sich nach Jahren der Krise wieder stark entwickelt, hat sich das Management zurückgezogen. Das mit Banken und ihren Filialen überreich gesegnete Österreich ist weitgehend ausgereizt. Die Expansion soll weiterhin in Richtung Westen erfolgen und sich im Wesentlichen auf die deutschsprachigen Länder beschränken. Sonderlich ergiebig ist sie bisher nicht verlaufen: Aus dem Kauf der deutschen Postbank wurde nichts, im Netz landeten bisher nur kleinere Fische, wie zuletzt die Südwestbank aus Stuttgart.

Als breitere Plattform soll künftig die Tochter Easybank dienen, weil im Onlinegeschäft bessere Margen zu erzielen sind. Auf jeden Fall ist man bereit, Geld in die Hand zu nehmen: eine Milliarde Euro – und dafür das Kernkapital auf die vom Regulator als Minimum geforderten zwölf Prozent schrumpfen zu lassen. Wenn sich keine geeigneten Übernahmekandidaten finden lassen, soll das „Überschusskapital“ den Aktionären zugute kommen. Ein anderes Versprechen an die neuen Anteilseigner ist schon fix geplant: Jedes Jahr erhalten sie die Hälfte des Nettogewinns als Dividende.

Solche Zusagen versüßen auch einige handfeste Risken. Da wäre einmal das Swap-Geschäft mit der Stadt Linz, über das seit Jahren vor Gericht gestritten wird. Die Forderung der Bawag von über 600 Mio. Euro dürfte so nicht zu realisieren sein – im Vorjahr erklärte der Richter einen Vergleich über 200 bis 300 Mio. für angemessen.

Ein weiteres Fragezeichen steht über den gemeinsamen Filialen mit der Post. Bei der Vertriebskooperation hängt der Haussegen schief, vor allem die Höhe der Provision sorgt für Zwietracht. Mit Ende dieses Jahres können beide Seiten den Vertrag kündigen, die Post sieht sich schon nach Alternativen um. Allerdings ist die Nachlauffrist mit drei Jahren großzügig bemessen – solange wird es die Ko-Filialen jedenfalls noch geben.

Unsicheres London-Geschäft

Und schließlich hängt noch etwas Nebel über der Themse: In London hat sich die Bawag an „internationales Geschäft“ herangewagt, dem Vernehmen nach auch mit riskanten Produkten im Investmentbanking, die viel einbringen. Als Geschäftspartner dienten dabei angeblich zum Teil die Eigentümer selbst. Wenn diese sich schrittweise zurückziehen, könnte hier ein Ertragsbringer wegfallen.

Die erwartete Bewertung von fünf Milliarden entspricht gut dem Eineinhalbfachen des Bilanzansatzes. Angesichts der guten Ertragslage erscheint sie dennoch nicht überzogen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis wäre leicht besser als bei Erste Group und Raiffeisen. Es bestehen also Chancen für einen erfolgreichen Börsegang. Den Eigentümern wäre nicht nur zu gratulieren, sondern auch zu danken: Sie haben der Republik 2007 eine schwere Bürde abgenommen und geben dem Finanzmarkt ein hoch solides Geldhaus zurück. (gau)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2017)

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