Bawag ist so viel wert wie die Telekom Austria

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Die frühere Gewerkschaftsbank wird mit einer voraussichtlichen Bewertung von fünf Milliarden Euro zu den Schwergewichten an der Wiener Börse gehören. Die Aufnahme in den ATX ist so gut wie fix.

Wien. Mit einer voraussichtlichen Bewertung von fünf Milliarden Euro wird die Bawag zu den wichtigsten Unternehmen an der Wiener Börse gehören. Platzhirsch bei der Marktkapitalisierung ist derzeit der Öl- und Gaskonzern OMV mit 16,2 Milliarden Euro, gefolgt von der Erste Group mit 15,4 Milliarden Euro. Die Raiffeisen Bank International schafft es mit 9,3 Milliarden Euro auf den dritten Platz. Auf Rang vier liegt die Voestalpine mit 7,6 Milliarden Euro, dahinter kommt der Energiekonzern Verbund mit 6,9 Milliarden Euro.

Mit geschätzten fünf Milliarden Euro ist die Bawag so viel wert wie die Telekom Austria (5,07 Milliarden Euro) und der steirische Maschinenbauer Andritz (5,05 Milliarden Euro).

Deutlich überholen wird die frühere Gewerkschaftsbank den Baukonzern Strabag (vier Milliarden Euro), die Vienna Insurance Group (3,2 Milliarden Euro), die Uniqa-Versicherung (2,7 Milliarden Euro), den Flughafen Wien (2,7 Milliarden Euro) und die Österreichische Post (2,6 Milliarden Euro). Auch wenn bei der Bawag zunächst nur 20 bis 30 Prozent der Anteile an die Börse kommen werden, ist die Aufnahme in den Wiener Leitindex ATX so gut wie fix.

Bawag ist anders als Raiffeisen

Internationale Analysten haben in der Vergangenheit die Bankenlastigkeit des ATX kritisiert. Dies wird sich mit der Bawag weiter erhöhen. So sind die Banken mit 28 Prozent schon jetzt die am stärksten vertretene Branche im ATX. Allerdings unterscheidet sich die Bawag ganz klar von der Erste Group und der Raiffeisen Bank International. Denn im Gegensatz zur Konkurrenz hat die Bawag in den vergangenen Jahren ihre Tochterbanken in Osteuropa (Ungarn, Tschechien) verkauft. Ihr Wachstumsfokus liegt auf Österreich und Deutschland.

Mit dieser Strategie will die Bawag vor allem bei internationalen Anlegern punkten, denen die Märkte in Osteuropa noch immer zu riskant sind.

Für die Wiener Börse ist die Bawag ein Hoffnungsschimmer. Denn der heimische Handelsplatz leidet unter Ausdünnung. So wird der Feuerfesthersteller RHI künftig in London notieren. Verschwunden ist der Online-Anbieter Bwin, der sich mit dem britischen Konkurrenten Partygaming zusammenschloss. Die Firma wird seitdem von London aus geleitet. Auch die Aktien des Biotechkonzerns Intercell, der 2013 mit der französischen Vivalis fusionierte, gibt es nicht mehr. Die Papiere des in Valneva umbenannten und seither in Lyon beheimateten Unternehmens sind zwar nach wie vor in Wien erhältlich. Die Hauptbörse ist jedoch Paris.

Zuletzt gab es mit der Strabag vor zehn Jahren einen vergleichbar großen Konzern, der den Schritt an die Wiener Börse wagte (siehe Grafik). Die Marktkapitalisierung der Strabag ist seitdem jedoch gesunken. Die anderen Börsegänge der vergangenen Jahre waren deutlich kleiner. Beim Börsegang der FACC lag der Marktwert bei 435 Millionen Euro. Bei der Abspaltung der Buwog von der Immofinanz ging es um 1,388 Milliarden Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2017)

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