Merkel und die Piraten aus "Fluch der Karibik"

Das aktuelle Cover der "Zeit"
Das aktuelle Cover der "Zeit"Die Presse

Die "Zeit" hat am Cover ihrer jüngsten Ausgabe die Köpfe der Kanzlerin und der Parteichefs einer Jamaika-Koalition auf die Crew des Film-Blockbusters montiert.

Die Möglichkeit einer so genannten Jamaika-Koalition beflügelt die Fantasie der deutschen Medienszene. Metaphern über Rastafaris, Rastalocken, Reggae, Rum und Marihuana sind zwischen Nordsee und dem Karwendelgebirge gerade ganz hoch im Kurs. Womöglich haben einige dieser Substanzen und der Bob-Marley-Sound in der Redaktionskonferenz der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" auch die jüngste Wortschöpfung hervorgebracht - dort, wo jahrzehntelang die Mentholzigaretten des Herausgebers Helmut Schmidt glimmten und die Teilnehmer einqualmten.

Giovanni di Lorenzo, der "Zeit"-Chefredakteur enthüllte in der ARD-Talkshow seiner engen Freundin Sandra Maischberger am späten Mittwochabend die Titelgeschichte der jüngsten Ausgabe unter der Schlagzeile "Fluch der Karibik". Die Assoziation zur Blockbusterserie lag nahe: Angela Merkel als Oberpiratin mit Augenklappe und Säbel in der Johnny-Depp-Rolle des Jack Sparrow, Horst Seehofer als einarmiger Bandit und Bösewicht Hector Barbossa - und daneben noch Cem Özdemir und Christian Lindner als grüne und gelbe Paradiesvögel.

Inspiriert durch Keith Richards

Es geht darin um die Schwierigkeiten einer Koalition zwischen so ungleichen Partnern wie der CSU und den Grünen und Konkurrenten wie den Liberalen und den Grünen, die einander lange spinnefeind waren. Edmund Stoiber und Guido Westerwelle galten einst als Lieblingsfeinde der Ökopartei. Mittlerweile sind die beiden Parteichefs Lindner und Özdemir Duzfreunde, und in Schleswig-Holstein haben sich die dortigen Parteivorsitzenden Wolfgang Kubicki und Robert Habeck angefreundet.

Ausgerechnet an der rauen Nordsee herrschen Karibik-Gefühle. Jamaika an der Waterkant: Im hohen Norden Deutschlands steht seit wenigen Monaten das Bündnis zwischen CDU, Grünen und der FDP auf dem Prüfstand. Politische Avantgarde war indessen das kleinste Flächenbundesland an der Grenze zu Luxemburg und Frankreich: Im Saarland machte CDU-Ministerpräsident Peter Müller 2009 die Probe aufs Exempel, als er die CDU mit der FDP und den Grünen zusammenspannte.

Was Merkel mit Sparrow und dessen Darsteller Johnny Depp zu tun hat, erschließt sich indessen nicht auf den ersten Blick - zumal die Figur des Seeräubers auf Keith Richards basiert, einen der beiden Ober-Rolling-Stones. Depp ließ sich in der Darstellung von Richards insprieren, der zusammen mit seinem Bandzwilling Mick Jagger anno 1973 den Song "Angie" komponierte, den Merkel als Intro-Gag in Wahlkämpfen eingesetzt hatte.

Bis eine Jamaika-Koalition in Berlin regieren wird, wird indessen viel Wasser die Spree hinunterfließen - und vielleicht werden Alkohol und illegale Substanzen bei der schwierigen Geburt der Koalitionsbildung nachhelfen. Horst Seehofer wird wohl eher zum Weißbier greifen. Cem Özdemir, ein potenzieller Nachfolger Joschka Fischers als Außenminister, posierte einst neben einer Hanfpflanze am Balkon.