Linksterrorismus. Gibt es vierzig Jahre nach dem Deutschen Herbst wirklich noch immer so viele blinde Flecken rund um die RAF, dass man damit mehr als 400 Seiten füllen kann? Ein neues Buch gibt Auskunft.
Spätestens seit 2001 ist der Terror zu einer furchterregenden Konstante geworden. Vollzog sich so etwas wie der sogenannte Deutsche Herbst im Jahr 1977 mit den Morden der Roten Armee Fraktion (RAF) in einem trotz aller Schrecklichkeit überschaubaren Rahmen, erleben wir vierzig Jahre später ein Kontinuum von Anschlägen. Allein, was im Sommer 2016 in Nizza passierte und 86 unschuldige Menschen das Leben kostete, stellt die Zahl der Opfer in der Zeit der RAF weit in den Schatten.
RAF-Experte Wolfgang Kraushaar, unbestritten einer der besten Kenner des deutschen und internationalen Linksterrorismus, weist in seinem neuen Buch die vielfach angestellte Parallelität zwischen dem aktuellen, religiös begründeten und dem alten, politisch gerechtfertigten Terror vehement zurück. Die mörderischen Gewaltphänomene hätten nichts miteinander zu tun.