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Heilung durch Pflanzen: „Chefchemiker“ der Welt

(c) TEM-Akademie
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Diagnose mit „unbewaffnetem“ Auge, pflanzliche Heilmittel und maßgeschneiderte Therapie für den Einzelnen zeichnen die Traditionelle Europäische Medizin aus.

Kennen Sie TEM? Die traditionelle europäische Medizin ist hierzulande noch eher wenig bekannt – im Unterschied zur aus der Ferne stammenden TCM, der traditionellen chinesischen Medizin also. Beiden gemeinsam: Krankheiten respektive gesundheitliche Störungen rückt man in erster Linie mit pflanzlichen Heilmitteln zu Leibe. „Pflanzen sind die Chefchemiker der Welt“, sagt Helmut Olesko, der im Jahr 2007 die Akademie für traditionelle europäische Medizin mitbegründet hat. Hier werden vor allem Ärzte, Apotheker und Therapeuten ausgebildet.

„Hauptziel ist es, Wissen über die alten traditionellen Heilmethoden zu erhalten, zu sichern und weiterzugeben.“ Wissen, das bislang im alpenländischen Raum von Arzt zu Arzt, von Apotheker zu Apotheker, von Großmutter zu Mutter zu Tochter weitergegeben wurde, das aber allmählich in Vergessenheit gerät. Weil die Generation der TEM-kundigen Alten langsam ausstirbt.

 

„Wo bleibt der Respekt?“

Olesko: „Zudem droht pflanzlichen Heilmitteln große Gefahr von der EU.“ Eine neue Richtlinie macht der in Österreich bestehenden Möglichkeit einer vereinfachten Zulassung von bewährten pflanzlichen Arzneimitteln den Garaus und schreibt enorme Auflagen vor, sodass eine Registrierung als Arzneimittel künftig nur noch erschwert möglich sein wird. „Damit sind alle Dinge, die jetzt auf dem Markt sind, tot. Wo bleibt der Respekt vor der traditionellen Medizin?“, fragt Olesko und befürchtet einerseits, dass die Gesetzesnovelle das über die Volksheilkunde gesammelte Wissen über pflanzliche Wirkstoffe aus den Apotheken verdrängt. Zum anderen könnten pflanzliche Heilmittel in den Graubereich zwischen Kosmetik, Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittel abgedrängt werden.

 

Wacholderbeeren entgiften

Drei Beispiele aus dem reichhaltigen Medizinschrank der Natur Europas: „Wenn vor allem ältere Leute zu wenig Verdauungshitze und daher Probleme mit der Verdauung haben, ist Meisterwurz ein gutes Gegenmittel“, rät Experte Olesko, der sich seit knapp 40 Jahren mit traditionellen Heilpflanzen beschäftigt. Meisterwurz gibt es als Tee, Pulver, Tinkturen und – als Schnaps. „Der ist supergesund“, lächelt der Fachmann, „freilich nur in moderaten Mengen.“

Fieber sollte man nicht von vorneherein mit einem Antibiotikum bekämpfen, „der Körper ist kein Schlachtfeld, in dem es ums Killen geht.“ Besser sei ein pflanzliches Mittel, das stark antibakteriell wirke, „mit Weidenrinde kann ich gegen Fieber viel eleganter vorgehen als mit einer chemischen Keule.“

Gegen Fieber und Erkältungskrankheiten sei auch der Purpursonnenhut ein probates Mittel. „Er stärkt das Immunsystem und wirkt bei Infektionen aller Art.“ Zudem habe er entzündungshemmende und schweißtreibende Wirkung. Mitunter, so Olesko, sei aber schon das Essen von Gemüse und Obst so etwas wie Medizin. „Wacholderbeeren im Sauerkraut etwa entgiften über Leber und Niere und nehmen Blähungen.“ Für den Winter seien besonders Wurzeln angeraten, „weil sich die Kraft der Pflanze in der kalten Jahreszeit in die Wurzel zurückzieht.“ Auch Kraut und Kohl seien gesundheitsfördernde Wintergemüse. Diäten haben in der TEM übrigens keine überwältigende Bedeutung. „Ein gesunder Mensch verträgt im Prinzip alles.“ Und bei Kranken rät die europäische Medizin nicht prinzipiell zu einem bestimmten Mittel, „sondern man schaut sich die Einzelperson ganz genau an. Dem einen wird man Fleischkonsum empfehlen, dem anderen vielleicht eher davon abraten. Das wird von Fall zu Fall verschieden sein.“ Wie auch Alkohol oder Zigaretten nicht jedem Menschen gleich stark schaden. „Es gibt Raucher, die werden 100 und solche, die mit 40 ihren Lungenkrebs haben.“

Für die personalisierte und maßgeschneiderte Medizin für jeden einzelnen Patienten ist die Diagnose mit „unbewaffnetem“ Auge eine der Voraussetzungen. Olesko: „Man versucht ohne technische Hilfsmittel zu ergründen, was dem Menschen fehlt. Das erfordert viel genaueres Hinsehen, viel mehr Beschäftigung mit dem und viel konkreteres Eingehen auf den Patienten. Ärzte, die vorwiegend nur noch in den Computer schauen, liefern viele Fehldiagnosen.“

Noch vor 40 Jahren, so der 68-Jährige, hätte jeder Arzt auch bei uns sieben verschiedene Pulse unterscheiden können, das war Teil des Gesundheitsstudiums. Genauso wie die Beurteilung des Zungenbelags, des Harns, der Augen, der Haut – all das mit „unbewaffnetem“ Medizinerauge.

 

Patientenfreundlicherer Weg

Durch das genaue Hinsehen, so der Fachmann, könnten etliche Krankheiten frühzeitig erkannt werden, manche so früh, dass man sie mit natürlichen Mitteln im Keim ersticken könne, dass sie gar nicht zum Ausbruch kämen. „Prinzipiell“, so Olesko abschließend, „sieht die TEM den ganzen Menschen, und nicht nur, wie die Schulmedizin, eine bestimmte Funktion, ein bestimmtes Organ. Der TEM geht es darum zu heilen und nicht nur darum, Patienten in einen erträglicheren Zustand zu versetzen; sie beispielsweise zwar von neuropathischen Schmerzen zu befreien, aber mit dem Preis dauernder Übelkeit und erhöhter Sturzgefahr.“

Da hat die klassische Medizin dann oft nur ein Achselzucken übrig und die lapidare Antwort: „Schmerzen oder Übelkeit, Sie müssen sich entscheiden.“ Die TEM will da einen patientenfreundlicheren, um nicht zu sagen humaneren Weg gehen.

www.tem-akademie.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.12.2009)