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Las Vegas: Polizei bestätigt mehr als 50 Tote nach Schüssen aus Hotelzimmer

Aus dem 32. Stock des Mandalay Bay Hotels in Las Vegas schoss Stephen Paddock auf Konzertbesucher.
Aus dem 32. Stock des Mandalay Bay Hotels in Las Vegas schoss Stephen Paddock auf Konzertbesucher.APA/AFP/GETTY IMAGES/David Becke
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Ein 64-Jähriger schoss aus dem 32. Stock eines Hotels in die Menge eines Countrymusik-Festivals - laut Zeugen Hunderte Male. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamiert die Tat für sich. Präsident Trump spricht von einer Tat des "puren Bösen".

Bei einem Angriff auf ein Konzert in Las Vegas am späten Sonntagabend tötete ein Mann mehr als 50 Menschen, Montagabend unserer Zeit stieg die Zahl auf 58. Noch mindestens zwölf der 515 Verletzten befänden sich in kritischem Zustand. Nie zuvor in der Kriminalgeschichte der USA kamen bei einem derartigen Verbrechen mehr Menschen ums Leben.

Der Schütze feuerte um kurz nach 22 Uhr Ortszeit (7 Uhr mitteleuropäischer Zeit) vom 32. Stockwerk eines Hotels an der berühmten Casino-Meile aus auf Besucher eines Konzerts. "Wir glauben, dass er sich selbst das Leben genommen hat, bevor wir eingedrungen sind", beschrieb Bezirkssheriff Joseph Lombardo die Szene am Montag. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" reklamierte die Tat per IS-Nachrichtenagentur Amaq für sich. Der Schütze sei vor einigen Monaten zum Islam konvertiert und ein "Soldat" des Islamischen Staates gewesen. Die US-Bundespolizei FBI sieht nach ersten Erkenntnissen keine Verbindung zu einer international agierenden Terrororganisation. Auch Sheriff Lombardo äußerte sich abwartend: "Bis wir das sicher einordnen können, wird eine Frage der Ermittlungen sein."

Stephen Paddock, wohnhaft in Mesuite, Nevada

Bei dem Täter soll es sich um den 64-jährigen Stephen Paddock handeln. In dem Hotelzimmer wurden zehn Gewehre gefunden. Paddock soll am 28. September im Mandalay Bay Hotel eingecheckt haben. Nach dem Blutbad hatte die Polizei nach der Lebensgefährtin des Schützen gefahndet. Nun erklärten die Ermittler, die Frau sei "im Ausland" ausfindig gemacht worden. "Wir haben mit ihr gesprochen und denken nicht, dass sie beteiligt war", sagte Lombardo. Die Frau soll gemeinsam mit Paddock in einem Haus in Mesquite gewohnt haben, 80 Kilometer nordöstlich von Las Vegas.

US-Präsident Donald Trump trat kurz vor 11 Uhr Washingtoner Zeit (17 Uhr MESZ) vor die Presse und hielt eine kurze, sehr ruhige und verbindende Rede. Er nannte den Angriff eine Tat des "puren Bösen". Die Geschwindigkeit, mit der die Einsatzkräfte reagierten, hätten viele Leben gerettet. Er und Melania würden für die Opfer und deren Familien beten. "Amerika kommt zusammen als eine Einheit und hat das immer getan." Er selbst werde am Mittwoch Las Vegas besuchen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Trump ordnete an, die Flaggen auf den öffentlichen Gebäuden des Bundes zum Zeichen der Trauer auf Halbmast zu setzen. 

"Im Moment glauben wir an eine Einzeltat, einen 'einsamen Wolf'", sagte Sheriff Joe Lombardo. Die Behörde rief die Menschen in der Nacht auf Montag dazu auf, die Gegend nahe der bekannten Casino-Meile und dem Flughafen zu meiden.

US-Präsident Donald Trump hat den Opfern und Hinterbliebenen per Twitter sein Mitgefühl ausgesprochen und kondoliert. Trump schrieb von einer "schrecklichen Schießerei". Der Präsident endete seinen Tweet mit "Gott schützte Euch".

Schüsse "wie Feuerwerk"

Die Schüsse des Angreifers trafen Besucher des Country-Musik-Festivals "Route 91 Harvest", nahe des Mandalay Bay Casinos. Zeugen berichten etwa auf CNN von vielen Schüssen - wie "Feuerwerk", wie "Maschinengewehre". Es seien "Hunderte Schüsse" gefallen. Die Konzertbesucherin Cari Copeland Pearson sagte: "Wir krochen über Tote." Sie habe viele Schüsse gehört, vermutlich aus einem automatischen Gewehr. Zahlreiche Menschen hätten blutüberströmt am Boden gelegen, sagte ein junger Mann dem Sender CNN.

Das dreitägige Festival, bei dem über das Wochenende zahlreiche Country Acts auftraten, fand zum ersten Mal statt, berichtete das Magazin "Rolling Stone". Abgehalten wurde das Festival auf am südlichen Ende des Vegas Strip auf einem ehemaligen Parkplatz. 30.000 Besucher fasst das Gelände. Es spielte gerade Jason Aldean als letzter Act des Abends, als die Schüsse fielen. 30 Sekunden lang soll es nach den ersten Schüssen gedauert haben, bis die Musiker die Gefahr bemerkten und zu spielen aufgehört haben. Aldean sprach auf Instagram von einem "Abend jenseits von entsetzlich".

"Musste nur auf die Mitte zielen"

Der Todesschütze konnte einem Experten der US-Bundespolizei FBI zufolge so viele Menschen töten, weil er aus einer erhöhten Position heraus schoss. Da rund 30.000 Menschen auf engem Raum zusammengestanden hätten, "musste er nur auf die Mitte zielen und den Abzug drücken", sagte James Gagliano, FBI-Agent im Ruhestand, dem Sender CNN.

Zudem habe die Position des Schützen Verwirrung und Panik in der Menschenmenge verursacht. Wenn ein Schütze aus einer erhöhten Position schieße, "weiß niemand, wo die Schüsse herkommen", sagte Gagliano. "Menschen sind nicht darauf trainiert, nach oben zu schauen."

Als Waffe habe der Täter vermutlich ein Maschinengewehr oder eine andere militärische Waffe benutzt, sagte der FBI-Fachmann weiter. Darauf deuteten die Schussgeräusche hin, die auf Videos vom Tatort zu hören gewesen seien.

Der österreichische Psychiater Reinhard Haller nennt den Täter einen "Massakristen", der möglicherweise aufgrund einer psychischen Störung oder der Rache an einer "heilen Welt" in die Menge schoss.

(APA/Reuters)