Moody's verliert einen Großinvestor

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USA BURLINGTON NORTHERN(c) EPA (LARRY W. SMITH)
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Warren Buffet zieht sich schrittweise aus der Ratingagentur Moody's zurück. Der Investor ist gerade dabei, die texanische Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe zu kaufen.

new York (Bloomberg). Ratingagenturen haben es auch nicht mehr leicht: Zuerst haben sie ihre Reputation durch grauenhaft falsche Bewertungen zu Beginn der Finanzkrise verspielt, dann sind konsequenterweise ihre Börsenotierungen stark gefallen. Und jetzt springen auch noch Großinvestoren ab: Warren Buffet, präziser gesagt dessen legendäre Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, zieht sich jetzt schrittweise aus der Ratingagentur Moody's zurück.

In den vergangenen Tagen hat Buffett knapp 89.000 Moody's-Aktien auf den Markt geworfen. Das sechste Aktienpaket seit Juni. Buffett ist zwar mit 34 Prozent noch immer größter Investor, es gilt aber als sicher, dass er den schrittweisen Ausstieg fortsetzt. Möglicherweise bis zum bitteren Ende.

„Aufgeblasene Benotungen“

Berkshire war im Jahr 2000 bei dem Ratingunternehmen eingestiegen. Der Wert der Beteiligung hat in den Folgejahren stark zugenommen und 2007 den Spitzenwert von 3,5 Mrd. Dollar erreicht. Danach war der Kurs des vor rund einem Jahrhundert gegründeten Unternehmens auf die Hälfte gesunken. Dazu beigetragen hat die Kritik, der sich das Unternehmen stellen muss: Moody's, so heißt es, habe die Rezession durch „künstlich aufgeblasene Benotungen“ während des US-Immobilienbooms letztendlich verschärft. Das Ansehen der Firma habe darunter sehr gelitten.

Und: Moody's muss sich jetzt auch noch mit Klagen herumschlagen: Der Generalstaatsanwalt von Ohio, Richard Cordray, hat für fünf bundesstaatliche Rentenfonds Klage eingebracht. Der Vorwurf: Falsche Bewertungen hätten den Rentenfonds einen Schaden von 457 Mio. Dollar verursacht.

Buffett, der aus Berkshire Hathaway ein 150-Mrd.-Dollar-Unternehmen gemacht hat, zieht sich nicht leichtfertig aus Aktienengagements zurück. Seine Anlagephilosophie beruht auf dem „unbegrenzten Halten“ von fundammental guten Aktien. Hat er sich erst einmal für einen Wert entschieden, dann hält er ihn auch während Schwächephasen. Buffett ist beispielsweise der größte Aktionär des Getränkemultis Coca-Cola und der Kreditkartenfirma American Express. Beide Beteiligungen bestehen seit mehr als 20 Jahren. Durch alle Höhen und Tiefen. Auch während der Aktienkrise Ende 2008/Anfang 2009 hat sich Buffett von diesen Werten nicht getrennt.

Bei Moody's ist das ganz anders. „Jedes Mal, wenn der Kurs über 25 Dollar steigt, fängt Buffett zu verkaufen an“, sagen Marktbeobachter. Das deute darauf hin, dass der Investor zu einem vernünftigen Preis ohne Hektik ganz aussteigen will.

Buffett wird „Eisenbahner“

Buffetts wichtigstes Beteiligungskriterium – nachhaltige Wettbewerbsvorteile und ein sehr gutes Management – sieht er bei Moody's ganz offensichtlich nicht. Dafür aber bei so „altmodischen Unternehmen“ wie Eisenbahnen.

Der Investor ist ja, wie berichtet, gerade dabei, um 26 Mrd. Dollar die texanische Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe zu kaufen. Er tue das wegen der starken Position von Santa Fe im amerikanischen Westen, sagte Buffett gestern. Das sei angesichts der Warenströme – viele Konsumgüter kommen über die US-Westküste aus China – ein entscheidendes Plus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2009)

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