Michael Schumachers Rückkehr in die Formel 1 spaltet die Welt des Motorsports in zwei Lager.
Zu Mercedes kam das Christkind heuer einen Tag früher. Unter dem Weihnachtsbaum grinst nun keck Michael Schumacher hervor. Der 41-Jährige kehrt nach drei Jahren Pause in die Königsklasse des Motorsports zurück und soll Mercedes-GP auf der Überholspur halten. Darauf hat die sonntags monoton über TV-Schirme flimmernde Formel 1 wie einen Bissen Brot gewartet.
Doch nicht nur Jubel begleitet die Rückkehr des siebenfachen Weltmeisters. Viele Fans befürchten, dass sich der einst beste Formel-1-Pilot der Welt verkalkuliert hat. Junge Piloten könnten ihn ungeniert ausbremsen. Kann denn ein 41-Jähriger überhaupt die körperlichen Anforderungen erfüllen? Kann er noch gezielt alle Knöpfe auf seinem Lenkrad drücken? Was passiert, wenn ihm Mercedes keinen wettbewerbsfähigen Rennwagen baut?
Andererseits, wäre es nicht vollkommen absurd, wenn ein Fahrer nach drei Jahren wieder ins Cockpit klettert und auf Anhieb Seriensiege feiert? Wäre dann nicht die ganze Formel 1 endgültig als billiger Zirkus enttarnt und alle Piloten als Marionetten bloßgestellt? Michael Schumacher wird uns die Antwort ab Anfang März 2010 liefern, so oder so.
Der Gewinner der ganzen Show ist Bernie Ecclestone. Für die nächsten drei Jahre – so lange läuft Schumachers Vertrag mit Mercedes – sind Sponsoren, TV-Verträge und Ticketverkauf gesichert. Schumacher sells, auch die Organisatoren des Hockenheimrings reiben sich die Hände. Schumacher ist für sie ein Doppeljackpot. Vielleicht übernehmen sie und Ecclestone – anstandshalber – auch die Hälfte der Gage.
Warum aber tut sich ein zweifacher Familienvater, der in seinem Sport alles gewonnen hat, das noch einmal an? Er hat Motorrad- und Rennunfälle überlebt. Er hat genug Geld, er genießt Ruhm und Ansehen. Es muss das unstillbare Verlangen nach Adrenalin sein, verstärkt durch ein gewaltiges Selbstbewusstsein. Vielleicht ist Schumacher auch so übertrieben ehrgeizig, dass er der älteste Weltmeister aller Zeiten werden will. Der Argentinier Juan Manuel Fangio gewann noch im Alter von 46 Jahren den Titel. Dafür müsste Schumacher nicht drei, sondern noch fünf Jahre weiterfahren.
All diese Gründen geben Kritikern die berechtigte Hoffnung, dass die nächste F-1-Saison endlich einen gewissen Unterhaltungswert in sich birgt. Schadenfreude und das Ausbleiben peinlicher Siegerposen würden TV-Quoten ebenso in die Höhe schießen lassen wie unerwartete Triumphe. Daher ist man als Konsument regelrecht gezwungen, wieder Formel 1 zu schauen. Sehr super.
("Die Presse" Printausgabe vom 24. Dezember 2009)