Immobilienmarkt: Fannie und Freddie am Staatstropf

(c) AP (Manuel Balce Ceneta)
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Die US-Regierung übernimmt bis 2012 alle Verluste der Hypothekenfinanzierer. Die Chance auf eine Privatisierung sei gering, zumal es angesichts eines Anstiegs der Arbeitslosenrate zu weiteren Kreditausfällen kommen dürfte.

Washington (AFP/red.). Die US-Regierung wird bis 2012 für alle Nettoverluste der beiden vor dem Bankrott geretteten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac geradestehen. Die bisherige Grenze von je 200 Mrd. Dollar sei aufgehoben worden, teilte das US-Finanzministerium mit. Die Maßnahme sei notwendig, um die „Solidität und Stabilität des Immobilienmarkts auch in der Zukunft zu sichern“, hieß es. An den beiden Baufinanzierern Fannie Mae und Freddie Mac hängt praktisch der gesamte US-Immobilienmarkt, ein Zusammenbruch würde den ohnedies sehr brüchigen Immobilienmarkt torpedieren und damit weitere Turbulenzen auf den Finanzmärkten verursachen.

Die privatwirtschaftlich organisierten Unternehmen vergeben zwar selbst keine Hypotheken direkt an Hausbesitzer. Sie kaufen aber von Hypothekenbanken vergebene Immobiliendarlehen auf und reichen sie in Form von Anleihen an Investoren weiter.

Das US-Finanzministerium kündigte auch an, zum 31. Dezember den Kauf hypothekenbezogener Wertpapiere der beiden Unternehmen einzustellen. Nach dem 31. Dezember hätte die US-Regierung für jede weitere Kapitalaufstockung die Zustimmung des Kongresses einholen müssen.

Faule Kredite

Fannie Mae und Freddie Mac stehen seit September 2008 unter der Kontrolle der US-Regierung. Diese musste eingegriffen, um einen Kollaps der beiden Baufinanzierer und damit des gesamten US-Kreditmarktes zu verhindern. In mehreren Hilfsaktionen haben die beiden Unternehmen in Summe 111 Mrd. Dollar an staatlichen Kapitalspritzen erhalten. Davon gingen 51 Mrd. Dollar an Freddie Mac und 60 Mrd. Dollar an Fannie Mae.

Fannie Mae hat angesichts steigender Kreditausfälle allein für das dritte Quartal einen Verlust von 19,8 Mrd. Dollar ausgewiesen und nochmals 15 Mrd. Dollar Staatshilfe gefordert. Im zweiten Quartal belief sich der Abgang auf 15,2 Mrd. Dollar.

Amerikanische Hausbesitzer waren angesichts fallender Häuserpreise und zunehmender Arbeitslosigkeit mit der Zahlung ihrer Raten in Verzug geraten. Fannie und Freddie hatten zudem während der Hochkonjunktur und steigender Häuserpreise Kredite für zahlungsschwache Schuldner, sogenannte Subprime-Hypotheken, garantiert. Die Zahlungsausfälle im Subprime-Markt haben die Finanzkrise ins Rollen gebracht.

Rajiv Setia, Analyst von Barclays in New York, glaubt, dass die Konzerne möglicherweise ein ganzes Jahrzehnt in Staatsbesitz bleiben könnten. Die Chance auf eine Privatisierung sei gering, zumal es angesichts eines Anstiegs der Arbeitslosenrate zu weiteren Kreditausfällen kommen dürfte. Die US-Arbeitslosenquote liegt mit über zehn Prozent auf dem höchsten Stand seit 26 Jahren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2009)

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