Las Vegas: Schon vor dem Massaker schoss Paddock auf Wachmann

Die zerstörten Fenster des Zimmers im Mandalay Bay Hotels in Las Vegas werden repariert.
Die zerstörten Fenster des Zimmers im Mandalay Bay Hotels in Las Vegas werden repariert.REUTERS

Sheriff Lombardo korrigiert die Angaben zum Ablauf des Massakers - blieb aber eine Antwort auf die Frage schuldig, warum die Polizei dann Probleme hatte, den Schützen zu lokalisieren.

Ein Wachmann war das erste Ziel von Stephen Paddock. Sechs Minuten vor dem Blutbad in der Menschenmenge von Festival-Besuchern in Las Vegas hatte Paddock durch die Tür des Hotelzimmers auf Wachmann Jesus Campos geschossen, sagte Sheriff Joseph Lombardo am Montag vor Journalisten.

Bisher hatte es geheißen, Campos sei erst nach dem Blutbad kurz vor der Erstürmung der Suite verletzt worden. Der Sicherheitsmitarbeiter des Hotels habe Bohrgeräusche aus Stephen Paddocks Zimmer gehört - als er sich der Suite näherte, habe Paddock durch die Tür geschossen und den Mann am Bein verletzt. Zuvor war bekannt geworden, dass der Tatverdächtige Kameras installiert hatte, um die Bewegungen im Flur vor seinem Zimmer verfolgen zu können.

Bisher war Campos als Held gefeiert worden, weil die Ermittler davon ausgegangen waren, dass Paddock durch das Auftauchen des Wachmanns auf dem Gang davon abgehalten wurde, weiter aus dem Fenster auf Konzertbesucher zu schießen.

Der verletzte Wachmann habe der Polizei den genauen Weg zu Paddocks Zimmer beschrieben, sagte Lombardo. Der Verdächtige sei tot gewesen, als die Beamten in sein Zimmer eindrangen. Hinweise auf einen zweiten Schützen gebe es nicht.

Der Heckenschütze hatte am 1. Oktober vom 32. Stock eines Hotels aus minutenlang tausende Schüsse auf die Besucher eines Freiluft-Country-Festivals abgefeuert und dabei 58 Menschen getötet und hunderte verletzt. Anschließend erschoss sich der 64-Jährige selbst.

Zwanghafter Spielautomat-Nutzer

Am Montag waren neue Details über den Massenmörder bekannt geworden. Paddock war lange Zeit ein geradezu zwanghafter Spielautomaten-Nutzer und nahm das Beruhigungsmittel Valium gegen Angstzustände. Das berichtete der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf ein Gerichtsdokument aus dem Jahr 2013. Darin bezeichnete sich Paddock demnach selbst als "größten Videopoker-Spieler der Welt".

Videopoker wird an Spielautomaten beispielsweise in Kasinos gespielt. Paddock war 2011 in einem Hotel ausgerutscht und verklagte das Hotel später. In einem 97-seitigen Dokument für das Verfahren machte er zahlreiche Angaben über sich selbst. Das Dokument, aus dem CNN nun zitierte, wurde an die US-Bundespolizei FBI übergeben.

"Niemand hat so viel und so lange gespielt wie ich", erklärte Paddock demnach. So habe er im Jahr 2006 "14 Stunden am Tag gespielt, 365 Tage im Jahr". Er pokere die ganze Nacht und schlafe tagsüber.

Valium gegen Angstzustände

In manchen Nächten habe er insgesamt um eine Million Dollar gespielt. Für ihn sei das nicht viel Geld. Trotz seines Wohlstands habe er seine eigenen Getränke in die Spielautomatensäle der Kasinos mitgenommen - um den Kellnerinnen kein Trinkgeld geben zu müssen.

Paddock ließ sich demnach auch Valium gegen Angstzustände verschreiben. Seinen eigenen Angaben zufolge litt er aber nicht unter psychischen Problemen, hatte keine Suchtprobleme und war nicht vorbestraft. Sein Motiv sei noch immer unklar, sagte Sheriff Lombardo. "Unser wichtigstes Ziel ist es, die Frage nach dem Warum zu klären." Hilfe versprechen sich die Ermittler von Paddocks Bruder, der in der Stadt sei.

(APA/AFP)