Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Straßenbahn in Wien entgleist

(c) APA/ÖAMTC
  • Drucken

Eine Garnitur der Linie 26 kam erst auf dem Grünstreifen zum Stehen. Die Ursache des Unfalls ist noch ungeklärt. Vier Fahrgäste zogen sich leichte Verletzungen zu, die Fahrerin einen Knochenbruch.

Wien (APA/awa). In Wien-Floridsdorf ist am Sonntagvormittag ein spektakulärer Unfall passiert. Eine Garnitur der Straßenbahnlinie 26 ist gegen 10.30 Uhr in einer Kurve im Kreuzungsbereich Prager Straße/Rußbergstraße entgleist. Dabei touchierte sie einige Masten und kam nach 30 Metern auf einer Grünfläche unmittelbar vor den Auslagenscheiben eines Autohauses zum Stehen.

Glück im Unglück hatten die wenigen (nach Angaben der Polizei ca. zehn) Fahrgäste, die sich in der „Bim“ befanden. Vier von ihnen erlitten leichte Schnittverletzungen. Unter den Fahrgästen waren auch einige ältere Personen, die zur Kontrolle in umliegende Krankenhäuser gebracht wurden, aber schon am Nachmittag wieder entlassen werden konnten. Schwerer verletzt wurde die 24-jährige Straßenbahnlenkerin. Sie erlitt Prellungen und eine Wirbelsäulenverletzung, konnte aber bereits am Nachmittag von der Polizei vernommen werden. Im Gespräch mit der „Presse“ sagte Andreas Mayr, ein Sprecher der Wiener Polizei: „Die Lenkerin hat ausgesagt, sie wollte bremsen, das sei aber nicht gegangen.“

Die genaue Ursache für die Entgleisung stand am Sonntag noch nicht fest. Unfallort und Kreuzungsbereich wurden für den Verkehr gesperrt, ein Schienenersatzverkehr mit Bussen wurde eingerichtet. Der technische Trupp des Unfallkommandos der Polizei untersuchte Unfallort und Straßenbahn.

 

Rund 750 Verletzte pro Jahr

Vorerst war die Polizei von einem technischen Gebrechen als Unfallursache ausgegangen. Von den Wiener Linien hieß es aber, dass es sich auch um menschliches Versagen handeln könnte. Angeblich wurde vor dem Einbiegen in die Kurve nicht gebremst. Die Aussage der Straßenbahnlenkerin widerspricht dieser Vermutung. Die genauen Ergebnisse der Untersuchungskommission werden für die kommenden Tage erwartet.

Obwohl die Straßenbahn als eines der sichersten Verkehrsmittel gilt, kommt es immer wieder zu Unfällen. Die Ursachen reichen von menschlichem Versagen bis zu technischen Defekten. Eines der schwersten Straßenbahnunglücke in der jüngeren Geschichte ereignete sich im April 1998. Dabei wurde der Beiwagen eines Zuges der Linie 71 in Simmering in eine Filiale einer Raiffeisenbank geschleudert. Ein Bankangestellter starb sofort, 37 Menschen wurden verletzt. Schuld war eine falsch gestellte Weiche.

Bei einem Zusammenstoß eines Shuttle-Busses mit einer Garnitur der Linie 26 starben im März 2005 ein vierjähriger Bub und ein 16-Jähriger, 17 Menschen wurden verletzt. Erst im Oktober dieses Jahres kam eine 58-jährige Frau ums Leben, weil sich ihre Kleidung in einem Waggon der Linie 71 verfangen hatte und sie mitgeschleift wurde. Jährlich werden in Wien um die 750 Menschen bei Unfällen mit Straßenbahnen verletzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2009)