China ist neuer Exportweltmeister

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Die Krise trifft das Reich der Mitte schwächer als andere Exportnationen. Endgültige Zahlen, die das belegen, gibt es noch nicht. Die Entwicklung lässt sich aber an den Daten per Ende Oktober ablesen.

Peking/Wien (hie/ag.). Wenn in China Mitte Februar das alte Jahr zu Ende geht, wird voraussichtlich nicht nur der Start ins neue Jahr gefeiert. Auch die Wirtschaft könnte Grund zum Jubeln bieten: Denn China dürfte sich heuer zum Exportweltmeister aufgeschwungen haben.

Endgültige Zahlen, die das belegen, gibt es noch nicht. Die Entwicklung lässt sich aber an den Daten per Ende Oktober ablesen. In den ersten zehn Monaten 2009 hat China laut Zahlen der Welthandelsorganisation WTO Waren und Dienstleistungen im Wert von rund 957 Mrd. Dollar (664 Mrd. Euro) ins Ausland geliefert. Deutschland, bisher Nummer eins auf der Liste der Exportnationen, schaffte im selben Zeitraum nur rund 912 Mrd. Dollar und fällt damit hinter China zurück.

2008 war das noch anders: Da lag der Wert der deutschen Exporte – im Gesamtjahr – mit 1462 Mrd. Dollar noch über den Ausfuhren Chinas mit 1428 Mrd. Dollar. Doch auch im Vorjahr konnte sich China bereits eine „kleine Weltmeisterkrone“ aufsetzen: So belegte das Reich der Mitte beim Export von Waren bereits den ersten Platz.

Besonders drastisch ist der Zehnjahresvergleich. So exportierte China 2008 fast achtmal so viel ins Ausland wie noch zehn Jahre zuvor. Diese Steigerung ist allerdings nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass westliche Industriekonzerne stark darauf setzen, à la „Made in China“ in Billigländern zu produzieren. Außerdem liegen die Zahlen im Verhältnis zur Einwohnerzahl immer noch deutlich unter jenen westlicher Länder.

BIP wuchs 2008 stärker

Die Krise ist natürlich auch an China nicht spurlos vorübergegangen. 2009 werden die chinesischen Ausfuhren laut offiziellen Schätzungen um 16Prozent zurückgehen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie rechnet damit, dass die deutschen Industriebetriebe um etwa 18 Prozent weniger exportieren werden als 2008.

In China ist man daher zuversichtlich: Chinas Anteil am Welthandel werde 2009 über neun Prozent betragen, gab sich der chinesische Vize-Handelsminister am Sonntag überzeugt. Im Vorjahr waren es laut WTO 8,9Prozent. Deutschland lag mit 9,1Prozent Anteil an der Spitze. Nummer drei waren die USA, gefolgt von Japan.

Die Nummer eins auf der Liste der größten Exportländer ist dem Reich der Mitte aber nicht genug. China will Japan verdrängen und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt werden. Die Nummer drei, Deutschland, haben die Chinesen bereits 2007 abgelöst. Erst vor Kurzem revidierte China das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für 2008 nachträglich nach oben. Die Wirtschaft soll demnach um 9,6 statt wie zuvor angenommen um neun Prozent gewachsen sein.

Im Vergleich zu den europäischen Wachstumsraten mutet das auf den ersten Blick viel an – China benötigt aber allein acht Prozent Wachstum, um die Beschäftigung stabil zu halten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2009)

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