Frankfurter Buchmesse: Stelldichein der Schriftsteller-Stars

Ken Follett, Erfolgsautor, Bestverdiener.
Ken Follett, Erfolgsautor, Bestverdiener.(c) AFP
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Stars wie Dan Brown – und ein heftiges Scharmützel um den Wiener Identitären Martin Sellner: Die Buchmesse verbreitete am Wochenende Glanz und Düsternis.

Man hätte den Briten Ken Follett für einen TV-Prediger halten können, als er in Frankfurt seinen Roman „Das Fundament der Ewigkeit“ präsentierte: glatt, gepflegt und mit allen Werbewassern gewaschen; auch einen Film über die Entstehung des Romans bekam das Publikum serviert. Kaum ein Autor auf der Welt verdient mehr als er – und Dan Brown, ein weiterer Stargast.

Die ersten Tage der Frankfurter Buchmesse gehören der Fachwelt, das Wochenende erst dem Publikum. Spät angereist ist aber auch die Kanadierin Margaret Atwood. Am heutigen Sonntag erhält die 77-Jährige in der Frankfurter Paulskirche den renommierten, traditionell politisch konnotierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels überreicht. Ihr politisches Engagement hänge eng mit ihrer Ehe zusammen, erzählte sie am Samstag. Ohne ihren Mann wäre sie nie so aktiv gewesen. Ihre Bücher lese er freilich gar nicht. Das sei besser für die Partnerschaft . . . Besonders Atwoods 1985 erschienener dystopischer Roman „Der Report der Magd“ ist hier in Frankfurt großes Thema; er beschreibt eine totalitäre Gesellschaft, in der Frauen auf die Funktion von Gebärmaschinen reduziert sind. Befragt wird Atwood hier nämlich vor allem zu Trump, zum Islam und zu rechtsextremen Tendenzen in Europa. „Die Welt ist den dunklen Tagen der 1930er-Jahre näher, als sie es seitdem je war“, sagt sie. Und in repressiven Zeiten seien Frauen stets besonders bedroht.

Allein Trump als Präsident zeige, dass der Feminismus so nötig wie eh und je sei, betont auch die in London lebende 45-jährige Thriller-Autorin Paula Hawkins, die derzeit zu den bestverdienenden Schriftstellern der Welt gehört. Sie hat das für Autoren heikelste aller Bücher veröffentlicht – das zweite nach einem gigantischen Bestseller. Ihr 2015 erschienener fünfter Roman „Girl on the Train“ wurde in rund 40 Sprachen übersetzt und hat sich bisher zwanzig Millionen Mal verkauft. In Frankfurt präsentierte sie ihren neuen Roman „Into the Water“. Beim Podiumsgespräch bekam sie von der ARD auch ein Geschenk überreicht, das sie eher peinlich zu berühren schien: eine Trump-Puppe mit der Bedienungsanleitung: „Wenn du Stress hast, box mich!“

Die Zeiten werden eben härter. Darauf deutet auch der kleine Stand des Antaios Verlags von Götz Kubitschek hin. Der Publizist und AfD-Ideologe nennt seinen Verlag rechtskonservativ, seine Kritiker sagen rechtsextrem dazu. Hier liegt unter anderem das Büchlein „Finis Germania“ von Rolf-Peter Sieferle auf, das durch sein überraschendes Erscheinen auf der „Spiegel“-Bestsellerliste im Juli dieses Jahres für so viel Wirbel gesorgt hat. Gegen die Präsenz des Antaios Verlags auf der Messe war vor der Eröffnung protestiert worden.

Großes Interesse an den Identitären. Doch Interesse und Empörung haben offenbar nicht auf das breite Publikum ausgestrahlt. Eine lange Schlange aus jungen Leuten flankiert zwar am Samstag den Stand; doch sie gilt einem Bestseller-Autor dahinter: Fantasy-Autor Markus Heitz verteilt Autogramme. Ganz anders aber dann die Situation am Abend, wo Autoren des Antaios Verlags auf einer Bühne ihre neuen Bücher präsentieren. Großer Andrang bei den neurechten Aktivisten Martin Lichtmesz und Caroline Sommerfeld, die ihr Buch „Mit Linken leben“ vorstellen; nicht weniger beim Autor Akif Pirinçci.

Vor dem geplanten Auftritt zweier Identitärer, des Wiener Martin Sellners und des Deutschen Mario Müller, gerät die Situation außer Kontrolle: Eine gegen den Auftritt demonstrierende Gruppe brüllt Protestparolen, die andere Seite brüllt nicht minder heftig zurück; der hinzukommende Buchmessen-Chef Jürgen Boos weiß nicht, was tun, oder will nichts tun, Polizisten stehen eine halbe Stunde herum und warten auf Anweisung. Endlich zerstreuen sich die Demonstranten, die Veranstaltung mit Martin Sellner und Mario Müller wird für beendet erklärt. Einer dieser zwei jungen schmächtigen Männer verkündet mit hochgerecktem Kinn, breitbeinig und im militärischen Tonfall: „Heute haben wir hier gesiegt“.

Grölende linke und rechte Aktivisten, und mittendrin der Buchmessendirektor, ein Bild der Hilflosigkeit: Gespenstisch, beängstigend.

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