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David Ellensohn: „Niederlagen haben viele Väter und Mütter"

Archivbild: David Ellensohn
Archivbild: David EllensohnDie Presse
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David Ellensohn, Klubchef der Wiener Grünen im Rathaus, über die Gründe des grünen Absturzes und die möglichen Auswirkungen auf Rot-Grün in Wien.

Die Grünen Wien werden wohl zumindest prozentuell noch höhere Verluste einbüßen müssen als auf Bundesebene. Was ist schief gegangen?

David Ellensohn: Das stimmt so nicht. Auf Bundesebene sind wir – falls wir reinkommen – gedrittelt. In Wien rutschen wir von 16 auf elf Prozent – man darf das nicht in prozentuellen Verlusten denken. Prinzipiell: Wahlerfolge haben viele Väter und Mütter. Niederlagen auch. Es gibt nicht einen Grund. Und wenn ich alles jetzt schon wüsste, dann hätte ich es vor 100 Tagen schon gesagt und wir hätten diese Fehler nicht gemacht.

Aber schon eine Idee, was nicht gepasst hat?

Jede neue Liste, schadet denen, die schon da sind. Und natürlich ist eine Konkurrenzliste von jenen, die früher bei uns waren, nicht förderlich für das eigene Wahlergebnis. Das alleine ist es aber nicht – wie wir das Bundesergebnis auf Wien herunterbrechen, werden wir sehen. Wir werden genau die Bezirks- und Sprengelergebnisse analysieren.

Was muss sich unverzüglich ändern?

Wir sitzen in Wien in einer Regierung, gegen die die wohl künftige schwarz-blaue Bundesregierung arbeiten will. Unser Hauptjob ist, für Wien die bestmögliche Arbeit zu leisten und sie ebenso vor schwarz-blauen Angriffen zu schützen. Dass wir uns auch um die Grünen kümmern müssen, das ist auch eine Aufgabe, der wir uns stellen müssen.

Sollte es die Grünen im Bund nicht mehr geben, schwächt das auch die Wiener Grünen. Haben Sie Angst, dass der künftige Wiener Bürgermeister darum einen fliegenden Koalitionswechsel anstrebt?

Nein, das halte ich für ausgeschlossen. Die Wiener SPÖ und der aktuelle Bürgermeister und auch der namentlich oft genannte Nachfolger haben ein klares Bekenntnis zu Rot-Grün abgegeben. Außerdem hätte Rot-Schwarz in Wien nur ein Mandat Überhang für notwendige Mehrheiten. Das ist auch gefährlich. Wäre ich die SPÖ, würde ich den Wiener Schwarzen keinen Moment vertrauen. Die haben sich im Wahlkampf massiv am Wien-Bashing beteiligen.

Wen von den Bundes-Grünen will man nach Wien holen und so retten?

Es stimmt: Auch wenn wir im Bund vielleicht doch vertreten sind, verlieren wir viele gute Leute. Es war bei uns aber immer so, dass wir mehr gute Leute als Funktionen haben. Das wird sich noch verstärken. Wie wir uns künftig verteilen und wie wir miteinander arbeiten, werden wir sehen.

Was ist die Moral von der Geschichte?

Wenn nach dem Most-dirty-Wahlkampf, den ich bisher gesehen habe, auch noch jene gewinnen, die daran beteiligt waren, dann stimmt das nachdenklich. Anders formuliert: Wenn man ein Boxmatch schaut, dann ist man immer für einen der beiden Kontrahenten und nie für den Schiedsrichter. Wir hatten diese Funktion.

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